Deutsche Start-ups bekommen im ersten Halbjahr etwas weniger Geld

Junge deutsche Unternehmen haben im ersten Halbjahr laut einer Auswertung der Unternehmensberatung EY rund 2,4 Milliarden Euro von Investoren eingesammelt. Das waren sieben Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie EY am Dienstag mitteilte. Dafür stieg die Zahl der Finanzierungsrunden von 264 auf 272. Am meisten Geld bekam der Berliner Gebrauchtwagenhändler Auto1 mit 460 Millionen Euro. Es folgte der Möbelversand Home24 mit 172 Millionen Euro.

Investoren geben ihr Geld weiterhin am liebsten an Start-ups im Onlinehandel. Sie allein konnten von Januar bis Ende Juni fast eine Milliarde Euro einsammeln. Dahinter folgen Finanzdienstleister und Software-Unternehmen mit jeweils 400 Millionen Euro.

Die Zahl der Finanzierungsrunden stagniert laut EY vor allem bei kleineren Summen bis fünf Millionen Euro. "Kleinere Transaktionen sind oft mit einem hohen Risiko verbunden, weil es sich um sehr junge Unternehmen mit zumeist noch nicht erprobten Geschäftsmodellen handelt", erklärte EY-Experte Peter Lennartz. "Aber gerade hier wird weiterhin dringend Kapital benötigt, um die ersten Hürden zu überwinden und Potenzial aufzuzeigen".

Erstmals spielten sogenannte Initial Coin Offerings eine signifikante Rolle. Dabei handelt es sich um neue virtuelle Währungen, die Investoren kaufen können. Dafür erhalten sie Zugriff auf künftige Produkte des Start-ups. In 13 solcher Finanzierungsrunden erhielten die Start-ups insgesamt 250 Millionen Euro. EY-Experte Lennartz erklärte, es bleibe abzuwarten, ob diese Finanzierungsform auch in Zukunft wichtig bleibt. Nach dem Hype im ersten Halbjahr und negativer Berichterstattung sinke die Nachfrage wieder.

Start-ups in Berlin ziehen nach wie vor am meisten Investoren an. Sie kassierten im ersten Halbjahr zwei Drittel des Gesamtvolumens. Bayerische Start-ups konnten ihren Anteil deutlich auf knapp 15 Prozent steigern. Nach Nordrhein-Westfalen flossen gut fünf Prozent.