Deutschland ist bei der EM raus - „Sehr ungerecht“, “es tut weh": Die Stimmen zum DFB-Albtraum gegen Spanien

Marc Cucurella bekommt den Ball an die Hand, aber es gibt keinen Elfmeter für Deutschland.<span class="copyright">AFP via Getty Images</span>
Marc Cucurella bekommt den Ball an die Hand, aber es gibt keinen Elfmeter für Deutschland.AFP via Getty Images

Die DFB-Elf scheidet im Viertelfinale der Heim-EM aus. Spanien zieht durch einen Last-Minute-Treffer ins Halbfinale ein. Die Stimmen zum deutschen Albtraum.

Stimmen zum DFB-Albtraum gegen Spanien: „Eine unverdiente Niederlage“

Kimmich spricht Klartext: „Hätten einen Handelfmeter bekommen müssen“

Joshua Kimmich: „Leider sehr ungerecht. In der zweiten Halbzeit und der Verlängerung waren wir deutlich besser. Die Spanier wollten sich nur noch ins Elfmeterschießen retten. Wir haben nach dem Gegentor noch zwei richtig gute Chancen, hätten noch einen Handelfmeter bekommen müssen. Definitiv eine ganz andere Enttäuschung als in Katar. Dort waren wir kein Team. Das ist diesmal ganz anders. Die letzten sechs Wochen waren ganz besonders, der Teamspirit, den wir hatten. Das habe ich noch nicht so oft erlebt."

„Deswegen ist die Enttäuschung noch größer als bei den anderen Turniern. Da hatten wir es nicht verdient. Das war heute ganz anders. Wir waren definitiv die bessere Mannschaft gegen ein sehr gutes Spanien. (...) Ich sehe es auch als unsere Aufgabe an, dass wir den Menschen in Deutschland etwas geben können, auf das sie stolz sein können.“

Im Interview kämpft Nagelsmann mit den Tränen: „Es tut weh!“

Bundestrainer Julian Nagelsmann kämpft im ARD-Interview mit den Tränen. „Die Jungs haben in den letzten sechs Wochen echt viel reingeschmissen. Heute haben sie unverdient verloren. Wir haben in der Halbzeit gut reagiert. In der zweiten Halbzeit haben wir es gut gemacht. Wir waren dem Siegtreffer deutlich näher als die Spanier. (...) Am Ende glaube ich waren wir nicht zwingend viel besser, aber einen Tick klarer im letzten Drittel. Es tut weh, weil wir es erst in zwei Jahren besser machen können. Und ein Heimturnier wird in meiner Karriere wohl nicht nochmal kommen. (...) Wenn wir wieder lustlos aufgetreten wären, wäre es verdient und dann müssten wir nicht hier stehen und mit den Tränen kämpfen.

„Morgen Abend werden wir uns nochmal zusammensetzen. Ich weiß gar nicht, wie jetzt der Plan ist, weil ich nicht mit einem Ausscheiden geplant habe. Ich und mein Team haben den Job, uns über den Kader Gedanken zu machen, was in der Nations League das Richtige ist.“

... über die Stimmung im Land: „Wir hatten eine tolle Symbiose, haben die Leute wieder vor den Fernseher geholt.“

... über seine Ansprache an die Mannschaft: „Sehr lobende Worte in Richtung Toni Kroos. Der hat sich bedankt und attestiert, dass der Glaube viel größer ist als in den letzten Jahren.“

Elfmeter-Situation: „Wenn man 48.000 Wiederholungen hat, kann ich das nicht nachvollziehen“

...über den nicht gegebenen Elfmeter: „Ich versuche schon seit Jahren, bei allen Schiedsrichter-Sichtungen mit reinzubringen, was aus der Situation wird. Wenn der Ball klar aufs Tor geht, dann stoppt er den Ball mit der Hand. Das finde ich total skurril im Fußball, dass die Intention der Aktion überhaupt nicht bewertet wird. Dass man das nicht reinkriegt im Fußball, zu bewerten, wo der Ball hinfliegt, wenn man 48.000 Wiederholungen hat, das kann ich nicht nachvollziehen.“

Auf der Pressekonferenz legt Nagelsmann nach: „Es gibt 50 Roboter, die uns Kaffee bringen, es gibt KI. Wenn die Flanke zu einem Torabschluss führt, dann gibt es wie gegen die Schweiz Elfmeter (den Handelfmeter gab es im Spiel gegen Dänemark, nicht gegen die Schweiz, Anm. d. Red.). Wenn der Schuss von Jamal aufs Tor geht, gibt es Elfmeter. Wenn er auf die Tribüne geht, gibt es keinen Elfmeter.“

Auf der PK spricht der Bundestrainer auch über die kommende WM: „Es tut weh, dass wir zwei Jahren warten müssen, bis wir Weltmeister werden. Die Aussage gefällt euch jetzt, gell? Aber ist doch klar, dass wir Weltmeister werden wollen. Das will jeder, der in der Qualifikation antritt.“

Kroos nach seinem letzten Spiel: „Traum ist ein Stück weit geplatzt“

Toni Kroos: „Natürlich war es ein Spiel, wo wir alle alles reingelegt haben, um nicht zu verlieren. Da waren wir sehr nah dran, und umso bitterer ist es. (...) Ich denke, dass wir alle stolz sein können, weil jeder nochmal eine Schippe drauf legen konnte. Ich denke, dass wir alle stolz sein können, weil wir Fußball-Deutschland die Hoffnung zurückgeben konnten. Aber wir sind extrem enttäuscht, weil wir noch etwas weiter kommen wollten. Ich bin froh, wenn ich da ein bisschen mitgeholfen habe, dass wir alle in Deutschland den Anspruch und die Hoffnung haben, weiterzukommen. Ich bin zuversichtlich, dass die Mannschaft das in Zukunft schafft. Aber es gehört auch dazu, dass wir heute alle traurig sind.“

... über sein letztes Spiel: „Jetzt im Moment überwiegt das Turnier-Aus, weil wir alle gemeinsam ein großes Ziel hatten. Und dieser Traum, den wir alle hatten, ist jetzt einfach ein Stück weit geplatzt. Auch wenn wir in den nächsten Tagen realisieren, dass wir ein gutes Turnier gespielt haben. Es ist extrem bitter.“

Schweinsteiger: „In neun von zehn Fällen ist das ein klarer Elfmeter“

Bastian Schweinsteiger (ARD-Experte): „Es war eine unglaubliche Stimmung hier im Stadion. Das ist eigentlich das Wichtigste. Natürlich würden wir das sofort mitnehmen, wenn wir Europameister werden. Aber wir konnten die Herzen der Fans wieder mitnehmen und das war das Schönste bis jetzt. Man muss ehrlich sein: es ist eine unverdiente Niederlage, weil wir ab der 70. Minute die klar bessere Mannschaft waren, mit klar besseren Torchancen.“

... zum nicht gegebenen Handelfmeter: „Das muss mir mal einer erklären. In neun von zehn Fällen ist das ein klarer Elfmeter. Hier hatten wir richtig Pech. Ich war wirklich verwundert.“

Füllkrug richtet sich nach EM-Aus an die Fans

Niclas Füllkrug: „Es ist einfach gerade traurig, dass es vorbei ist. Man hatte eine Euphorie, ein Gemeinschaftsgefühl im Land. Im Moment ist noch kein Stolz da, es ist vorbei. Von Sekunde zu Sekunde ist es härter, es zu realisieren. Gerade gibt’s keinen Ausweg, seinen Gefühlen aus dem Weg zu gehen. Letztendlich hilft gerade gar nichts. Es ist brutal schwer, damit umzugehen. Da helfen auch keine Ausreden. Es wird ein bisschen Zeit brauchen.“

Dann richtet der Stürmer eine Ansprache an die deutschen Fans: „Es war mir eine Ehre, für euch auf dem Platz zu kämpfen. Schade, dass es nur bis zum Viertelfinale war, aber ihr wart auf jeden Fall überragend. Ich habe vor der EM nicht gedacht, dass man so ein Gefühl nochmal hinbekommt in Deutschland. Es ist gerade schwer für mich.“

Scholz fand Spiel „völlig nervenaufreibend“

Olaf Scholz (Bundeskanzler): “Es war völlig nervenaufreibend. Beide Teams haben toll gekämpft und Deutschland ist erhobenen Hauptes aus dem Turnier gegangen. Die Leute haben sich wieder versammelt. Das ist eine tolle Sache geworden. Der spanische Ministerpräsident hat sich natürlich gefreut, dass es anders ausgegangen ist. Alle sind total begeistert von diesem Turnier. Es wird wichtig, dass wir gemeinsam alles dafür tun, dass es gut weitergeht in der nächsten Zeit.

Bierhoff: „Die Mannschaft hat sich toll dargestellt“

Oliver Bierhoff (ehemaliger DFB-Manager): „Tragisch. Eine Abreise von so einem Turnier ist immer schlimm. Die Mannschaft hat sich toll dargestellt, hat eine Verbindung zu den Fans hergestellt. Ich habe mir vorher überlegt: Wenn man weiterkommt, ist jede Analyse egal. Jetzt schmerzt es natürlich. (...) Man hat einfach gemerkt, es war eine Einheit, die etwas erreichen wollte.“

Spanischer Torschütze Olmo: „Ich bin vollkommen kaputt“

Dani Olmo (Torschütze zum 1:0 und Man of the Match): „Ich bin vollkommen kaputt. Wir haben gesehen, dass wir eine tolle Mannschaft haben. Wir haben bis zum Ende gekämpft. Für die ganze Mannschaft ist es ein tolles Turnier. Ich hoffe, dass sich Pedri nicht schwer verletzt hat. Es war unglaublich. Ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe. Es war sehr schwierig. Wir sind alle nach vorne gegangen, da hat man mit dem Herz gespielt. Wir müssen wirklich feiern und wir müssen froh sein, dass wir gewonnen haben.“

Mikel Merino (Siegtorschütze zum 2:1): „Ich bin jetzt wirklich tot. Das Tor war ein einzigartiger Moment. Am Ende sieht es so aus, als ob es nur auf das letzte Tor ankommt, aber dahinter steckt viel kollektive und individuelle Arbeit. Das ist eine Belohnung für die Arbeit, die wir geleistet haben. Es war das Spiel, das wir alle erwartet haben, zwischen zwei der besten Mannschaften des Turniers. Das hätte auch das Finale oder ein WM-Endspiel sein können. Es war ein sehr hohes Niveau, aber wir haben gezeigt, dass wir auch leiden können.“

Dieser Artikel wird fortlaufend ergänzt.