Deutscher "Maskenmann" soll Zehnjährigen in Frankreich ermordet haben

Laurent GESLIN
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Foto von Jonathan aus dem Jahr 2004

Der als "Maskenmann" bekannte deutsche Kindermörder Martin N. soll sich nun auch in Frankreich wegen der Tötung eines Jungen verantworten. Die Staatsanwaltschaft in Nantes beschuldigt Martin N. der Entführung und des Mordes an dem zehnjährigen Jonathan, wie die Ermittler am Dienstag mitteilten. Vor seiner Überstellung nach Frankreich verbüßte der 50-Jährige in der JVA Celle wegen Mordes an drei Jungen eine lebenslange Haftstrafe.

Der frühere Jugendbetreuer N. war am Freitag aufgrund eines europäischen Haftbefehls an die französische Justiz überstellt worden. 2012 hatte ihn das Landgericht Stade wegen dreifachen Mordes und sexuellen Missbrauchs in 20 Fällen schuldig gesprochen.

Seit den 1990er Jahren war N. mit einer Maske vermummt in Schullandheime, Zeltlager und Privathäuser in Norddeutschland eingedrungen, um nachts Jungen zu missbrauchen. Trotz zahlreicher Fahndungsaufrufe und Fernseh-Sondersendungen kamen ihm die Ermittler jahrelang nicht auf die Schliche - bis sich eines der Missbrauchsopfer an den Betreuer einer Ferienfreizeit erinnerte, der ihn über seinen Wohnort ausgefragt hatte.

Die Anwältin der Familie von Jonathan, Catherine Salsac, verwies auf "Ähnlichkeiten" zu den deutschen Fällen. "Wir hoffen auf einen Prozess", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Erst nach einem Urteil könne die Familie "mit der Trauer beginnen". Über eine mögliche Anklage durch die Staatsanwaltschaft müsste ein französischer Untersuchungsrichter entscheiden.

Der zehnjährige Jonathan war im April 2004 nachts aus einem Schullandheim in der Nähe von Saint-Nazaire an der Westküste Frankreichs verschwunden. Seine gefesselte und mit Steinen beschwerte Leiche wurde Wochen später in einem Teich nahe der bretonischen Stadt Guérande entdeckt - etwa 25 Kilometer vom Ort seiner Entführung entfernt.

Ermittler vermuteten schon länger, dass Martin N. den Mord beging, konnten dies aber bislang nicht beweisen. Der Familienanwältin zufolge gestand der Deutsche die Ermordung von Jonathan vor rund zwei Jahren einem Mithäftling. Dies habe die Ermittlungen in Frankreich "beschleunigt", sagte sie.

Auch in Frankreich beschäftigt sich eine Ermittlergruppe seit Jahren mit dem ungelösten Fall. Eine DNA-Spur auf dem Bett des getöteten Jonathan führte die Polizei jedoch nicht zu dem Deutschen. Auch ein Massentest in Frankreich verlief ergebnislos.

lob/ans