Die Plus-Size-Durchbrüche 2019: Von David’s Bridals Abschaffung der „Fettsteuer” bis zu kurvigen Schaufensterpuppen

Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende zu und vor uns steht ein neues Jahrzehnt voller Möglichkeiten für die Modeindustrie. Und während es noch viel zu tun gibt, was die Inklusion großer Größen in den Mainstream angeht, haben wir im vergangenen Jahr doch wichtige Fortschritte gemacht, denn viele Modehersteller planen inklusiver für alle Körpertypen werden.

Das ist ein wichtiger Punkt, denn in einer Studie aus dem Jahr 2016 fanden die Forscherinnen Dr. Deborah A. Christel und Susan Dunn heraus, dass die durchschnittliche Frau in den USA nicht mehr Größe 42 trägt, wie es seit den 90er Jahren heißt. Ihre Untersuchung ergab, dass ihre Größe in etwa zwischen 44 und 46 mit einem Taillenumfang von 37-38” fällt. Daher beschreibt der Begriff „Plus-Size“ nicht mehr Kleidung in Übergrößen – es sind die Größen, die Durchschnittsfrauen tragen.

Christel, die das größeninklusive Unterwäsche-Label “Kade & Vos” gegründet hat, erzählte Yahoo Lifestyle, dass die Modemarken, die sich weigern, Kleidung für 67 Prozent der US-Frauen anzubieten, die Größe 14 oder darüber tragen, irgendwann in der Branche nicht mehr werden mithalten können.

„Wir sehen, wie größeninklusive Firmen wachsen und sehen wie Marken mit einer eingeschränkten Größenauswahl Millionen von Dollar an Umsatz einbüßen“, sagt sie. „Ich glaube, das passiert, weil die Menschen sehen, dass Ausschluss nicht die Antwort ist. Sowohl Frauen in kleineren als auch in größeren Größen werden eher von Firmen angezogen, die eine große Auswahl verschiedener Größen bietet. Es ist möglich, dass Modefirmen, die ihre Größenauswahl nicht anpassen, in nicht allzu langer Zeit bankrottgehen.

„Wir sind auf so viel Arten voneinander getrennt – Mode ist ein Weg, wie wir zusammenkommen können“, fügt sie hinzu. „Es gibt keine guten Gründe, warum man größere Größen ausschließen sollte. Firmen, die größere Größen ausschließen, zeigen damit, wie sie zu fülligeren Körpern stehen, was letztendlich mit der Stigmatisierung von Übergewicht zu tun hat.

„Es ist ganz einfach und die Daten sprechen für sich: Menschen mit Plus-Size benötigen Kleidung wie alle anderen auch. Ich glaube, die Modeindustrie hat eine moralische Verpflichtung, mehr Möglichkeiten anzubieten.“

Welche Marken machen es richtig? Lies weiter, um auf die wichtigsten größeninklusiven Fortschritte des Jahres zurückzublicken.

Savage X Fenty stürmt den Laufsteg

Rihanna’s Savage X Fenty Show erntete Applaus, weil sie verschiedene Körpertypen zeigte. (Foto: Craig Barritt/Getty Images)

Obwohl Rihanna bereits 2018 ihre Unterwäsche-Linie herausgebracht hat, war es Savage X Fenty’s Show bei der New York Fashion Week im September – ausgestrahlt bei Amazon Prime – die sie wirklich bekannt gemacht hat. Sie öffnete Shoppern die Augen darüber, was ein sexy, größeninklusives Label tatsächlich sein kann. Laut Marketing-Strategie wurde sie „für den weiblichen Blick, nicht für den männlichen Blick“ geschaffen. Die erschwingliche Linie bietet BHs von Größe 32A bis 46DDD, sowie Bustiers und Unterwäsche bis Größe 3XL. Die diverse Auswahl an Models, zu denen Sängerin Normani, Schauspielerin Laverne Cox und Plus-Size-Model Paloma Elsesser gehören, repräsentiert nicht nur Kurven: Auch schwangere Frauen, die Trans-Gemeinschaft und Menschen mit Amputationen wie die kürzlich verstorbene Mama Cax wurden mit inkludiert.

Es ist schwierig so zu tun, dass der Niedergang von Victoria’s Secret - diese hatten in diesem Jahr ihre bekannte jährliche Modenschau abgesagt – nichts damit zu tun hat. Man kann nur hoffen, dass Rihannas Luxuslinie mit LVMH, Fenty, nachziehen wird. Sie reicht momentan nur bis Größe 14, obwohl der Popstar eine körperinklusive Geste gemacht hatte, indem sie bei einem Pop-Up-Event in New York mit Models gearbeitet hatte, die vollere Figuren hatten.

Einfach super: Dieses Mannequin hat etwas mehr auf den Hüften und einen kleinen Bauch.

Chromat legt an Verkäufen zu

Chromat hat dem Großhandel den Rücken gekehrt, um die Preise seiner größeninklusiven Bademoden möglichst niedrig halten zu können (hier bei der Fashion-Show des Labels im September 2010). (Foto: Victor VIRGILE/Gamma-Rapho über Getty Images)

Ein Problem, mit dem Fashionistas mit volleren Figuren andauernd zu tun haben, ist der hohe Preis, der einem schonmal die Tränen in die Augen treiben kann – die „Fettsteuer“. Wie Mariana Leung, technische Beraterin im Bereich Design bei Ms. FABulous Yahoo Lifestyle erklärte, können sich die Produktionskosten für Kleidung schon einmal summieren, wenn Labels mehr für Stoffe und für Forschung und Entwicklung ausgeben, um inklusive Looks zu kreieren. Diese werden dann häufig zu unerschwinglichen Preisen verkauft.

In diesem Jahr hat sich Chromat dazu entschlossen, das zu ändern. Während das Bademoden-Label häufig für seine Auswahl an Größen (XS – 4XL) gelobt wurde, machte die Preisgestaltung seine bunten, kurvenschmeichelnden Badeanzüge und Bikinis für viele Bewunderer unerreichbar. Im September – etwa zur selben Zeit, zu der die Plus-Size-Models Emme und Tess Holliday bei in ihrer Show in der New York Fashion Week mitliefen, verkündete das Label sein Vorhaben, Kosten zu senken, indem es seine Zusammenarbeit mit Großhändlern aufkündigte.

„Wir wollten bei unserer ethischen Produktionsweise oder der Qualität unserer Materialien keine Kompromisse machen, also haben wir beschlossen, den Aufschlag des Großhandels zu streichen, was uns als beste Möglichkeit erschien“, hieß es in einem Statement, in dem die Neuigkeiten verkündet wurden. „Künftig werden wir auch unseren Preispunkt im Einzelhandel senken, so dass die meisten Badeanzüge oder Sets für unter 180 Euro erhältlich sein werden.“

Leung sagt, dass diese Änderung uns zeigt, wie ein Unternehmen sein Geschäftsmodell anpassen kann, so dass es Kunden aller Formen und Größen priorisieren kann.

„Chromats inklusive Herangehensweise bei den Größen und dem Casting von Models umfasst nun auch die Preise“, sagt sie. „Sie haben verstanden, dass ein Produkt, das an allen Körpern gut aussieht und gut passt, nur so erfolgreich sein kann, wie es sich ein eingeschränkter Käuferkreis leisten kann.“

Nike mit fortschrittlichen neuen Schaufensterpuppen

Im Juni hat Nikes Flagshipstore in London eine Schaufensterpuppe in Übergröße eingeführt. Diese trug einen schwarzen Sport-BH und Leggings und sollte für die erweiterte Auswahl an größeren Größen stehen. In der Nike Town Filiale gibt es außerdem Para-Sport Mannequins, die Kunden und Kundinnen mit Behinderungen repräsentieren sollen.

„Um Diversität und Inklusivität im Sport zu zelebrieren, werden wir hier nicht nur lokale Elite- und Amateurathleten durch visuelle Inhalte feiern, sondern auch Nikes Plus-Size und Para-Sport Mannequins zum ersten Mal in einem unserer Geschäfte zeigen“, sagte Nike in einer Pressemeldung.

Während viele, einschließlich körperpositiver Athleten, Models und Influencer begeistert davon waren, reagierte eine britische Autorin ganz gegenteilig. Tanya Gold beschuldigte das Unternehmen in einem Artikel für The Telegraph, dass es mit seinem „gigantischen, riesen“ Mannequin Fettleibigkeit glorifiziere und „Frauen eine gefährliche Lüge“ verkaufe. Aber Golds Kritik hatte auch viele Gegner. Viele waren erbost und sagten, das was die Journalistin hier mache, sei nichts anderes als „Fat-Shaming“.

Tanya, ich respektiere wirklich dein Recht, deine Meinung zu sagen, aber NEIN. Ja, Frauen aller Größen können JOGGEN UND TUN DAS AUCH. Und laufen. Und Radfahren. Und tanzen. Und ja, sie verdienen genauso schöne Kleidung wie ihre dünneren Schwestern. Hör damit auf. Lass das Shaming und die Vorwürfe. Geh joggen. Danach wirst du dich besser fühlen.

11 Honoré bringt Kurven auf den Laufsteg

Laverne Cox gemeinsam mit anderen Models auf dem 11 Honoré Laufsteg. (Foto: Lev Radin/Pacific Press/LigtRocket über Getty Images)

Mit ein paar Ausnahmen wie Christian Siriano und BadgleyMischka haben Luxuslabels fülligere Frauen durch die Einschränkung in ihrer Größenauswahl bisher im Regen stehen lassen. Der Plus-Size Online-Schneider 11 Honoré hat jetzt geholfen, diese Lücke zu schließen, indem er jetzt auch Größen von 40 bis 52 anbietet. Im Februar hatte das Unternehmen die erste Show bei der New York Fashion Week, bei der Schauspielerin Laverne Cox und Model Candice Huffine in kurvenschmeichelnden Designs von Zac Posen, Brandon Maxwell und anderen den Laufsteg hinunterglitten. Hoffentlich haben wir Glück, und die großen Labels aus Paris und Mailand haben aufgepasst.

David’s Bridal streicht (endlich) die „Fettsteuer“

David’s Bridal wird Bräuten in Übergroßen künftig keinen Aufschlag mehr für seine Kleider berechnen. (Foto: Spencer Platt/Getty Images)

Vor fünf Jahren hat David’s Bridal – der Shop für angehende Bräute, die sich nicht die ganz teuren Kleider leisten können – kurvige Mannequins eingeführt, die etwas realistischere Größen zeigen sollen. Aber erst im vergangenen Monat hat der Einzelhändler, der Kleider bis Größe 60W anbietet, angekündigt, dass er Plus-Size-Bräuten künftig nicht mehr Geld für ihre Brautkleider berechnen werde.

„Künftig werden alle Bräute und Brautjungfern denselben Preis für denselben Style bezahlen – unabhängig von der Größe”, sagte Geschäftsführer Jim Marcum in einer Stellungnahme Mitte Dezember, wie Glamour berichtet. Marcum hatte angemerkt, dass Plus-Size-Bräute im Durchschnitt fast 15 Prozent mehr für ihre Brautkleider bezahlten – ein Aufschlag, der als „Fettsteuer“ bekannt ist.

Erin Donnelly