Deutschland verklagt Julius Bär im Streit um DDR-Vermögen

Im jahrelangen Streit um verschwundenes DDR-Millionenvermögen haben die deutschen Behörden die Schweizer Bank Julius Bär verklagt. Wie das Finanzinstitut am Donnerstag mitteilte, reichte die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) die Klage in der vergangenen Woche bei einem Gericht in Zürich ein. Gefordert werden demnach umgerechnet 91 Millionen Euro plus Zinsen.

Die Klage dreht sich um die Bank Cantrade, die 2005 von Julius Bär übernommen worden war. Zuvor soll diese nicht verhindert haben, dass DDR-Vermögen illegal von den Konten abgezogen wurde. Ein Sprecher von Julius Bär wies die Anschuldigungen zurück und erklärte, vielmehr müsse die größte Schweizer Bank UBS, die Cantrade an Julius Bär verkauft hatte, auf die Vorwürfe reagieren. Julius Bär habe bereits Maßnahmen eingeleitet, "um seine Interessen zu schützen", hieß es.

Im Zentrum des Streits steht erneut die verstorbene Österreicherin Rudolfine Steindling. Sie war Alleingesellschafterin der DDR-Außenhandelsfirma Novum und Bevollmächtigte der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). Sie soll DDR-Vermögen ins Ausland geschafft und nach dem Mauerfall illegal abgehoben haben. Auch eine Schweizer Filiale der Unicreditbank Austria war bereits in dieser Sache von Berlin verklagt und zur Zahlung von mehr als 250 Millionen Euro an Entschädigungen verpflichtet worden.