Auch deutsche Unternehmen stellen auf Produktion von Schutzausrüstung um

Textilunternehmen stellen auf Schutzmasken um

Angesichts des Engpasses bei Schutzkleidung und medizinischer Ausrüstung stellen auch in Deutschland Unternehmen ihre Produktion um. Bei dem schwäbischen Textilhersteller Trigema löste allein die Ankündigung, in die Produktion von Atemschutzmasken einzusteigen, einen Bestellansturm aus. Der Automobilkonzern Daimler will 3D-Drucker für die Herstellung von Medizinprodukten zur Verfügung stellen.

"Kommunen, Polizeibehörden, Krankenhäuser, einfach alle? meldeten sich, um Masken zu bestellen, sagte Trigema-Chef Wolfgang Grupp der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er kündigte an, kommende Woche werde sein Unternehmen rund 100.000 Schutzmasken herstellen, diese Woche dürften es demnach etwa 80.000 sein. Insgesamt habe Trigema für die Zeit bis Ostern Bestellungen über 300.000 Masken angenommen. Auch für die Zeit danach gebe es schon viele Aufträge, aber noch ohne genauen Liefertermin.

Mit einem Preis von sechs Euro bei Abnahme von mindestens 1000 Stück sind die Trigema-Masken allerdings nicht billig. Ihm sei deswegen auch Abzocke vorgeworfen worden, sagte Grupp der "NOZ". Ich kann kein Wegwerfprodukt herstellen, das geht preislich einfach nicht, das würde uns ruinieren", rechtfertigte er die Preispolitik des Unternehmens.

In den vergangenen Tagen hatten international zahlreiche Textilhersteller den Einstieg in die Herstellung von Schutzmasken und Schutzkleidung bekanntgegeben, darunter auch führende Modehäuser wie zum Beispiel die italienische Nobelmarke Prada. In Deutschland werden Masken inzwischen unter anderem von Häftlingen in Justizvollzugsanstalten genäht. Am Samstag kündigte dies Landesjustizministerin Katy Hoffmeister (CDU) auch für Mecklenburg-Vorpommern an.

Zahlreiche Krankenhäuser warnen vor der Gefahr, wegen fehlender Ausrüstung selbst vorhandene Intensivbetten bald nicht mehr nutzen zu können. Klagen wegen des Mangels an Schutzkleidung kommen auch von niedergelassenen Ärzten und Pflegediensten.

Daimler-Vorstand Jörg Burzer bot Unterstützung bei der Beschaffung von fehlenden Medizinprodukten an. "Wir sind bereit, mit unserer hochkompetenten Mannschaft und unserer jahrelangen Erfahrung in der 3D-Druck-Technologie unseren Beitrag zur Produktion von medizinischem Gerät zu leisten", erklärte er in Stuttgart. Dazu stehe das Unternehmen in Kontakt unter anderem mit der baden-württembergischen Landesregierung.

"Unsere 3D-Drucker stehen auf jeden Fall zur Verfügung", stellte Burzer klar. Sie könnten für die Herstellung medizinischer Bauteile sowohl aus Kunststoff wie aus Metall genutzt werden. Normalerweise werden die Geräte im Pkw-Bau vor allem für Prototypen verwendet.