Die außergewöhnlichsten Tiefsee-Entdeckungen in 2021

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Die Tiefsee ist so gut wie gar nicht erforscht. Kein Wunder also, dass in den Untiefen unserer Ozeane immer wieder sensationelle Entdeckungen gemacht werden. So auch im Jahr 2021.

In die Tiefen unserer Ozeane gibt es noch sehr vieles zu entdecken. (Symbolbild: Getty Images)
In die Tiefen unserer Ozeane gibt es noch sehr vieles zu entdecken. (Symbolbild: Getty Images)

70 Prozent der Erde bzw. 361 Millionen Quadratkilometer wird von Wasser bedeckt. Dennoch scheint die Menschheit mehr über das All und unser Sonnensystem zu wissen als über unsere Ozeane.

Kein Wunder also, dass, wenn Meeresforscher ihre Roboter zu Wasser lassen, sie immer wieder Seltenes oder bisher Unbekanntes entdecken. Denn in den Tiefen der Ozeane leben riesige, fantastische Kreaturen.

"Es gibt noch so viel im Ozean zu erforschen und zu finden", sagt George Matsumoto, ein Tiefseeforscher, der als leitender Bildungs- und Forschungsspezialist am Monterey Bay Aquarium Research Institute arbeitet. "Der Ozean bietet 98 Prozent des Lebensraums auf der Erde, aber wir wissen noch lange nicht, was dort noch alles lebt."

Biologen betonen, dass die Menschheit dieses einzigartige Leben in unseren Ozeanen besser verstehen und schützen muss, zumal die Planungen des Abbaus seltener Metalle in der Tiefsee mit traktorähnlichen Industrieanlagen immer größer werden.

Und auch im Jahr 2021 wurden in der Tiefsee rund um den Globus erstaunliche Sichtungen und Entdeckungen gemacht und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht, zu viel gibt es dort unten in der absoluten Dunkelheit der Tiefsee in tausenden Metern Tiefe noch zu entdecken.

Seltene Aufnahmen einer Phantomqualle

So haben Meeresforscher des Monterey Bay Aquarium Research Institute bei der Erforschung der Tiefsee in der kalifornischen Monterey Bay seltene Aufnahmen einer riesigen Phantomqualle (Stygiomedusa gigantea) gemacht, die in der Tiefsee umherstreift.

Das Video, das von einem robusten Tiefseeroboter aufgenommen wurde, zeigt die riesige Glocke und die langen, drapierten Arme der Qualle, die sich im Wasser bewegen. In Tausenden von Tauchgängen haben die Forscher in der Monterey Bay diese rätselhafte Spezies nur neun Mal gesichtet, obwohl Wissenschaftler die Phantomqualle erstmals 1899 dokumentierten.

Und selbst nach 122 Jahren wissen die Meeresforscher immer noch sehr wenig über dieses Tier, wie das Forschungsinstitut schreibt.

Phantomquallen leben häufig in einer Tiefe von 1.000 bis 4.000 Metern, wo sie sich wahrscheinlich von kleinen Fischen und Plankton ernähren.

Leben unter dem ewigen Eis

Die Tiefsee ist oft nur unter schwierigen Bedingungen zu erforschen. Noch schwieriger wird es, wenn das entsprechende Gebiet von einer meterdicken Eisschicht bedeckt ist.

Dennoch gelang es Forschern und Ingenieuren im Oktober 2021 im Rahmen des HACON-Projekts einen Unterseeroboter auf 4.000 Meter Tiefe des Arktischen Ozeans zu schicken. Erstmals gelang es den Wissenschaftlern seltene vulkanische Schlote und das Leben in dieser außergewöhnlichen Meereswelt in der abgelegenen Arktis zu untersuchen.

Ungewöhnlicher Fund in 3.000 Metern Tiefe

Einen ganz besonderen Fund, den man dort sicher niemals erwartet hätte, machten Wissenschaftler im Juli 2021 vor der kalifornischen Küste. In einer Tiefe von 3.000 Metern entdeckten die Forscher einen etwa einen Meter langen Stoßzahn eines kolumbianischen Mammuts.

"Man fängt an, das Unerwartete zu erwarten, wenn man die Tiefsee erforscht, aber ich bin immer noch verblüfft, dass wir auf den Stoßzahn eines Mammuts gestoßen sind", so Steven Haddock, ein Meereswissenschaftler am Monterey Bay Aquarium Research Institute, in einer Erklärung.

Wie der Stoßzahn eines Landtieres in der Tiefsee landet, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

Heiße Quellen, wo es sonst eiskalt ist

Die Temperaturen in der Tiefsee bewegen sich ungefähr um den Gefrierpunkt, aufgrund des hohen Drucks (in 10.000 Meter Tiefe herrscht ein Druck von 1.000 bar). Dennoch gibt es Orte in den Tiefen der Ozeane, die extrem heiß werden können.

So konnten Wissenschaftler bei einer Tiefseeexpedition im mexikanischen Teil des Golfs von Kalifornien im Herbst 2021 wundersame Schlote entdecken, die in einer Tiefe von 3.000 Metern extrem heiße Flüssigkeiten ausstießen.

Die heißen Schlote in dieser Region, die sogenannten hydrothermalen Schlote, sind besonders einzigartig. Tiefsee-Schlote, die erst 1977 entdeckt wurden, geben oft dunkle, chemikalienreiche Flüssigkeiten ins Wasser ab. Deshalb werden sie auch gerne "schwarze Raucher" genannt. Aber in diesem tiefen mexikanischen Reich ist das Wasser ganz anders. Es ist klar, was auf verschiedene Mineralien und Sedimente aus dem Erdinneren zurückzuführen ist. 

Leben in einer wahrlich unwirtlichen Umgebung entdeckt

Bereits im Jahr 2016 bohrten sich Wissenschaftler durch mehr als 800 Meter altes antarktisches Küsteneis. Durch das Bohrloch ließen sie eine Kamera hinab und erreichten damit den Meeresboden. Dort konnten sie einen Blick auf eine eisige, lichtlose Welt werfen, die Hunderte von Kilometern von typischen Nahrungsquellen entfernt ist. Und dennoch, in dieser unwirtlichen Umgebung fanden die Wissenschaftler Leben.

Unter dem Filchner-Ronne-Schelfeis - Teil einer riesigen Eisdecke, die über dem Arktischen Ozean schwimmt - entdeckten die Forscher unerwartet unheimliche Schwämme auf Stielen und andere noch nicht identifizierte wirbellose Tiere, die sich an einen Felsen klammerten. Nie zuvor hatte jemand derartiges Leben so weit isoliert unter einem Schelfeis beobachtet. Ein Ergebnis, über das die Forscher im Februar 2021 in der Zeitschrift "Frontiers in Marine Science" berichteten. 

"Das Eis macht es zu einer riesigen Höhle", sagte Huw Griffiths, ein Meeresbiogeograf beim British Antarctic Survey und Hauptautor der Forschungsarbeit, im Februar gegenüber dem britisch-amerikanischen News-Portal "Mashable".

Unterseeroboter macht atemberaubende Aufnahmen der Tiefsee

Während einer 18-tägigen Expedition im geschützten Ashmore Reef Marine Park (vor Australien) ließen Wissenschaftler an Bord eines Forschungsschiffs des Schmidt Ocean Institute einen Unterwasserroboter in die Tiefe hinab, wo nur wenig Licht herrscht. In einer Tiefe von etwa 60 bis knapp 200 Metern beobachtete der Roboter ungewöhnliche Korallen, Seeschlangen und eine Vielzahl von Meereslebewesen. Das Schmidt Ocean Institute, eine gemeinnützige Meeresforschungsorganisation, nannte die Reise die "Australian Mesophotic Coral Expedition". 

Die Expedition hat noch nie dagewesene Aufnahmen vom Meeresboden des Ashmore-Riffs gemacht und außerdem 500 Exemplare zur Untersuchung gesammelt, so das Institut. 

In einem Blogbeitrag schrieb Karen Miller vom Australian Institute of Marine Science "Nachdem ich Korallen vom Great Barrier Reef bis zur Antarktis untersucht habe, könnte man meinen, ich hätte schon alles gesehen. Aber Erfahrungen wie die Australian Mesophotic Coral Expedition machen mich demütig und lassen mich erkennen, wie viel mehr es noch über unsere Ozeane zu lernen gibt." 

Seltene Sichtung eines Walfisches

In der kalifornischen Monterey Bay filmten Meeresforscher einen selten zu sehenden Walfisch in einer Tiefe von etwa 2.200 Metern.

"Walfische wurden bisher nur selten lebend in der Tiefe gesehen, und es gibt noch viele Fragen zu diesen bemerkenswerten Fischen", schreibt das Monterey Bay Aquarium Research Institute.

Diese Wale besitzen keine Augen und müssen daher ihre Umgebung mit anderen Sinnen wahrnehmen (z. B. durch das Auffangen von Vibrationen im Wasser). 

Wissenschaftler entdeckten eine riesige Unterwassermülldeponie

Nicht alle Entdeckungen in der Tiefsee lassen die Forscher ins Schwärmen geraten, manche lassen sie auch erschaudern oder wütend werden. So wie die Mülldeponie, welche Wissenschaftler vor der Küste von Los Angeles entdeckten und die mit unzähligen Fässern voller Abfälle übersät war. Über 50 Jahre lagen sie, vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen, in der Tiefe und verrotteten langsam.

2021 enthüllten Meeresforscher das Ausmaß des riesigen Müllfeldes und den rund 27.000 Fässern, die in einer Tiefen von bis zu 1.000 Meter liegen und von denen zahlreiche wahrscheinlich auch giftig sind.

Große, im Dunkeln leuchtende Haie

Eine außergewöhnliche Entdeckung machten Forscher in den Gewässern vor Neuseeland. Bei drei Tiefseehaiarten konnten sie Biolumineszenz beobachten, darunter den Schokoladenhai, der mit einer Länge von knapp drei Metern das größte derzeit bekannte leuchtende Wirbeltier ist.

Illustration eines Schokoladenhais. (Bild: Getty Images)
Illustration eines Schokoladenhais. (Bild: Getty Images)

"Biolumineszenz wurde oft als ein spektakuläres, aber ungewöhnliches Ereignis im Meer angesehen, aber angesichts der Weite der Tiefsee und des Vorkommens leuchtender Organismen in dieser Zone wird es jetzt immer offensichtlicher, dass die Lichterzeugung in der Tiefe eine wichtige Rolle bei der Strukturierung des größten Ökosystems auf unserem Planeten spielen muss", schreiben die Forscher.  

In den kommenden Jahren, Jahrzehnten und darüber hinaus werden Wissenschaftler in der Tiefsee weitere Entdeckungen machen, darunter auch wertvolle und lebensrettende Medikamente.

"Die systematische Suche nach neuen Medikamenten hat gezeigt, dass wirbellose Meerestiere mehr antibiotische, krebs- und entzündungshemmende Substanzen produzieren als jede andere Gruppe von Landlebewesen", schreibt die National Oceanic and Atmospheric Administration.

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