Die lüsterne Leeloo als Lebenspartnerin

Der Blick von Leeloo ist ausdruckslos. Ihre Beine leicht gespreizt, sitzt die Brünette unbekleidet auf einem Holzstuhl in der rund 250 Quadratmeter großen Lagerhalle. Hinter ihr stapeln sich ihre Artgenossinnen verpackt in Dutzenden Kartons, auf denen sich nackte Frauen lüstern räkeln, verteilt auf mehreren Regalreihen. Dass sie von draußen jemand durch das riesige Glasfenster sehen könnte, stört sie nicht. Denn: Leeloo ist eine Silikonpuppe.

Bei den Kunden sei sie sehr beliebt, sagt ihr Schöpfer Michael Wendt. Der 44-Jährige ist der Inhaber vom dollpark, einem Online-Versandhandel für Gummi- und Silikonpuppen mit Sitz in Sierksdorf in Ostholstein. 1998 kaufte er für 380 Mark die Internetseite www.gummipuppen.de. Ein Running Gag, wie Wendt den Ursprung seines Unternehmens selbst nennt. Wochen später startete er mit dem Verkauf von Sexspielzeugen, mittlerweile stehen bis zu 500 verschiedene Produkte in der Halle. "Jeder, der sich für Silikonpuppen interessiert, kennt den dollpark", sagt Wendt stolz.

Käufliche Nähe statt käuflicher Sex

Wer aber interessiert sich denn für diese künstlichen Damen? Was macht sie so reizvoll, dass beim dollpark im Jahr Hunderte von ihnen über die virtuelle Ladentheke gehen? Seine Kunden suchten vor allem käufliche Nähe statt käuflichen Sex, sagt der Geschäftsmann. Einige von ihnen setzten ihre Silikonpuppe beispielsweise mit an den Esstisch, um mit ihr zu frühstücken.

Diese Einschätzung teilt auch der Hamburger Sexualtherapeut Stephan Moschner. Der Wunsch nach Nähe sei aber nicht der alleinige Grund dafür, warum sich Männer eine Silikonpuppe anschafften, vermutet der 37-Jährige. Der Reiz liege auch an der Neugierde nach Neuem. Zudem könne ein Mann mit einer Silikonpuppe seine Solosexualität ohne echten Partner ausleben. "Auf diese Weise kann er reale Nähe umgehen und so Konflikte mit einer Partnerin vermeiden, bei denen es um sexuelle Wünsche geht", sagt der Experte. Er vermutet den Silikonpuppenliebhaber in der Mittelschicht, da die Puppen nicht günstig seien.

In der Tat müssen Männer für eine Puppe vom dollpark etwas tiefer in die Tasche greifen: Für Leeloo verlangt Wendt rund 5.500 bis 6.000 Euro. Dafür erhält der Käufer "fast uneingeschränkte Bewegungsfreiheit", die den "Fantasien kaum Grenzen" setzen, wie die Vorteile der Silikondame auf der Internetseite angepriesen werden.

Beim Bau wird auf viele Details geachtet

Seit 2002 bauen Michael Wendt und seine Mitarbeiter die Silikonfrauen auch selbst. In einer kleinen Werkstatt bringen sie die Damen in Form und achten dabei auf jedes Detail: Augenbrauen, Wimpern - alles muss richtig sitzen. Auf der Internetseite werden zudem Busen- und Unterleibsmodelle für den originalgetreuen Nachbau gesucht. "Perfektion aus Silikon" versprechen Wendt und seine Kollegen bereits am Eingangstor der Lagerhalle. Für die Zulieferer aus Frankreich ist ein externer Disponent aus der Nähe von Köln zuständig.

Alleine bei seinem doch recht extravaganten Geschäft will es der dollpark-Inhaber aber nicht belassen. Er denkt darüber nach, Puppen für den medizinischen Bereich, etwa für Studenten zu bauen. Dann könnte Leeloo schon bald auf dem OP-Tisch einer Universitätsklinik liegen. Natürlich nur zu reinen Ausbildungszwecken im Sinne der Wissenschaft.


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