Die Höhle der Löwen: „Das überflüssigste Produkt, das ich hier bislang gesehen habe“

Johannes Giesler
Freier Autor
Veganes Hundefutter: Schmeckt dem 15-jährigen Rüden Nelson, aber nicht den Löwen. Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

Diese Woche wagen sich die Gründer mit folgenden Produkten in “Die Höhle der Löwen”: Eine Minimüllpresse, biozertifizierte Grillkohle, veganes Hundefutter, eine Motorrad-App für die steilsten Kurven, ein Gummiband für Skischuhe und eine Nasenklammer. Schockt nicht so richtig? Stimmt. Eine maue Folge mit wenig Angeboten, wenig Zankerei, wenig Wettbieten. Bald dürfen die Löwen in den Winterschlaf, sie wirken etwas schlapp. Gut, dass sich die Staffel dem Ende neigt.

Als erstes wagt sich Gründer Alex aufs Parkett. In seinem pressbaren Abfalleimer steckt sein ganzes Erspartes: knapp 400.000 Euro. Außerdem hat er seinen gut bezahlten Job an den Nagel gehängt, weil er von seiner Idee überzeugt ist – und die klingt so: Alex wuchs in einer Großfamilie auf, der Müll war immer zum Bersten voll, deswegen musste man da drauf rumtrampeln, damit noch was reingeht. Wer kennt das nicht? Mit dem Fuß in die Mülltonne? Jeder Deutsche. Aber in der Schweiz, da kommt Alex her, ist Müllpressen sowas wie Volkssport, berichtet er. Denn da kostet jede Tüte extra.

Deswegen dachte er: Press it! Daraus wurde „Prezit“. Ein Mülleimer mit Pressfunktion. Über Nacht presst der Prezit den Müll zusammen, am nächsten Tag ist wieder Platz. Von den Löwen hätte er dafür gern 125.000 Euro und ist bereit, sie mit 25 Prozent zu beteiligen.

Zuerst mal ein klassischer Frank Thelen: „Der passt nirgends rein. Ich muss mich daran erinnern, meinen Müll abends zu pressen und morgens zu entpressen. Das scheint mir ein echter Rohrkrepierer zu sein. Ich bin raus.“ Dem pflichten auch die die anderen Löwen zu.

Ganz anders – Ralf Dümmel: „Ich widerspreche jetzt mal allen. Ich gebe ein Angebot ab übe 125.000 Euro für 30 Prozent.“

Alex: „Da muss ich nur 0,1 Sekunden überlegen. Sie sind mein Wunschlöwe.“

Grrrrr.

Nachhaltiges Grillen

Als nächstes: Aron und Jakob. Die beiden Freunde „brennen“ für ihre Erfindung, sie sind „Feuer und Flamme“. Okay, kapiert, es geht um Grillkohle.

Aber nicht einfach irgendwelche schwarzen Briketts, die länger, besser, heißer, glühen. Sondern diese sind nachhaltig. „Nero“ ist die einzige Kohle mit Biozertifizierung weltweit. Denn jedes Jahr werden Millionen Tonnen Tropenholz nach Deutschland geschippert. Das ist nicht gerade umweltfreundlich. Nero hingegen wird in Deutschland abgeholzt, streng kontrolliert.

Die erste Bio-zertifizierte Grillkohle “Nero” stößt bei den Löwen auf Skepsis (Bild: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer)

Dass Grillen überhaupt ein ökologisches Problem darstellt, quittieren die Löwen so:

Frank Thelen: „Brutal grausam.“

Ralf Dümmel: „Ich bin geschockt.“

Dagmar Wöhrl: „Es ist ein Drama.“

Carsten Maschmeyer: „Bei Ihrem Produkt wird nicht nur Regenwald geschont, sondern auch der Transport fällt weg. Prima!“

Wer möchte also investieren? Niemand! Denn der Markt für Grillkohle ist zu klein in Deutschland und damit die Gewinnspanne. Man muss es ja aber auch nicht übertreiben, mit der ganzen Umwelt und so, oder, liebe Löwen?

Alles für den Dackel – auch vegan?

Das Maskottchen des nächsten Produkts ist auch der Ideengeber. Rüde Nelson. Mittlerweile 15 Jahre alt, hatte der Hund lange mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu kämpfen. Erst eine Umstellung auf veganes Fressen, also rein pflanzlich und frei von Fleisch und Getreide, hat für Besserung gesorgt.

Und auch die drei Gründer, Lisa, Tessa und Valerie sind überzeugte Veganer. Für „Vegdog“ wollen sie 150.000 Euro für zehn Prozent.

Die Löwen nutzen aber erst mal den Auftritt Nelsons, um von ihren Hunden zu erzählen. Carsten Maschmeyer hat einen Labrador, aber auch 13 Esel. „Bei der Fütterung ist letztens eine Karotte runter gefallen, die hat der Hund dann von links nach rechts und zurück getragen. Kein Stück fehlte.“ Von der pflanzlichen Fütterung ist er wohl nicht sonderlich überzeugt.

Auch Frank Thelen hat mittlerweile einen Hund. „Ich habe dem alles hingehalten. Paprika, Äpfel, Möhren. Der hat nichts davon gefressen.“

Nochmal Carsten Maschmeyer: „Das Problem, das Produkt ist so leicht nachmachbar. Ich bin raus.“

Ralf Dümmel: „Der Markt ist schwierig und es ist ein Haifischbecken. Der Umsatz ist riesengroß, aber eben auch sehr hart. Ich bin raus.“

Und auch Frank Thelen traut sich nicht: „Das kann immer kopiert werden. Aber ihr habt ein gutes Produkt. Nur, es ist nicht mein Thema. Vegan nicht. Hundefutter nicht. Ich bin raus.“

Es gibt aber ein Angebot, verbunden mit reiner Mädchenpower: „Das ist eine Herzensgeschichte“, sagt Dagmar Wöhrl und schlägt ein.

Kurvige Motorrad-App und Skischuhsohlendämpfer

Die nächsten Gründer betreten voller Selbstbewusstsein die Höhle der Löwen. Die drei Jungs Sebastian, Hans und Luca teilen das „geilste Hobby der Welt“ – Motorradfahren. Dafür haben sie eine Strecken-App entwickelt, die kurvenreiche und abwechslungsreiche Touren anbieten soll: „Calimoto“. Das App-Team schwelgt in ihren Erzählungen von Leidenschaft, Fahrspaß, Landschaft, das Hobby erleben, in die Kurve legen. „Wir haben deswegen einen einzigartigen Kurvenalgorithmus entwickelt, der immer die beste Strecke findet. Für jeden Motorradfahrer ein Must-Have.“

Die Zweiräder scheinen den Löwen aber suspekt zu sein: Sie sind alle raus.

Georg Kofler wurde kein Fan der “Lazys” (Bild: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer)

Und auch „Lazys“, eine Aufsatz für Skischuhsohlen, damit man bequemer laufen kann, lassen die Scheckhefte nicht gerade aufspringen. Dabei sagen die Gründer Jens und Marcus im Vorfeld: „Es gibt keinen Grund, unser Produkt nicht zu nehmen.“

Frank Thelen nennt einen: „Ich fahre Snowboard. Ich steige aus.“

Georg Kofler setzt einen drauf: „Ich würde das Ding niemals kaufen oder anziehen, selbst wenn ich es geschenkt bekomme. Das ist das überflüssigste Produkt, das ich in der Höhle der Löwen bislang gesehen habe.“

Ralf Dümmel ist es immer noch zu unbequem: „Ich habe einen Turnschuh erwartet. Das ist es nicht.“

Nasenklammer zum Entspannen

Das letzte Produkt des Abends ist der „Aspira clip“. Eine medizinische Nasenklammer, die man mit ätherischen Ölen befüllen kann. So wird daraus der einzige Mini-Inhalator der Welt. Die Öle „diffundieren dann in die Schleimhäute“ – das klingt gesund und klug.

Judith Williams testet den Mini-Inhalator von “Aspira” (Bild: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer)

In das Produkt haben die Geschäftspartner (die Klammer gibt es schon in allen DM-Filialen) und „ziemlich beste Freunde“ Wolfgang und Vinh-Nghi bereits 1,3 Millionen Euro gesteckt. Ergebnis: Eine eigene Produktionsstätte, neue Maschinen, Wirkstoffe und drei fertige Produkte.

Ralf Dümmel sagt deshalb: „Ich finde es unglaublich. Gegen Erkältung, für das Immunsystem, gegen Migräne, das ist so umfangreich. Und unendlich auszuweiten. Ich würde das gern mit Carsten zusammen machen.“

Ein Deal! 25 Prozent für 600.000 Euro. Plus 400.000 Euro Working Capital. Also ein Löwen-Paartanz ganz zum Schluss.