Deutsche Bank-Chef Christian Sewing: „Wir können uns eine Vier-Tage-Woche nicht erlauben“

"Zu lange haben wir und in der Vorstellung eingerichtet, dass die Wirtschaft quasi von selbst weiterlaufen werde", sagte Deutsche Bank-Chef Christian Sewing beim Bankengipfel. - Copyright: Pool / Pool via getty images
"Zu lange haben wir und in der Vorstellung eingerichtet, dass die Wirtschaft quasi von selbst weiterlaufen werde", sagte Deutsche Bank-Chef Christian Sewing beim Bankengipfel. - Copyright: Pool / Pool via getty images

In den vergangenen Monaten dominierten häufig negative Schlagzeilen über die deutsche Wirtschaft die Nachrichten. Eine mögliche Rezession ist auch noch nicht vom Tisch. Laut dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung liegt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Deutschland für die kommenden drei Monate bei 74 Prozent.

Beim Bankengipfel des "Handelsblatt" rief Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank, allerdings zu mehr Optimismus auf. „Ich kann mit den Abgesängen nichts anfangen, die derzeit überall auf Deutschlands Wirtschaft angestimmt werden“, sagte Sewing. „Wir sind nicht der kranke Mann Europas.“

50 Prozent der Wirtschaft seien Sentiment, Mentalität, Mindset. "Ich glaube nicht, dass die Fakten so schlecht sind, wie sie dargestellt werden", so der Deutsche-Bank-Chef. Vor einem halben Jahr habe es einen Konsens in der Wirtschaft gegeben, dass Deutschland in eine Rezession von zwei bis vier Prozent fallen werde. Deutschland habe es aber geschafft, das abzuwenden.

Die deutsche Wirtschaft ist laut Sewing immer noch robust

Das Land habe immer noch erstklassige Unternehmen, top ausgebildete Fachkräfte und Resilienz, „die wir in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen haben“. Deutschland sei zwar bei den meisten Technologien kein Vorreiter, allerdings habe die Wirtschaft immer wieder bewiesen, dass sie bei der Adaptation von Innovation immer noch spitze sei.

„Das ist alles nicht plötzlich weg, weil unsere Wirtschaft drei Quartale nicht wächst.“ Allerdings gebe es strukturelle Defizite, „die unsere Wirtschaft hemmen“. Dazu zählten etwa zu hohe und nicht planbare Energiekosten sowie Rückstände bei der Digitalisierung, veraltete Infrastruktur, Fachkräftemangel sowie Überbürokratisierung.

"Das Wort Work-Life-Balance hat einen großen Fehler"

Problematisch sei aber vor allem unsere Haltung: „Zu lange haben wir und in der Vorstellung eingerichtet, dass die Wirtschaft quasi von selbst weiterlaufen werde und wir gar nicht besonders viel tun müssten für den Erfolg“, so Sewing. Es gebe eine Diskussion darüber, ob Wachstum überhaupt noch erstrebenswert sei, über die Umverteilung des Wohlstands und über die Vier-Tage-Woche.

"Damit negieren wir das ökonomische Grundprinzip, dass man erst etwas leisten muss, bevor man etwas bekommt", sagte der Deutsche-Bank-Chef. „Wir können uns eine Vier-Tage-Woche einfach nicht erlauben.“ Es stimme nicht, dass wir mit nur vier Tagen Arbeit genauso effizient und effektiv arbeiten könnten.

Wichtig für die Wirtschaft sei eine Veränderung unserer Haltung zur Arbeit. Unternehmen sollten sich dem Deutsche Bank-Chef zufolge fragen, wie sie Menschen wieder vermehrt ins Büro bringen. Das Wort Work-Life-Balance habe seines Erachtens einen großen Fehler, sagte Sewing weiter. Es mache einen Unterschied zwischen Arbeit und Leben. "Arbeit gehört zum Leben", so der Deutsche-Bank-Chef. "Wir sollten uns wieder daran gewöhnen, dass diese Arbeit Teil unsres täglichen Lebens ist."