Die schädlichsten Inhaltsstoffe in Kosmetik

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 4 Min.

Bei Lebensmitteln lesen wir mitunter die Zutatenliste durch - bei Kosmetik ersparen wir uns das meist. Dabei gibt es einige Inhaltsstoffe, die wir unserer Gesundheit zuliebe nicht uneingeschränkt verwenden sollten.

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Was ist eigentlich drin? Bei Kosmetik studieren wir nur selten die Inhaltsstoffe (Symbolbild: Getty Images)

Das Angebot an Kosmetik riesig: Diverse Hersteller von Cremes, Shampoos und Deos locken mit schönen Verpackungen, angenehmem Duft und vor allem mit dem Versprechen einer zuverlässigen Wirkung - sei es junge und faltenfreie Haut, glänzendes Haar oder langhaltendes Make-up. 

Dafür macht sich die Industrie eine Vielzahl an Stoffen zunutze, die jedoch nicht alle ohne Folgen für unsere Gesundheit sind - sei es durch eine hormonelle Wirkung oder allergie- und krankheitsauslösende Stoffe. 

In Deutschland werden diese Stoffe zwar kontrolliert und reguliert, aber "da sich mit der Zeit die Messmethoden verändern und neue wissenschaftliche Untersuchungen veröffentlicht werden, müssen die Grenzwerte immer wieder neu angepasst werden", wie Chemikerin Dr. Mandy Hecht dem Portal "web.de" erklärte. Zudem verwenden wir in der Regel nicht nur ein Produkt, sondern eine ganze Reihe - so würden die Grenzwerte ebenfalls schnell überschritten. 

Verbraucher tun also gut daran, sich zu informieren. Hier ein Überblick der kritischsten Inhaltsstoffe:

Parabene

Parabene werden als Konservierungsmittel eingesetzt und machen Kosmetika länger haltbar. Dementsprechend sind sie in vielen Produkten zu finden, vom Shampoo bis zur Sonnencreme.

Bestimmte Parabene haben im Körper jedoch eine hormonelle Wirkung und ahmen beispielsweise die Wirkung von Östrogen nach. Schwangere, Kleinkinder und Jugendliche in der Pubertät sollten Kosmetik mit Parabenen also möglichst meiden.

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Die Konservierungsstoffe Propylparaben und Butylparaben dürfen seit 2015 schon nicht mehr in Produkten für Kinder enthalten sein. Doch auch andere Parabene können sich im Körper ansammeln und stehen im Verdacht, Unfruchtbarkeit, Diabetes auszulösen, eine verfrühte Pubertät zu begünstigen, und mit hormonbedingten Krebsarten in Verbindung zu stehen. 

Achtsam sein sollte man vor allem bei folgenden Konservierungsstoffen: Methylparabene, Ethylparabene, Pentylparabene, Benzylparabene, Phenylparabene, Butylparabene, Propylparabene, Isopropylparabene, Isobutylparabene.

In zertifizierter Naturkosmetik sind Parabene übrigens verboten. Nicht alle Ersatzstoffe sind jedoch automatisch unschädlich: Benzoesäure steht beispielsweise in der Kritik, Allergien auszulösen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, sollte auf Konservierungsstoffe verzichten. 

Duftstoffe

Sie finden sich in fast allen kosmetischen Produkten - und das, obwohl sie meist keine echte Wirkung haben. In erster Linie sorgen sie dafür, dass unsere Cremes, Gels und Wässerchen gut riechen.

Duftstoffe haben außer einem angenehmen Geruch selten eine explizite Wirkung (Bild: Getty Images)
Duftstoffe haben außer einem angenehmen Geruch selten eine explizite Wirkung (Bild: Getty Images)

Viele Duftstoffe können allerdings Allergien auslösen, auch die natürlichen Ursprungs. Diese dann zurückzuverfolgen ist nahezu unmöglich, da die meisten dieser Bestandteile lediglich unter dem Oberbegriff "Parfum" aufgeführt sind. Nur 26 Riechstoffe mit besonders hohem allergenen Potential sind davon ausgenommen, darunter Citral, Cinnamal, Farnesol, Coumarin oder Moschusxylol.

Wer zu Allergien neigt, sollte "Sensitiv"-Produkte bevorzugen, die oft ohne Duftstoffe auskommen.

Aluminiumsalze

Wegen ihrer schweißhemmenden Wirkung werden sie oft in Deodorants eingesetzt - genauer gesagt in Antitranspiranten, die nicht nur mit Duftstoffen (seufz) den Geruch von Schweiß überdecken, sondern die Poren verschließen und damit dessen Bildung verhindern. 

Lange standen Aluminiumsalze im Verdacht, Brustkrebs auszulösen. Erwiesen ist dies laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung nicht. "Doch durch die zusätzliche Aufnahme über die Haut kann man eine Aluminiumdosis erreichen, die gesundheitlich bedenklich ist", erklärt Dr. Hecht "web.de". Das Leichtmetall gilt als nervenschädigend und steht im Verdacht, Alzheimer zu verursachen. 

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Erkennbar sind die Salze an den Bezeichnungen Aluminium Chlorohydrate oder Aluminiumchlorid. Mittlerweile gibt es jedoch eine große Auswahl an aluminiumfreien Deodorants. 

UV-Filter

Es gilt als oberstes Gebot der Hautpflege, sich vor UV-Strahlen zu schützen. Daher sind UV-Filter nicht nur in Sonnencremes, sondern auch anderer Tagespflege und Make-up enthalten. 

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UV-Schutz ist wichtig, aber nicht immer unschädlich. Mineralische UV-Filter sind besser verträglich als chemische (Symbolbild: Getty Images)

Viele chemische UV-Filter stehen jedoch im Verdacht, eine hormonelle Wirkung zu haben oder Allergien auslösen. Zudem sollen die das Immun- und Nervensystem negativ beeinflussen können. Nicht zuletzt können sie, wenn sie beim Baden ins Meer gelangen, die Korallenriffe und Tierwelt schädigen. 

Als bedenklich gelten insbesondere Benzophenone, Homosalate, Octyldimethyl, Octocrylene, 4-Methylbenzylidencampher und 3-Benzylidencampher. 

Vor allem Kinder und Schwangere sollten daher lieber zu Bio-Produkten mit mineralischem UV-Schutz greifen. 

Mineralöle

Seit der guten, alten Allzweckwaffe Vaseline ist Erdöl ein Inhaltsstoff zahlreicher Kosmetikprodukte, von Gesichtscremes über Lippenstift bis hin zu Babypflege, meist in Form von Paraffinen (erkennbar unter anderem an den Bezeichnungen Paraffinum Liquidum oder Isoparaffin) oder Petrolatum.

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Doch altbewährt heißt nicht gleich unschädlich. Laut Dr. Hecht müssten Hersteller bei den verwendeten Rohstoffen Grenzen einhalten, was jedoch nicht immer der Fall ist. Der Europäischen Behörde für Lebens­mittel­sicherheit zufolge könnten beispielsweise die enthaltenen Kohlenwasserstoffe krebserregend sein. Zudem ist Erdöl bekannterweise alles andere als unbedenklich für die Umwelt.

Gänzlich vermeiden lassen sich Inhaltsstoffe auf Erdölbasis eigentlich nur, wenn man zertifizierte Naturkosmetik verwendet - darin sind Mineralöle verboten. 

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