Deutsche Exporte 2019 um 0,8 Prozent gestiegen

Containerschiff in Bremerhaven

Der deutsche Außenhandel hat 2019 weiter zugelegt. Allerdings büßte er mit einem Plus bei den Ausfuhren von 0,8 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren an Dynamik ein, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Insbesondere die deutsche Industrie zeigte sich den Statistikern zufolge zum Jahresausklang schwach. Die Gesamtproduktion ging im Dezember 2019 im Vormonatsvergleich um 3,5 Prozent zurück. Experten warnten vor diesem Hintergrund vor weiteren Einbußen durch den Brexit und die Ausbreitung des Coronavirus.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr von Deutschland Waren im Wert von knapp 1,328 Billionen Euro exportiert und Waren im Wert von 1,104 Billionen Euro aus dem Ausland importiert, wie das Statistische Bundesamt am Freitag auf Grundlage vorläufiger Ergebnisse mitteilte. Das bedeutet eine Steigerung bei den Ausfuhren von 0,8 Prozent gegenüber 2018; die Importe wuchsen um 1,4 Prozent.

In den Vorjahren war der Außenhandel allerdings noch deutlich stärker gewachsen: 2018 legten die Exporte um 3,0 Prozent und die Importe gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent zu. 2017 hatten die Exporte 6,2 Prozent und die Importe 8,0 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen.

Nachdem die Exporte im November im Vergleich zum Vorjahresmonat noch mit minus 2,9 Prozent deutlich zurückgegangen waren, verzeichneten die Statistiker für den Dezember wieder einen Anstieg: Im letzten Monat des Jahres wurden von Deutschland Waren im Wert von 98,0 Milliarden Euro ausgeführt - 2,3 Prozent mehr als im Dezember 2018. Die Einfuhren lagen bei 82,8 Milliarden Euro; das ist ein Plus von 1,2 Prozent. Kalender- und saisonbereinigt stiegen die Exporte gegenüber dem Vormonat November 2019 um 0,1 Prozent.

Der Überschuss in der Außenhandelsbilanz, für den Deutschland international immer wieder kritisiert wird, lag im Gesamtjahr 2019 bei 223,6 Milliarden Euro. Das ist weniger als 2018, als sich der Überschuss auf 228,7 Milliarden Euro summiert hatte. Wichtigste Handelspartner waren 2019 erneut die Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Der Außenhandelsverband BGA zeigte sich zufrieden mit den Exportzahlen. "Die vergangenen Wochen und Monate zeigen, wie empfindlich unsere global vernetzte Wirtschaft auf Epidemien und Handelsstreitigkeiten reagieren kann", erklärte BGA-Präsident Holger Bringmann. Zugleich warnte er vor Herausforderungen durch die konjunkturelle Eintrübung, die Brexit-Verhandlungen oder die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus.

Vor diesem Hintergrund bereitete zum Jahresende die deutsche Industrieproduktion sorgen. Diese war nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Dezember stark rückläufig. Im produzierenden Gewerbe lag die Herstellung demnach insgesamt um 3,5 Prozent niedriger als im Vormonat. Im Vergleich zum Dezember 2018 betrug der Rückgang der Gesamtproduktion den Angaben zufolge sogar 6,8 Prozent.

Die Produktion der Industrie - ohne den Bau - lag demnach 2,9 Prozent niedriger als im November. Beim Bau verzeichneten die Statistiker einen Rückgang von 8,7 Prozent im Vormonatsvergleich.

Die zuletzt schwache Entwicklung der Produktion und der Auftragseingänge deute darauf hin, dass die Konjunkturschwäche in der Industrie noch nicht überwunden sei, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. "Aufgrund einer hohen Anzahl an Brückentagen im Dezember dürfte der Rückgang der Industrieproduktion allerdings überzeichnet sein." Eine verbesserte Stimmung in den Unternehmen spreche dafür, dass sich die Industriekonjunktur in den kommenden Monaten etwas aufhellen werde.

Die Rezessionskräfte hätten die deutsche Industrie "immer noch fest im Griff", kommentierte dagegen Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft IfW in Kiel. Auch wenn die Weltwirtschaft konjunkturell allmählich wieder festeren Tritt fassen dürfte, drohten kurzfristig vor allem produktionsseitige Ausfälle in Folge der Corona-Epidemie. Damit dürfte auch die Erholung in der deutschen Industrie "länger auf sich warten lassen".