Deutscher Technologieriese - Ex-Mitarbeiter verklagen Northern Data wegen Steuervergehen

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Northern Data hat seinen Sitz in Frankfurt.Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa

Erst letzte Woche kam ans Licht, dass Northern Data seine Cloudsparte und das Rechenzentrum an die Börse bringen will. Doch nur wenige Tage später gab es den Dämpfer. Ehemalige Mitarbeiter machen dem CEO Aroosh Thillainathan und dem Frankfurter Konzern schwere Vorwürfe.

Ehemalige Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen die Führung von Northern Data. Die „Wirtschaftswoche“ berichtet, dass die Kläger dem Frankfurter Unternehmen finanzielle Unregelmäßigkeiten und falsche Angaben bei der Liquidität vorwerfen.

Schwere Vorwürfe gegen Northern-Data-CEO

Zwei ehemalige Führungskräfte beschuldigen den CEO und Gründer, Aroosh Thillainathan. Er solle Rechtsverstöße und finanzielle Missstände eingepreist haben. Einer der Kläger gibt an, Northern Data habe Steuern in den USA nicht bezahlt. Gewinne aus Kryptogeschäften sollen laut der „Financial Times“ in den USA nicht versteuert worden sein, obwohl Deloitte rechtliche Bedenken äußerte.

Ein Kläger berichtet von massiven Steuerschulden und finanziellen Engpässen bei Northern Data im Frühjahr 2023. „Northern Data hatte 30 Millionen Dollar Steuerschulden in Deutschland“, erklärte er. Auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe Bedenken über die Liquidität des Unternehmens geäußert.

Aktionäre wurden angelogen

Die ehemalige Finanzvorständin Gülsen Kama behauptet, dass Aktionäre über die tatsächliche finanzielle Situation im Unklaren gelassen wurden. „Die Rechts- und Finanzabteilung sollten keine Fragen stellen, nur Transaktionen umsetzen“, soll Thillainathan zu den ehemaligen Mitarbeitern und Klägern gesagt haben. Beide Kläger behaupten, sie seien entlassen worden, weil sie Missstände aufdeckten.

Erst letzte Woche war die Stimmung bei Northern Data und seinen Aktionären noch deutlich besser. Denn das Unternehmen plant die Cloudsparte und das Rechenzentrum separat an der Technologie-Börse Nasdaq zu listen.   Banken kalkulierten den Wert dieser Sparten auf bis zu 16 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 15 Milliarden Euro).

Cloudsparte und Rechenzentrum wertvoller als gesamter Konzern

Diese Bewertung ist jedoch mit Skepsis zu betrachten. Im Frühjahr 2024 veröffentlichte der Vorstand seine Prognose für 2023. Für seine Cloud-Abteilung und die Rechenzentren insgesamt rechnete er mit Einnahmen von 25 bis 32 Millionen Euro. Im besten Fall sollte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen der beiden Sparten zwei Millionen Euro betragen, berichtet die „Wirtschaftswoche“.

Die Bewertung von 16 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 15 Milliarden Euro) scheint dementsprechend etwas hoch. Insbesondere da nicht klar ist, warum die beiden Sparten wertvoller sein sollen als das gesamte Unternehmen, welches an der Börse einen Wert in Höhe von 1,2 Milliarden Euro hat.