Die Geheimnisse der Magie

Zaubern will gelernt sein - aber über das Talent eines Harry Potter verfügt wohl kein lebender Mensch. Also braucht der angehende Magier jede Menge Unterstützung. Im Münsterland gibt es zwei "Gelehrte", die ihre Hilfe demjenigen angedeihen lassen, der danach sucht...

Ein gezinktes Kartenspiel oder doch lieber schwebende Kugeln und ein Zylinder mit Geheimfach für Kaninchen? In den Regalen des Sic!-Verlags im münsterländischen Nottuln türmen sich Artikel, die jedes Zaubererherz höher schlagen lassen. Der Magier Michael Sondermeyer und der Pädagoge Uwe Schenk betreiben dort ein ganz besonderes Antiquariat. "Wir sind deutschlandweit und vielleicht auch weltweit der größte Handel für Second-Hand-Zaubererartikel", sagt Sondermeyer.

Der 60-Jährige ist einer von etwa 150 hauptberuflichen Magiern in Deutschland, Schenk ist Leiter einer Jugendhilfeeinrichtung und nur in seiner Freizeit Zauberer. "Wir zaubern beide von Kindesbeinen an", erzählt Sondermeyer. Erste Erfahrungen mit Magie machten sie mit Zauberkästen. "Das hat schon was, wenn Sie etwas können, was andere Kinder nicht können", beschreibt der hagere Mann mit den kurzen grauen Haaren die Faszination damals.

Er blieb dabei und trat immer weiter auf. Seine Diplomarbeit schrieb er über Zaubern für Vorschulkinder. "Ich war der erste, der darüber geschrieben hat", berichtet er. Als Pädagoge gearbeitet hat er nie. "Ich hatte so viele Aufträge, dass ich es erstmal probieren wollte." Der Erfolg gab ihm recht und er blieb bei der Magie.

Erst Jazz, dann Zauberei

Vor 24 Jahren lernte Sondermeyer seinen Kollegen Schenk auf einem Zaubererkongress kennen. Der kräftige 54-Jährige sieht mit seinem Rauschebart wie ein klassischer Zauberer aus einem Märchen aus. Sein Weg zur Magie war aber alles andere als gradlinig. Als Kind und in seiner Jugend habe er viel gezaubert, sagt er. Das war dann aber irgendwann zu langweilig, und er wechselte zum Jazz. "Die Szene fand ich wesentlich frischer als die Zauberer", schmunzelt er. Als er nach seiner Hochzeit aber wieder öfter zuhause sein wollte, entdeckte er die Magie als Hobby wieder.

Auch wenn es im Lager der beiden glitzert und funkelt, beide setzen bei ihren Shows nicht auf Effekte oder spektakuläre Zauberernamen. "Es gibt so viele fürchterliche Künstlernamen", sagt Sondermeyer. Er tritt nicht in einem Kostüm auf, sondern mit Jeans, Jacket und Fliege. Auch Schenk verzichtet auf Gewänder und setzt auf rote Weste und Fliege. Dennoch weiß er: "Es ist allgemein bekannt, dass Zauberer einen schlechten Geschmack bei Kleidung und bei Requisiten haben."

Zum Sammeln seien sie wegen eines Freundes gekommen, der Second-Hand-Zauberartikel verkaufte, erzählt Sondermeyer. Als dieser unheilbar an Krebs erkrankte, fuhren die beiden mit einem alten VW-Bus zu ihm und luden alle Waren ein. Das ist nun 15 Jahre her.

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Seitdem kaufen und verkaufen sie Artikel insbesondere aus Nachlässen an. "Da war immer etwas dabei, was wir noch nicht kannten", beschreibt Sondermeyer die Faszination. Ihm gehe es darum, die Tricks zu kennen. Allerdings lernt er nur die Tricks, die er selbst aufführen will. "Zwischen kennen und können ist ein großer Unterschied", weiß er. Es könne bis zu zwei Jahren dauern, einen Trick zu lernen. Entscheidend sei auch nicht der Tricks selbst, sondern die Show dabei. "Es soll so aussehen, dass man locker flockig daherkommt und das mal eben macht", beschreibt er das Geheimnis.

Zauberkunst soll nicht mehr stagnieren

Inzwischen haben die beiden nach eigenen Angaben mehrere Hunderttausend Euro in ihre Sammlung investiert. "Es geht ein bisschen um das Verstehen, und um bestimmte Entwicklungen in der Zauberei zu erklären", begründet Schenk seine Leidenschaft für Magierbücher- und artikel. Zauberkunst habe bislang immer unter dem Geheimnis gelitten, keiner habe seine Tricks weitergeben wollen. "Dadurch hat die Zauberkunst lange stagniert", sagt er.

Das Lager der beiden ist im ganzen Land bekannt. Eberhard Riese, der Präsident der Zauberervereinigung Magischer Zirkel, in der Sondermeyer und Schenk Mitglied sind, sagt: "Es ist die Nummer Eins. Jeder Zauberkünstler in Deutschland dürfte diese Adresse kennen." Er war selbst schon im Lager der beiden Münsterländer: Der Magische Zirkel mit Zentrale in Frankfurt am Main hat dort seine Bibliothek, in der jedes der bundesweit 3.000 Mitglieder Bücher lesen und ausleihen kann.

Einen Nachteil hat die Sammelleidenschaft der beiden aber. Inzwischen kennen sie fast jeden Trick. "Wir können über Zaubertricks nicht mehr staunen", beklagt Sondermeyer.

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