DHB-Hoffnung Knorr: "Sensations-Fanatismus in Deutschland"

Handball-Nationalspieler Juri Knorr wünscht sich mehr Sachlichkeit in der Beurteilung sportlicher Leistungen. "In Deutschland gibt es eine Art Sensations-Fanatismus. Auch im Umgang mit der Nationalmannschaft. Entweder sind wir die ganz Großen oder die Deppen der Nation", sagte der 22-Jährige im Interview mit dem Mannheimer Morgen.

Er sei "gespannt, wie die Stimmung dann nach der WM aussieht. Es ist ein Auf und Ab, weil oft nur ein Moment oder eine Phase gesehen wird", führte der Rückraumspieler der Rhein-Neckar Löwen aus.

Knorr, der gegen Island bei der Generalprobe für die am Mittwoch beginnende WM in Polen und Schweden mit 13 Toren brilliert hatte, spricht aus Erfahrung. "Mir war immer bewusst, dass es nicht immer nur steil bergauf geht. Aber es ist trotzdem etwas anderes, eine schlechtere Phase dann auch wirklich zu erleben. Das hat sich komisch angefühlt", sagte er im Rückblick auf Talsohlen in seiner noch recht jungen Profikarriere.

Das deutsche Team, das in der Vorrundengruppe in Kattowitz mit den Gegnern Katar, Serbien und Algerien als Favorit gilt, sei nach derzeitigem Stand keiner der großen Titelkandidaten, sagte Knorr: "Unsere Mannschaft ist gut, aber wir haben nicht die Qualität wie Schweden, Dänemark oder Frankreich. Diese Teams sind durchgehend mit Topspielern besetzt und haben das in den vergangenen Jahren durch Medaillen und Titelgewinne auch nachgewiesen. Das ist uns nicht gelungen."

Seit dem EM-Titel 2016 und Olympia-Bronze im selben Jahr ist die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei Großereignissen ohne Medaille geblieben. Platz zwölf vor zwei Jahren in Ägypten markierte die schlechteste WM-Platzierung in der Geschichte des Deutschen Handballbundes.