Die WM als Politikum? Nicht bei Sandra Maischberger!

Sandra Maischberger hatte sich am Mittwochabend eine lustige Runde zusammengesucht. Schwere Themen gab es kaum, es wurde viel gelacht. 

Einen Tag vor Beginn der Weltmeisterschaft führt Sandra Maischberger mit ihren Gästen eine Diskussion mit dem Titel: “WM in Russland – Stresstest für den Fußball?” Denn kurz nach dem G7-Gipfel ohne Russland, nach der Krim-Krise und während des Ukraine-Kriegs könnte eine Weltmeisterschaft in Russland eigentlich zum Politikum werden. Aber das will bei Maischberger keiner. Hier ergeht man sich lieber in belanglosem Geplänkel.

Vergangene Woche wurde Maischberger wegen ihrer Islam-Diskussion gescholten, was sie veranlasste sofort einen Artikel in der ZEIT zu veröffentlichen, in dem sie sich rechtfertigte. Diese Woche legte die Moderatorin eine Pause von den schweren Themen ein und widmete sich: der Fußball-WM.

Auch da, so könnte man meinen gibt es zahlreiche Themen, die Fußballer- und Politikerherzen gleichsam aufrühren, doch nicht in Maischbergers Runde. Hier hat man eher das Gefühl, da treffen sich Leute, die sich nicht kennen zum Kaffeeklatsch und tauschen ihr gefährliches Halbwissen aus. Viel Gerede, wenig Haltung, kaum Diskurs – auch das kann eine politische Talkshow sein. Anscheinend.

Boykott? Nein, lieber nicht!

Ein heikles Thema war die Frage: Boykott – ja oder nein? Dieser Zug ist bereits abgefahren. Die Fußballer sind in Russland eingetroffen und auch die Kanzlerin hat sich angekündigt, sofern es ihre anderen Termine zuließen. Also kein Boykott – das steht schon fest. Bekräftigend zu dieser Entscheidung sagt Schiedsrichter-Legende Markus Merk: „Ein Boykott würde vor allem die Spieler treffen und damit die Falschen.“

Auch der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen möchte dazu etwas beitragen. 1955, so erzählt er habe der russische Fußballverband den DFB zu einem Länderspiel in Moskau eingeladen. Dabei sei der Hass der beiden Nationen – zehn Jahre nach Kriegsende – aufeinandergeprallt. Trotzdem sei der DFB hingefahren und: „Die Zuschauer haben den Deutschen zugejubelt“, erzählt Pleitgen. Verrückt!

Fußball könne also auch zur Völkerverständigung beitragen, soll das wahrscheinlich heißen. Dass in diesem Fall nicht die Völker miteinander ein Problem haben, sondern die Politik, weil es um die Schicksale dritter Völker geht – das hat der Fritz Pleitgen irgendwie vergessen.

Alle ein bisschen doof

Auch der Fall der beiden Fußballspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan wurde in der Runde nochmal besprochen. Alle waren sich einig: Jetzt aber mal Schluss mit diesem Thema! Sat1-Frühstücksfernsehen-Moderatorin Marlene Lufen hatte auch gleich eine einfache Erklärung für das Foto der beiden mit dem türkischen Präsidenten parat: „Die spielen in ihrer Freizeit einfach viel Playstation“, sagte sie. Soll heißen: Die sind einfach ein bisschen doof, haben das nicht mitgekriegt, dass Erdogan ein Despot sein soll.

Claudia Roth hingegen empört sich darüber, dass die Spieler bei den vergangenen Freundschaftspielen, zum Beispiel gegen Saudi Arabien, vom Publikum ausgepfiffen worden. „Hätten die keine türkische Herkunft, wäre das anders.“ Soll heißen: Auch das Publikum ist ein bisschen doof, hat das mit dem Erdogan-Foto wiederum gar nicht mitgekriegt, aber Rassisten sind sie alle mal. “Wer das jetzt kritisiert, das sind genau die, die mit Erdogan Rüstungsgeschäfte machen, die mit ihm einen Flüchtlingsdeal machen“, sagt Roth. Ahja. Nächstes Thema

Autogenes Training statt Nationalhymne

So richtig in WM-Stimmung sei sie ja noch nicht, sagt Lufen. Dabei habe sie sich schon schwarz-rot-gold angemalt „als es noch uncool war“. Lufen als Trendsetterin. Claudia Roth hingegen erwehrt sich dagegen, sie trage während der Sendung sogar schwarz-rot-goldene Kleidung. Selbst auf ihrem Balkon hänge sie lieber eine Regenbogenflagge als die Deutschlandfahne. Irgendwie eine eigenartige Einstellung einer Bundespolitikerin.

Auch der ehemalige Nationaltorwart Toni Schumacher kann die Aufregung um das Mitsingen der Nationalhymne nicht verstehen. Zu seiner Zeit wurde das nicht verlangt: „Ich habe die Zeit genutzt, um mein autogenes Training zu machen.“ Als der DFB sich dann das Mitsingen wünschte, habe keiner den Text gekonnt, erzählt er.

Bei Maischberger gab es an diesem Abend einen wilden Ritt durch viele Themen, die derzeit mit dem Fußball verbunden werden. Erkenntnis entstand daraus leider nicht. Nächstes Mal darf gern wieder kontroverser und tiefgehender diskutiert werden.

Foto: WDR / Max Kohr