Deutsche Wirtschaft wächst kaum - entgeht aber Rezession

Azubi im Kfz-Handwerk

Die deutsche Wirtschaft ist über die Sommermonate kaum gewachsen - eine Rezession gibt es aber nicht. Zwischen Juli und September legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal leicht um 0,1 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Wäre es ebenso wie im zweiten Quartal erneut gesunken, wäre die technische Definition einer Rezession erfüllt gewesen.

Ein solcher Abschwung der Wirtschaft wurde nach Angaben der Statistiker nun vor allem dadurch verhindert, dass der private Konsum im Vergleich zum zweiten Quartal zulegte, auch die Staatsausgaben stiegen an. Erbracht wurde die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal von 45,4 Millionen Erwerbstätigen, das waren 0,8 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die Statistiker korrigierten zudem ihre Zahlen zum zweiten Quartal von minus 0,1 Prozent auf minus 0,2 Prozent. Dafür wuchs das BIP im ersten Quartal stärker als zunächst gemeldet, nämlich um 0,5 Prozent statt um 0,4 Prozent. Grund dafür sind den Statistikern zufolge "neu verfügbare statistische Informationen".

Wenn die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft, gilt dieser konjunkturelle Abschwung nach gängiger Definition als Rezession, die auch als "technische" Rezession bezeichnet wird, da mit der Schwächephase noch nicht automatisch einhergeht, dass die Produktionskapazitäten dauerhaft nicht ausgelastet sind. Dies wiederum würde eine konjunkturelle Abschwungphase noch erheblich verschlimmern - inklusive möglicher Stilllegungen von Betrieben und Auswirkungen auf Löhne und den Arbeitsmarkt.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte im ARD-"Morgenmagazin": "Damit steht fest: wir haben keine Rezession, auch keine technische Rezession." Zugleich fügte er hinzu, dass die Wachstumszahlen "noch zu schwach" seien. "Das heißt, der Aufwärtstrend hat begonnen, aber es geht sehr langsam."

"Die deutsche Wirtschaft stottert durch das Sommerhalbjahr", kommentierte Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft IfW in Kiel. "Nach dem geringfügigen Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal ist sie auch in den Sommermonaten kaum von der Stelle gekommen", erklärte er. "Außerhalb der Bauwirtschaft dürfte die Wertschöpfung im Produzierenden Gewerbe weiter geschrumpft sein, und die Industrie dürfte die Schwelle zur Rezession überschritten haben."

Die Zahlen des Bundesamtes zum dritten Quartal seien "kein Grund zur Selbstzufriedenheit", mahnte Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). "Für Deutschlands Wohlergehen ist es unerheblich, ob das Quartalswachstum einen Hauch unter oder über der Nulllinie liegt." Sorgen müsse vielmehr bereiten, "dass die längerfristige Wachstumsperspektive Deutschlands absinkt".

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer kritisierte, ein Wachstum von 0,1 Prozent sei "viel zu wenig" und sprach sich für ein "Belastungs-Moratorium für die Wirtschaft" aus. Als Forderungen nannte er "keine neuen Steuern, Abgaben, bürokratischen Belastungen und Eingriffe in die unternehmerische Freiheit bis das jährliche Wachstum wieder über zwei Prozent liegt".

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung teilte unterdessen mit, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den kommenden drei Monaten in den vergangenen Wochen "deutlich gesunken" sei. Dies basiere in erster Linie auf der Belebung bei den Auftragseingängen aus dem In- und Ausland; auch das Exportwachstum fiel demnach zuletzt kräftiger aus als erwartet.