Werbung

Deutsche Marine erwartet im Roten Meer einen ihrer gefährlichsten Einsätze

Im "Kriegsmarsch" rund um die Uhr in Alarmbereitschaft: Die Deutsche Marine erwartet bei der geplanten Beteiligung an einer EU-Mission zum Schutz der Seewege im Roten Meer einen der gefährlichsten Einsätze in ihrer Geschichte. (FOCKE STRANGMANN)
Im "Kriegsmarsch" rund um die Uhr in Alarmbereitschaft: Die Deutsche Marine erwartet bei der geplanten Beteiligung an einer EU-Mission zum Schutz der Seewege im Roten Meer einen der gefährlichsten Einsätze in ihrer Geschichte. (FOCKE STRANGMANN)

Im "Kriegsmarsch" rund um die Uhr gefechtsbereit: Die Deutsche Marine erwartet bei der geplanten Beteiligung an einer EU-Mission zum Schutz der Seewege im Roten Meer einen der gefährlichsten Einsätze in ihrer Geschichte. Marine-Inspekteur Jan Christian Kaack sagte am Donnerstag zum Auslaufen der Fregatte "Hessen", diese bereite sich auf Angriffe der Huthi-Miliz im Jemen mit Raketen, Drohnen und ferngesteuerten "Kamikaze-Booten" vor.

Es sei "der ernsthafteste Einsatz einer deutschen Marine-Einheit seit vielen Jahrzehnten", sagte Kaack vor Journalisten in Berlin. Die "Hessen" verließ am Vormittag Wilhelmshaven in Richtung Mittelmeer. Die Fregatte mit rund 240 Soldatinnen und Soldaten an Bord soll sich in einigen Wochen vorbehaltlich eines Mandats der EU und des Bundestags im Roten Meer am Schutz von Handelsschiffen vor Angriffen der Huthi-Miliz beteiligen.

Die "Hessen" würde dabei laut Kaack eine "Torwart-Funktion" bei der Begleitung der Handelsschiffe übernehmen, um etwa anfliegende Flugkörper abzufangen. Der Vizeadmiral betonte das konkrete deutsche Interesse an dem Einsatz an der zweitwichtigsten Seefahrtsstraße der Welt: Denn dabei gehe es um die Sicherung der Versorgungs- und Handelswege auch der deutschen Industrie.

Für die Besatzung bedeute der geplante Einsatz eine hohe psychische und physische Belastung, sagte Kaack. Das Schiff werde vor Ort "im sogenannten Kriegsmarsch" fahren, die Hälfte der Besatzung sei dabei immer auf Station. Mit weitreichenden Radaranlagen und Waffensystemen, die sowohl Ziele in der Nähe als auch in bis zu 160 Kilometern Entfernung bekämpfen könnten, gebe es aber kein Schiff der Marine, das besser auf einen solchen Einsatz vorbereitet sei.

"Die Hessen" soll vorerst bis Ende April in dem Einsatz bleiben, sagte Kaack. Im zweiten Halbjahr könne dann für mehrere Monate eines der Schwesterschiffe an der Mission teilnehmen.

Die Huthi-Miliz sieht sich als Teil der gegen Israel gerichteten pro-iranischen "Achse des Widerstands" im Nahost-Krieg. Bereits seit Dezember versuchen Kriegsschiffe einer internationalen Koalition unter US-Führung, die Route entlang der jemenitischen Küste zu sichern.

Die EU plant eine eigene Mission namens "Aspides". Vertreter der Mitgliedsländer wollten das Mandat noch am Donnerstag billigen, wie es von Brüsseler Beamten und Diplomaten hieß. Vorgesehen sind drei Kriegsschiffe mitsamt Begleitflugzeugen wie Hubschraubern und Drohnen.

Die Mission sieht keine Angriffe auf Huthi-Stellungen an Land vor, wie es bei der Mission "Poseidon Archer" von Großbritannien und den USA der Fall ist. Das Kommando des EU-Einsatzes liegt nach Brüsseler Angaben bei einem griechischen Admiral, das Hauptquartier ist im griechischen Larisa angesiedelt.

Der formelle Beschluss zum Start der EU-Mission soll beim nächsten Außenministertreffen am 19. Februar fallen. Im Anschluss müsste der Bundestag die deutsche Beteiligung noch beschließen - nach der vorläufigen Parlamentstagesordnung ist die Abstimmung darüber am 23. Februar vorgesehen. Diplomatenkreisen zufolge wäre das Mandat zunächst auf ein Jahr befristet.

mt/pw