Verwirrung um AstraZeneca-Impfstoff; Lockdown-Ende in England

David Verbeek
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Astra/Oxford sorgen für Verwirrung, der designierte US-Präsident appelliert an den Patriotismus, und in London wird Trinken zum Essen gestattet: Der Corona-Überblick.

Am Corona-Impfstoffkandidaten von AstraZeneca und der Universität Oxford gibt es zunehmende Zweifel. Nachdem der britische Pharmakonzern Anfang der Woche mitgeteilt hatte, eine bestimmte Dosierung des Impfstoffs führe zu einer höheren Wirksamkeit, erklärte der Partner Oxford, diese Dosierung sei Folge eines Produktionsfehlers.

“Es ist nie gut, wenn es Verwirrung bei Studien gibt, denn damit verliert man alle Glaubwürdigkeit”, sagte Ketan Patel, Fondsmanager bei EdenTree Investment Management. “Ich glaube, dass wegen des Herstellungsthemas jetzt bei dem Astra-Produkt viel genauer hingeschaut werden wird.” Ein Sprecher von Astra sagte, die Studien entsprächen den “höchsten Standards”, und weitere Analysen würden durchgeführt, um die Angaben zur Wirksamkeit zu verfeinern.

Bund und Länder haben sich am Mittwoch auf eine Verlängerung und Verschärfung der Pandemie-Beschränkungen geeinigt. Für den Einzelhandel wurden strengere Regeln beschlossen. “Wir brauchen noch mal eine Kraftanstrengung”, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach der siebenstündigen Videokonferenz mit den Ministerpräsidenten, “die Lage erlaubt es uns nicht, die November-Maßnahmen aufzuheben”. Ziel ist es, die Infektionszahlen so zu drücken, dass kurz vor Weihnachten bestimmte Lockerungen in Kraft treten können.

Private Zusammenkünfte mit Freunden oder Verwandten sollen auf insgesamt maximal fünf Personen aus zwei Haushalten begrenzt werden. Ab dem 23. Dezember bis zum 1. Januar sollen dann Treffen “im engsten Familien- oder Freundeskreis” bis maximal zehn Personen möglich sein. Kinder bis 14 Jahre sollen bei beiden Regelungen ausgenommen sein.

Eine Verlängerung der Beschränkungen ist laut Bundeskanzleramt sogar bis März möglich. “Diese Zurückhaltung, die wir alle an den Tag legen müssen, das wird uns auch den Januar, Februar und März begleiten, und gegebenenfalls auch Beschränkungsmaßnahmen, wenn unser individuelles Verhalten nicht ausreicht”, sagte Kanzleramtschef Helge Braun am Donnerstagmorgen dem Fernsehsender RTL.

Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Donnerstagmorgen hat Deutschland mit 32.687 die meisten Corona-Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie gemeldet. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 stieg in den letzten 24 Stunden um 378, so stark wie seit Mitte April nicht mehr.

In England endet nächste Woche der landesweite Lockdown, wie Premierminister Boris Johnson bestätigte. An seine Stelle werden strengere regionale Beschränkungen treten, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. In London werden Maßnahmen der Stufe zwei in Kraft treten, die unter Anderem eine Öffnung von Kneipen und Restaurants ermöglichen, aber den Alkoholausschank nur zusammen mit einer Mahlzeit erlauben. Die britische Hauptstadt entgeht damit der strengsten Lockdown-Stufe, die zum Beispiel in Manchester, Newcastle und Bristol gelten wird.

Joe Biden hat das Maskentragen zur “patriotischen Pflicht” erklärt. In einer nüchternen Rede zum Thanksgiving-Fest stimmte der designierte US-Präsident die amerikanische Nation auf einen “langen, harten Winter” ein. Auch während der kommenden Feiertage sollten die Bürger Abstand halten. “Die Regierung kann das nicht alleine leisten”, und jeder Bürger habe die Verantwortung zu tun, was er könne, um die Virusausbreitung zu bremsen, appellierte er.

Seit Beginn der Pandemie wurde das Virus in der Bundesrepublik bei insgesamt 995.879 Personen festgestellt. Die Gesamtzahl der Todesfälle stieg auf 15.210.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend lag die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert, bei 0,76, nach 0,87 am Vortag. Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte

(Ergänzt um AstraZeneca, England)

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

Subscribe now to stay ahead with the most trusted business news source.

©2020 Bloomberg L.P.