"Die 'Ndrangheta hat ein festes Standbein in Deutschland"

Nach den Razzien gegen die 'Ndrangetha wegen Mord, Erpressung und Geldwäsche haben wir mit unserem Kollegen aus der italienischen Euronews-Redaktion Alberto de Filippis über die Bedeutung dieser Mafia-Organisation in Deutschland und der Schweiz gesprochen.

Alberto de Filippis:

334 Haftbefehle sind erlassen worden. 24 Stunden früher als geplant, denn es gab offenbar eine Sicherheitslücke. Man dachte, dass die Kriminellen schon vorher Bescheid wussten. Der Chef der Carabinieri in Teramo ist verhaftet worden. Die 'Ndrangheta hatte also die öffentliche Verwaltung und sogar die Polizei infiltriert.

Andrea Büring:

Die Ermittlungen konzentrieren sich auch auf Deutschland und die Schweiz. Wie mächtig ist die 'Ndrangheta dort?

Alberto de Filippis:

Wir können sagen, dass die 'Ndrangheta ein festes Standbein in Deutschland hat. Vielleicht erinnern sich unsere Zuschauer an die Morde 2007. 2007 wurden vor einer Pizzeria in Duisburg sechs Menschen umgebracht. Die Mafia bzw. die Ndrangheta investiert vor allem in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Was macht die N'drangheta zur wichtigsten Mafia-Organisation?

'Ndrangheta ist kein italienisches Wort. Es ist eher Dialekt. 'Ndrangheta ist "glocal", es ist ein Oxymoron von Traditionellem und Modernem. Sie geht nicht in den Norden, um Geld zu verdienen. Eher um zu investieren - in Hotels und Restaurants. Sie geht dorthin, um zu investieren. Sie kontrolliert die Verbreitung von Kokain in Europa. Einige Häfen wie Rotterdam und Gioia Tauro in Italien sind von der N'drangheta infiltriert. Sie setzen 50 Milliarden Euro jährlich um.