DHDL-Deal geplatzt: Nils Glagau investiert doch nicht in Still-Pads von Nuni

Ein Löwe trägt BH: Nils Glagau (l.) zeigte sich für Nuni mäßig optimistisch – investieren wollte er trotzdem. Zustandegekommen ist der 90.000 Euro-Deal nicht. - Copyright: RTL / Frank W. Hempel
Ein Löwe trägt BH: Nils Glagau (l.) zeigte sich für Nuni mäßig optimistisch – investieren wollte er trotzdem. Zustandegekommen ist der 90.000 Euro-Deal nicht. - Copyright: RTL / Frank W. Hempel

Nils Glagau trägt BH. Wenn auch nur kurz, über statt unter dem Hemd – und im Rahmen der aktuellen Staffel von Die Höhle der Löwen. Der Still-BH soll den Investor von dem Pain Point überzeugen, den die Gründer Jennifer und Jens Reckmann mit ihrem Produkt überwinden wollen.

Der letzte Pitch des Montagabends gehört dem Startup der Reckmanns, Nuni. Das Ehepaar aus Lippstadt in NRW hat zwei Töchter – und pitcht die Lösung für ein Problem, das Jennifer Reckmann immer wieder den Schlaf raubte: Still-BHs. Nils Glagau ließ sich nicht nur als BH-Model engagieren, sondern wollte auch mit 90.000 Euro Investment einsteigen. Der Deal ist jedoch im Nachgang der Sendung geplatzt, das Glagau-Invest kam nicht zustande. Warum?

Das Produkt

Still-Pads lassen sich in jeden beliebigen BH legen, um austretende Tröpfchen von Muttermilch aufzusaugen. Am häufigsten dürften sie wohl in Still-BHs Anwendung finden. Einen handelsüblichen Still-BH bekommt während des Numi-Pitches auch Nils Glagau um die Brust geschnallt.

Solche Still-BHs, sagt Jennifer Reckmann, seien mindestens unbequem, und wenn die Brüste vom Stillen gereizt oder gar entzündet seien, sogar schmerzhaft. Und: Nachts schliefen die wenigsten Frauen gern mit einem BH. Das Problem allerdings: Wohin dann mit den Still-Pad?

Eines Morgens weckte Jennifer Beckmann ihren Mann mit der Idee, ein Still-Pad zu entwickeln, das ohne BH an der Brust haften.

Das Versprechen: "Endlich ohne BH schlafen"

Nuni war geboren: Eine kreisförmige Halterung aus Silikon, das ohne Klebstoff auf der Haut hält: Daran lassen sich dank Mikroklett handelsübliche Stilleinlagen befestigen. Jedes Silikon-Pflaster kann vier bis sechs Wochen und auch während des Stillens getragen werden, verspricht Nuni. Das Startup hat auch eigene, nachhaltige Einlagen entwickelt, die wasch- und wiederverwendbar sind.

Löwin Janna Ensthaler ist bei der Aufzeichnung von Staffel 14 hochschwanger. Das auf frischgebackene Mütter zugeschnittene Produkt von Nuni reizt sie als Investorin jedoch nicht. - Copyright: RTL / Frank W. Hempel
Löwin Janna Ensthaler ist bei der Aufzeichnung von Staffel 14 hochschwanger. Das auf frischgebackene Mütter zugeschnittene Produkt von Nuni reizt sie als Investorin jedoch nicht. - Copyright: RTL / Frank W. Hempel

Mutter Jennifer Reckmann ist überzeugte Nutzerin des Produkts – „das beste Testimonial“, findet Löwe Ralf Dümmel. Es gebe kein vergleichbares Produkt auf dem Markt, sagen die Reckmanns. Dennoch konnten sie am Montagabend nur einen Investor überzeugen.

In der Produktion kostet das Produkt 5,40 Euro, im Verkauf 29,95 Euro. Eine attraktive Marge findet Investor Ralf Dümmel. Allerdings: Die Reckmanns haben in den drei Monaten seit ihrem Launch erst 2000 Euro verdient.

Was ihnen fehle, sei das entsprechende Netzwerk, um sich im Handel zu positionieren – und die notwendige Finanzspritze, um ihre Brand bekannter zu machen. Einen Löwen zu finden, betont Jennifer Reckmann sei deswegen „sehr, sehr wichtig für uns“. Das Gründer-Paar bietet 15 Prozent ihres Unternehmens für ein Investment in Höhe von 90.000 Euro.

Die Löwin und werdende Mutter Janna Ensthaler findet: angesichts der bisher geringen Einnahmen des Unternehmens kein guter Deal. Sie lehnt ab.

Nuni – zu nieschig?

Die anderen Löwen haben vor allem ein Argument: Es handele sich um ein zu „erklärungsbedürftiges Produkt“, sagt Dagmar Wöhrl. Aus Sicht des Handels sei das Produkt nicht ausreichend skalierbar: Die Marge sei gut, aber „wie oft wird das am Tag verkauft?“, fragt Tillmann Schulz.

Noch härter fällt die Kritik von Löwe Nils Glagau aus: „Das hier ist gar nichts“, sagt der Investor mit dem Produkt in der Hand. Er meint damit vor allem die Marke: Vom Namen hält er wenig (Nuni steht für „Nursing Nights“). Noch weniger überzeugt ist er vom Verpackungsdesign. Drei Sekunden habe man im stationären Handel, um Kunden zu überzeugen. Die rosarote Verpackung von Nuni sei dafür zu gefällig, halte zu wenig Informationen bereit.

Was Nuni fehlt? Nicht nur die nötigen Finanzen und die richtigen Kontakte, meint Glagau. Sondern eine „klare“ Markenidentität.

Bei deren Aufbau will er den beiden Gründern helfen: Für 25 Prozent Firmenanteile – 10 Prozent mehr als die Beckmanns angeboten hatten – bietet er ihnen die gewünschten 90.000 Euro. Netzwerktechnisch verspricht nicht weniger als die „absolute Gynäkologen- und Apotheken-Power“. Glagau leitet das Familienunternehmen Orthomol, dessen Nahrungsergänzungsmittel in Apotheken in ganz Deutschland vertrieben werden.

Ohne zu verhandeln, sagen die Reckmanns zu. Glagau glaubt an "richtig schöne Umsätze". Monate nach Aufzeichnung der Show allerdings steht fest: Der Deal ist nicht zustande gekommen.

Das Nuni-Pad – ohne Investor: Nils Glagau hat sich aus dem Startup von Jennifer und Jens Reckmann wieder zurückgezogen. Warum? - Copyright: RTL / Frank W. Hempel
Das Nuni-Pad – ohne Investor: Nils Glagau hat sich aus dem Startup von Jennifer und Jens Reckmann wieder zurückgezogen. Warum? - Copyright: RTL / Frank W. Hempel

„In den Gesprächen sind wir gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, das Investment nicht zu realisieren“, sagt Nuni-Gründerin Reckmann. Glagau sagt, er bedaure „sehr, dass wir unseren Deal nicht umsetzen können“. Man bliebe aber „in Kontakt“ und stehe den Machern „beratend zur Seite“.

Doch keine "volle Gynäkologen- und Apotheken-Power" für die Reckmanns

In Apotheken oder gar im stationären Handel sucht man Nuni weiterhin vergeblich. Das Produkt wird über die Website von Nuni und auf Amazon vertrieben. Es hat sich seit der Aufzeichnung dennoch einiges getan, sagt Jennifer Reckmann auf Rückfrage von Gründerszene: "Seit der Show haben wir Nuni noch einmal komplett neu aufgebaut." Die Höhle der Löwen hätte sich für Nuni trotz ausbleibendem Invest gelohnt: Sie hätten „gutes Feedback bekommen“. Das Team von Nils Glagau habe sie im Nachhinein unterstützt.

Was sofort auffällt, wenn man Nuni auf Instagram aufruft: Das Startup hat seine Verpackungen überarbeitet. Die sind nun mit einem Bild des Silikonhalters samt Pad versehen. Möglicherweise eine Reaktion auf den Hinweis der Löwen, das Produkt müsse auf den ersten Blick besser erkennbar sein.

Auch das Branding sei man nochmal angegangen, erklärt Jennifer Reckmann, habe die Website neugestaltet – und die Produktion nach Deutschland verlagert, "um die um die Qualität unsere Pads noch weiter zu verbessern." Die Reckmanns glauben an ihr Produkt: "wir wissen, dass wir einen echten Mehrwert bieten", sagt die Gründerin. Für die Zukunft wolle man "außerdem auch außerhalb Deutschlands die ersten Märkte angreifen". Und natürlich: in den stationären Einzelhandel kommen.

Woran die Gründer offenbar hingen: ihr Name. Nuni heißt weiterhin Nuni. Ob das der Grund für die Trennung war? Mit Blick auf mögliche neue Investoren sagt Jennifer Reckmann jedenfalls: "Wir sind offen für einen Investor, wenn dieser unsere Vision von Nuni teilt".