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Deutscher Exportüberschuss steigt im April erstmals wieder auf Vorkriegs-Niveau – das liegt nicht nur an steigenden Exporten

Starke Exporte und schwache Importe lassen Deutschlands Handelsüberschuss steigen.  - Copyright: Picture Alliance
Starke Exporte und schwache Importe lassen Deutschlands Handelsüberschuss steigen. - Copyright: Picture Alliance

Die Corona-Krise und Russlands Krieg gegen die Ukraine hatten tiefe Spuren im deutschen Außenhandel hinterlassen. Vor allem die extrem teuren Energieimporte hatten den Handelsüberschuss fast vollständig aufgezehrt. Jetzt aber scheint die Wende geschafft: Im April stieg Deutschlands Exportüberschuss auf 18,4 Milliarden Euro. Das war der höchste Wert seit zwei Jahren. Nach heftigen Schwankungen liegt der Handelsüberschuss damit wieder etwas auf dem Niveau der Zeit vor Corona und dem Ukraine-Krieg. Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor.

Im April exportierten deutsche Unternehmen Waren und Dienstleistungen im Wert von 130,4 Milliarden Euro in andere Länder. Das warn 1,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig ging der Wert der Importe im Jahresvergleich um 10,3 Prozent auf 112 Milliarden Euro zurück. Entsprechend deutlich stieg der Überschuss im Außenhandel auf 18,4 Milliarden Euro. Vor einem Jahr war er im zweiten Monat nach Russlands Überfall auf die Ukraine auf 3,6 Milliarden Euro eingebrochen.

Der Außenhandel hat für Deutschland auch im Vergleich zu anderen Industrienationen eine besonders hohe Bedeutung. Als Exportnation hängt ein großer Teil des Wohlstands in Deutschland von Erfolgen im Außenhandel ab. Die Differenz der Exporte zu den Importen geht in das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein.

Vor allem die gestiegenen Energiepreise hatten Deutschlands Position im Außenhandel stark verschlechtert. Die Importpreise waren deutlich stärker gestiegen als die Exportpreise. Deutschland musste also viel mehr Güter produzieren und ausführen, um sich die Importe von Gas, Öl und Kohle leisten zu können. Das kostete das Land im vergangenen Jahr viel Wohlstand.

Seit einigen Monaten sinken aber die Preise auf den weltweiten Energiemärkten. Auch der im Vergleich zum Sommer 2022 stärkere Euro verbilligt die Energieimporte, die meist in US-Dollar abgerechnet werden. Das Verhältnis von Export- und Importpreisen, die Terms of Trade, verbessern sich wieder.

Deutschlands Außenhandel mit EU-Staaten 

Wichtigste Handelspartner für Deutschland sind die Länder der Europäischen Union. Die Exporte dorthin stiegen im April 2023 im Vergleich zum März um 4,5 Prozent auf 71,4 Milliarden Euro. Die Importe aus der EU gingen um 0,4 Prozent auf 59,1 Milliarden Euro zurück. Allein mit den Ländern der EU erzielte Deutschland also einen Exportüberschuss von 12,3 Milliarden Euro.

Deutschlands Außenhandel mit Nicht-EU-Staaten 

In die Staaten außerhalb der EU, die sogenannten Drittstaaten, wurden im April Waren im Wert von 59,0 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 52,9 Milliarden Euro importiert. Im Vergleich zum Vormonat nahmen die Exporte in die Drittstaaten um 2,4 Prozent zu und die Importe von dort um 3,0 Prozent ab.

Das wichtigste Exportland außerhalb der EU für Deutschland sind unverändert die USA. Die Exporte in die USA stiegen im April kräftig um 4,7 Prozent auf 13,1 Milliarden Euro zu. Auch die Exporte nach China nahmen nach einer Delle in den vorausgegangenen Monaten deutlich um Volksrepublik sogar 10,1 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro zu. Dagegen nahmen die Ausfuhren nach Großbritannien um 5,2 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro ab.

Die meisten Importe aus kamen im April aus China. Sie stiegen um 1,9 Prozent auf 12,9 Milliarden Euro. Die Importe aus den Vereinigten Staaten stiegen um 2,9 % auf 8,0 Milliarden Euro. Die Importe aus dem Großbritannien nahmen im gleichen Zeitraum um 6,4 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro ab.

Deutschlands Außenhandel mit Russland

Der deutschen Außenhandel mit Russland geht auf bereits niedrigem Niveau weiter zurück. Die Exporte sanken im April gegenüber März um 17,8 % auf nur noch 0,7 Milliarden Euro. Im Vergleich zum April 2022, als infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine der Export nach Russland bereits stark sanktioniert war, nahmen sie um 4,6 Prozent ab. Deutschland führt nach Russland nur noch solche Waren aus, die nicht mit Sanktionen belegt sind, zum Beispiel Medikamente, durchaus aber auch Maschinen. Die Importe aus Russland nach Deutschland sanken im April zum März um 7,6 Prozent auf noch 0,3 Milliarden Euro, gegenüber April 2022 sanken die Importe um 91,5 %. Vor einem Jahr bezog Deutschland noch einen Großteil seiner fossilen Energie aus Russland.

Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum in Deutschland haben sich in den jüngsten Wochen wieder deutlich verschlechtert.
Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum in Deutschland haben sich in den jüngsten Wochen wieder deutlich verschlechtert.