Geberkonferenz für Erdbebenopfer in Albanien übertrifft Erwartungen deutlich

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

Bei der internationalen Geberkonferenz für Erdbebenopfer in Albanien sind die Erwartungen deutlich übertroffen worden. Die teilnehmenden Länder und internationalen Organisationen verpflichteten sich zu Hilfszahlungen von insgesamt 1,15 Milliarden Euro. 400 Millionen Euro davon kommen laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aus der EU. Deutschland steuerte elf Millionen Euro bei.

Der Schaden durch die Katastrophe war zuvor auf eine Milliarde Euro beziffert worden. "Mit 40 Prozent dieser Summe hätten wir ohne Angst nach Hause zurückkehren können", sagte der albanische Regierungschef Edi Rama in seiner Dankesrede. Von mehr als 50 Prozent habe er nicht zu träumen gewagt. Die tatsächliche Summe gehe nun über seine "wildesten Träumereien hinaus".

Durch das Erdbeben am 25. November waren rund 17.000 Menschen obdachlos geworden. 90 Gebäude wurden komplett zerstört und 80.000 teils schwer beschädigt. 51 Menschen starben. Das Beben der Stärke 6,4 war das verheerendste in dem armen Balkanstaat seit Jahrzehnten.

Die EU-Kommission steuerte 100 Millionen Euro bei. Weitere 300 Millionen Euro kamen aus den Mitgliedstaaten sowie von der Europäischen Investitionsbank. "Das sendet ein starkes Signal an die albanische Bevölkerung, dass sie uns wichtig ist", sagte der EU-Erweiterungskommissar Oliver Varhelyi. Weitere gewichtige Geldgeber sind etwa die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Weltbank.

"Die Menschen in den betroffenen Gebieten brauchen Wohnungen, Schulen und Kindergärten", erklärte Bundesaußenminister Heiko Maas. Dafür soll der deutsche Anteil am Spendenaufkommen demnach primär verwendet werden. Der SPD-Politiker verwies auch auf logistische Unterstützung und Hilfsgüter, die Deutschland bereits unmittelbar nach der Katastrophe bereitgestellt habe.

Angesichts von Bedenken über die weit verbreitete Korruption in Albanien sagte Rama, mit der Einrichtung einer "Akademie der Transparenz" solle sichergestellt werden, dass die Hilfsgelder dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Experten zufolge war unter anderem die grassierende illegale Bebauung in Albanien ein wichtiger Faktor für das Ausmaß der Folgen des Bebens.

Das Verhältnis Albaniens zur EU war zuletzt angespannt gewesen. Im Oktober war der versprochene Start von offiziellen Beitrittsgesprächen mit Albanien und Nordmazedonien auf Druck vor allem aus Frankreich zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate verschoben worden - ein "politisches Erdbeben", wie es Regierungschef Rama nannte. Nach dem "sehr angenehmen Schock heute" werde er nun aber nicht nach noch mehr fragen.

Kommissionspräsidentin von der Leyen betonte erneut den Willen ihrer Behörde, Beitrittsgespräche mit den beiden Staaten des Westbalkans aufzunehmen. "Wir arbeiten daran und ich bin zuversichtlich", fügte sie hinzu.