Die mutigste Serie des Jahres 2020: "I May Destroy You"

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Man könnte meinen, dass das Thema Sex im Jahr 2020 so allgegenwärtig ist, dass es schon einiges braucht, um die Menschen damit wirklich noch in Aufruhr zu versetzen. Dass genau das bei "I May Destroy You" der Fall ist, liegt vor allem am Realismus, mit dem die Hauptdarstellerin, Autorin und Regisseurin Michaela Coel die Sache anpackt.

Michaela Coel ist als Autorin, Hauptdarstellerin und Regisseurin am Start. (Bild: Sky Deutschland)
Michaela Coel ist als Autorin, Hauptdarstellerin und Regisseurin am Start. (Bild: Sky Deutschland)

Wie tabuisiert manche Themen noch immer sind wird einem oft erst klar, wenn das Tabu auf einmal einfach gebrochen wird. Ein solcher Moment zeigt sich zum Beispiel in der dritten Folge der Serie "I May Destroy You", in der die Hauptfigur der Arabella (Michaela Coel) mit ihrem Freund Biagio intim wird. Zu diesem Zeitpunkt hat Arabella ihre Periode, was aber nicht bedeutet, dass sie oder ihr Liebhaber deswegen auf Sex verzichten wollen. Biagio entfernt also vorsichtig Arabellas Tampon, und wie das eben so ist, flutscht dabei ein kleines Klümpchen geronnenen Blutes mit heraus. Statt sich davor zu ekeln, spielt Biagio kurz an dem Klümpchen herum, bevor er sich dann wieder seiner Freundin zuwendet. In seiner Reaktion ist nichts zu spüren von dem Ekel und der Peinlichkeit, mit der die Periode als natürliche Körperreaktion oft noch immer verknüpft ist.

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Vielschichtig, lustig, realistisch

Kein Drama, keine Großaufnahme, sondern einfach eine realistische Situation, wie sie alle Paare erleben können, für die die Menstruation kein Hindernis für Geschlechtsverkehr bedeutet. Dass genau das nun endlich in einer populären Serie und damit auch in der Popkultur angekommen ist, feierten die Zuschauer*innen in den sozialen Netzwerken, wie exemplarisch dieser Tweet zeigt. Darin heißt es:

"I May Destroy You ist die vielleicht intelligenteste, vielschichtigste, lustigste und niederschmetterndste Auseinandersetzung mit Sex und sexueller Zustimmung aller Zeiten. Ich kann es kaum fassen. Eine derartige Detailtreue und so einen Scharfsinn gab es im TV noch nie, ganz zu schweigen von einem Perioden-Blutklümpchen beim Sex."

Angesprochen auf die Szene, fragte Michaela Coel gegenüber der Zeitung "The Express": "Wie kann etwas, das einmal im Monat passiert, immer noch so schockieren und für Unbehaglichkeit sorgen?" Sodann fügte sie an, sie hoffe, "dass das jetzt endlich normalisiert wird".

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Ernst und trotzdem humorvoll

Noch bemerkenswerter ist aber ein anderer Komplex, der quasi im Zentrum der Serie über die Londoner Autorin Arabella steht. Betäubt mit K.O.-Tropfen wird sie während einer Party-Tour vergewaltigt und kommt den Geschehnissen des Verbrechens erst nach und nach in Form von Flashbacks auf den Grund. Wie sehr Arabellas Leben durch die Tat verändert wird, schildert Coel auf eine ganz eigene Art. Tief ernsthaft und dabei immer wieder auch gespickt mit humoristischen Elementen, die es eben auch in größtem Schmerz, Wut und Trauer gibt. Und von denen wohl nur Menschen realistisch berichten können, die ähnliches selbst erfahren haben.

Selbst 2020 ist es noch möglich, mit vermeintlichen Tabus zu brechen – wie die Serie "I May Destroy You" beseist. (Bild: Sky Deutschland)
Selbst 2020 ist es noch möglich, mit vermeintlichen Tabus zu brechen – wie die Serie "I May Destroy You" beseist. (Bild: Sky Deutschland)

Die Tat eines anderen nicht über die eigene Zukunft bestimmen lassen

2018 hatte Michaela Coel Im Rahmen einer Rede beim Edinburgh International Television Festival ihre eigene Vergewaltigung publik gemacht. Dort sagte sie, dass Schreiben über das Verbrechen hätte für sie eine therapeutische Wirkung gehabt. Auf diese Art könne sie eine schmerzvolle Erfahrung aktiv in eine hoffnungsvolle und sogar humorvolle Erzählung verwandeln. Und damit verhindern, dass etwas, was jemand anders ihr angetan hat, Macht über ihr gesamtes zukünftiges Leben hat. Neben Arabella erleben in "I May Destroy You" übrigens auch andere, männliche Protagonisten sexuelle Gewalt. Auch das ein Thema, das in der öffentlichen Diskussion bislang kaum eine Rolle spielt.

Gehört, gesehen und geehrt

In einem Interview mit dem "WSJ. Magazine" sagte Michaela Coel auch, wie sie mit der Aufmerksamkeit um ihre Person umgeht, die immer auch Hater auf den Plan ruft: Sie ignoriert sie einfach. Sich als Frau mit sehr dunkler Haut im englischen Fernsehen zu beweisen, sei schon für sich allein "wirklich schwer". Mit ihrer herausragenden Leistung als Autorin, Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin schaffte es die 33-Jährige in diesem Jahr auf die Liste der einflussreichsten Frauen der britischen "Vogue" und erhielt einen "Innovator Award", den das "WSJ. Magazine" an herausragende Persönlichkeiten verleiht.

Alle zwölf Folgen von “I May Destroy You” sind auf Sky Ticket in Deutschland, Sky X in Österreich und über Sky Q auf Abruf verfügbar.