DFB-Star Popps beeindruckender Weg: Leiden für den großen Traum

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Das DFB-Team zeigte gegen Spanien eine beeindruckende Mannschaftsleistung. Doch die Geschichte dieser Elf ist Kapitänin Alexandra Popp und ihre unglaubliche Comeback-Story.

Freudenschrei nach ihrem 2:0 gegen Spanien: Alexandra Popp geht voraus und das DFB-Team folgt ihr.
Freudenschrei nach ihrem 2:0 gegen Spanien: Alexandra Popp geht voraus und das DFB-Team folgt ihr. (Bild:REUTERS/Lisi Niesner)

Was Alexandra Popp über das 1:0 gegen Spanien zu sagen hatte, klang so gar nicht nach Stürmerin. "Es war der perfekte Start für uns", sagte sie zum frühen Tor ihrer Sturm-Kollegin Klara Brühl. Denn, so Popp: "Wir konnten uns dann voll auf die Defensive konzentrieren.“ Tatsächlich war der 2:0 Sieg gegen die spielstarken Spanierinnen eine Demonstration mannschaftlicher Defensiv-Geschlossenheit. Was das DFB-Team nach dem lockeren Aufgalopp gegen Dänemark an taktischer Finesse und kämpferischer Einstellung abrufen musste, um die Angriffswellen der Spanierinnen um Aitana Bonmatí wieder und wieder abzuwehren, war beeindruckend. Es war ein Sieg des ganzen Teams, genau wie Popp betont hatte, und doch ragte eine heraus, allein wegen ihrer unfassbaren Leidensgeschichte.

Leiden für das Comeback

Kapitänin Alexandra Popp müsste der Pandemie auf gewisse Weise eigentlich dankbar sein. Denn wäre das Turnier nicht aus dem letzten in diesen Sommer verschoben worden, dann hätte sie doch tatsächlich auch diese EM wieder verpasst, wie auch schon 2013 und 2017. Immer wieder verhinderten Verletzungen ihren Einsatz bei Europameisterschaften. Mal war es der Knöchel, dann das Knie. Auch um ihren Einsatz bei dieser EM musste sie lange bangen. Die Knieverletzung aus dem vergangenen Jahr war gerade ausgeheilt, da musste die Wolfsburgerin erneut unters Messer. In einem Testspiel im Januar 2022 verletzte sie sich, ein Knorpelteil hatte sich gelöst. Popp schrieb in einem Instagram-Post damals lakonisch: „Die Nachricht hat mich kurz weggegrätscht, kann man sagen.“ Fügte aber gleich hinzu: „Aber es geht weiter.“ In einer ARD-Doku über ihr Comeback kann man ihr beim Ringen gegen ihren Körper zusehen. Beim Wassertreten in der Reha sagt sie kämpferisch: „Ich hab noch keine verdammte EM gespielt. Ich will diese EM jetzt spielen!“

Die Tränen gegen Dänemark

Es ist diese Mentalität, die der 31-Jährige trotz ihrer Verletzungshistorie richtig viel Erfahrung eingebracht hat. 116 Länderspiele hat sie bisher gesammelt, dabei 55 Tore erzielt. Eins der schönsten dabei vielleicht im Auftaktspiel gegen Dänemark. Der Treffer an sich war wenig spektakulär, Alltag einer Strafraumstürmerin. Denn dabei musste sie den Ball nur aus kurzer Distanz zum 4:0 ins Netz befördern. Was er aber bedeutete, das sah man ihrem enthemmten Jubel und der Reaktion ihrer Mitspielerinnen an. Popp ging in die Knie, kurz darauf begraben von einem Haufen DFB-Spielerinnen, die diesen Moment sehr wohl einschätzen konnten. Unter dem Spielerinnen-Haufen flossen bei Popp die Tränen. Man konnte ihr in diesem Moment all die Rückschläge und jede Minute in der Reha und Physio für das Comeback ansehen. Nach dem Spiel kam die ganze Erleichterung noch einmal heraus als sie für die TV-Kameras ihren Gemütszustand beschrieb: "Ich bin einfach nur glücklich."

Es ist kein Zufall, dass DFB-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg sie trotz der Verletzungen nicht nur in den Kader für die EM aufnahm, sondern auch gleich zur Kapitänin beförderte. Denn auch wenn der Fußball mittlerweile schneller und technischer geworden ist, die Sturmpartnerinnen vielleicht etwas eleganter und temporeicher agieren: Diese Mentalität, dieser Siegeswillen und auch der ausgebuffte Torriecher, den Popp mitbringt, kann den Unterschied machen.

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"Du hast immer das Gefühl, in jeder Aktion gibt sie 100 Prozent," sagt ihre Nationaltrainerin. Das sei für die Gegnerinnen extrem unangenehm zu spielen. Das zeigte sich direkt bei Popps wuchtigem Kopfball zum vorentscheidenden 2:0 gegen Spanien.

Leaderin im Kollektiv

Der anschließende Torjubel hatte nichts mehr mit dem tränenreichen Druckabfall vom Dänemarkspiel zu tun. Selbstbewusst ballte Popp ihre Fäuste und streckte den Arm in den Abendhimmel über Brentford. Und dachte nach dem Spiel auch noch daran, das Trikot von der Corona erkrankten Lea Schüller überzuziehen, deren Ausfall sie den Startelf-Einsatz überhaupt erst verdankte. Auch das zeichnet eine Kapitänin – und diese Mannschaft – aus. Der Zusammenhalt stimmt und dennoch gibt es Leader wie Alexandra Popp, die durch ihr Beispiel vorangehen. Es ist ein Rezept, das Erfolg verspricht.

Doppelte Championsleague-Siegerin, zigfache Deutsche Meisterin und Pokalsiegerin ist sie längst, Olympiasiegerin 2016 in Rio auch. Mit der U17 wurde sie Europameisterin, mit der U20 sogar Weltmeisterin. Was zur Krönung einer Karriere voller Highlights und Rückschläge fehlt, ist dieser große Titel in einem internationalen Turnier. In diesem Sommer könnte der langgehegte Traum für Alexandra Popp wahr werden.

Im Video: Popp zu EM-Debüt: "Ich bin einfach nur glücklich"

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