Deutschland vs. England: Schützenfeste, Wembley-Tore und Elfmeterschießen

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Immer heiß umkämpft: Englisch-Deutsche Duelle wie hier beim WM-Achtelfinale in Südafrika sind meistens besondere Ereignisse. (Bild: Action Images / Jason Cairnduff Livepic)
Immer heiß umkämpft: Englisch-Deutsche Duelle wie hier beim WM-Achtelfinale in Südafrika sind meistens besondere Ereignisse. (Bild: Action Images / Jason Cairnduff Livepic)

Es ist wieder so weit: Deutschland trifft in einem K.O.-Spiel auf England. Kaum eine andere Fußballbegegnung hat solch eine Historie zu bieten. Ein Rückblick auf die größten Highlights.

Die Begegnung lässt sich auf schlichte Statistiken herunterbrechen. Seit dem ersten Länderspiel im Mai 1930 trafen die Nationalmannschaften von England und Deutschland bisher 36 mal aufeinander. 15 mal gingen DFB-Mannschaften siegreich vom Platz, einmal mehr die Three Lions. Nur fünf mal trennten sich die beiden Rivalen Remis. Bei großen Turnieren sieht die Bilanz etwas besser für die Deutschen aus. Bei WM- und EM-Spielen siegten die Adler sechs mal, die Briten nur drei mal, zwei Unentschieden in Gruppenspielen gab es auch noch. Doch die Statistik spielt beim Achtelfinale keine Rolle mehr. Dafür hat das Spiel, das vielleicht das letzte der Ära Löw werden könnte, das Potenzial, sich in die lange Liste an historischen Duellen einzureihen.

Der Fluch von Wembley

Klar, das offensichtliche Highlight der deutsch-englischen Fußballgeschichte ist jenes legendäre Finale in Wembley bei der WM 1966. Kaum ein anderer Moment hat für solch anhaltende Diskussionen gesorgt, wie dieses gegebene Latten-Tor von Geoff Hurst zum vorentscheidenden 3:2 in der Verlängerung. Eine ganze Generation Fußball-Fans hegten hernach Groll gegen russische Linienrichter und englische Fußballer. Besonders in der damals herrschenden Nachkriegsstimmung wirkte der Sieg der Engländer wie ein Nachhall des Krieges. Bis heute fällt die britische Boulevard-Presse gerne auf kriegerische Metaphern zurück, wenn es gegen Deutschland geht. Doch die Erinnerung an Wembley ist nicht nur für die Anhänger der DFB-Elf bitter. Denn die Engländer gewannen nach diesem Heimturnier nie wieder einen großen Titel und warten seitdem auf den nächsten Erfolg.

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Irgendwie wirkt der umstrittene Wembley-Sieg deshalb fast ein wenig wie ein Fluch für die Engländer. Denn die deutschen Rivalen gewannen seitdem jeweils drei EM- und WM-Titel. Selbst, als es 1996 bei der Heim-EM in England zu einem erneuten Aufeinandertreffen in Wembley kam, war das Glück nicht auf Seiten der Gastgeber. Dabei hatten die Engländer so gehofft auf eine Wiederholung des Erfolges von '66. Sogar der EM-Song dazu nahm darauf Bezug und verkündete: "Football is coming home". Stattdessen gingen Andy Möller, Thomas Häßler und Co. nach einem denkbar knappen Elfmeterschießen im Halbfinale als Sieger vom Platz und gewannen später den EM-Titel auf der Insel. Den entscheidenden Elfmeter verschoss damals übrigens niemand Geringeres als der heutige FA-Coach Gareth Southgate. Und ein neues englisches Trauma war geboren: Die Furcht vorm Elfmeterschießen. 

Die DFB-Mannschaft jubelt, weil soeben Gareth Southgate seinen Elfmeter im Halbfinale der EM 1996 verschossen hat. (Bild: Mark Leech/Offside via Getty Images)
Die DFB-Mannschaft jubelt, weil soeben Gareth Southgate seinen Elfmeter im Halbfinale der EM 1996 verschossen hat. (Bild: Mark Leech/Offside via Getty Images)

Denn schon bei der WM 1990 in Italien war das Elfmeterschießen im Halbfinale bitter für die Briten geendet. Im Elfmeterschießen flatterten Chris Waddle und Stuart Pearce die Nerven und Deutschland durfte ins Finale gegen Maradonas Argentinien einziehen. In einem engen Spiel hatte der spätere Finaltorschütze Andy Brehme Franz Beckenbauers Elf in Führung gebracht, spät glich Gary Lineker aus und erzwang so die Verlängerung, die torlos endete. Mit britischer Selbstironie war es eben dieser Gary Lineker, der später den berühmten Spruch prägte: "Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Männer jagen dem Ball für 90 Minuten hinterher, und am Ende gewinnt immer Deutschland." Im Zweifel im Elfmeterschießen. Der aktuelle Trainer Southgate hat übrigens bereits angekündigt, dass seine Mannschaft nicht gezielt für ein eventuelles Elfmeterschießen im Achtelfinale trainieren werde. Ein bisschen wurde der Fluch wenigstens besiegt, als England im WM-Achtelfinale 2018 gegen Kolumbien ein Elfmeterschießen überstand.

Schützenfeste auf beiden Seiten

Dabei gab es durchaus nicht nur knappe Duelle zwischen Deutschland und England. Es waren auch deutliche Erfolgserlebnisse für beide Seiten dabei. Während das 1:5 in der WM-Qualifikation 2001 zu den heftigsten Niederlagen Deutscher Nationalmannschaften zählt, (übrigens nach 1:0 Führung durch Carsten Jancker), dürften viele englische Fans das Achtelfinale in Südafrika nicht so schnell vergessen haben. Mit gnadenloser Effizienz nahmen Klose, Podolski und Müller die Three Lions auseinander, am Ende hieß es 4:1 und ein weiterer Turnier-Traum der Engländer scheiterte an den Deutschen. Und obendrauf gab es auch noch eine Wiederholung des "Wembley-Tors", als der Ball von der Unterkante der Latte klar hinter die Torlinie abprallte. Diesmal allerdings entschieden die Schiedsrichter zu Ungunsten der Engländer. Es wäre der 2:2 Ausgleich und das Spiel wieder offen gewesen. Seitdem sind die beiden Teams nie wieder in einem Pflichtspiel aufeinander getroffen.

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Bei einer Europameisterschaft haben die ewigen Rivalen übrigens das letzte Mal im Jahr 2000 gegeneinander gespielt, auch wenn dies wahrlich keine Sternstunde in der Fußballhistorie war. In der Gruppen A siegten die Engländer mit 1:0 durch ein Tor von Alan Shearer. Der kleine Triumph half allerdings wenig, denn beide Nationalmannschaften schieden überraschend schon nach der Gruppenphase aus.

Ein neues Wembley-Kapitel

Das allerletzte Spiel im alten Wembley-Stadion bestritten - wie sollte es anders sein - England und Deutschland. Beim EM-Qualifikationsspiel am 7. Oktober 2000 sollte der Klassiker eine letzte Feier für das altehrwürdige Stadion vor dem Neubau werden. Doch stattdessen sorgte ausgerechnet Liverpool-Legionär Didi Hamann mit seinem Tor für den deutschen 1:0 Sieg und erzielte damit den letzten Treffer in Wembley. Das neue Stadion, in dem auch die Achtelfinal-Partie am kommenden Dienstag ausgetragen wird, wurde an gleicher Stelle 2007 eröffnet. Die erste Niederlage dort erlitten die Three Lions natürlich gegen Deutschland bei einem 1:2 im August 2007. Seit vier Jahren gab es keine Begegnung mehr zwischen den Teams. Am 29.06. ab 18:00 beginnt nun das nächste Kapitel und wieder wird es mit Sicherheit seinen eigenen Teil zur Geschichte dieser Fußballrivalität beitragen.

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