Diese bewegende Fotoserie über Senioren ist zu kontrovers für Facebook

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style

Für Fotografin Jade Beall gibt es keine Makel, die retuschiert werden müssen. Ganz im Gegenteil. Die US-Amerikanerin will echte, authentische Bilder zeigen, die berühren – inklusive Falten, Cellulite und Schwangerschaftsstreifen. Doch bei einer Fotoserie über ältere Menschen erfuhr sie hierbei einen Rückschlag.


“Unsere westliche Kultur gibt uns vor, dass es beschämend und hässlich ist, alt zu werden. Für diesen Post wurde ich 30 Tage von Facebook verbannt. AARP hat eine bewegende Minidokumentation über meine Serie gemacht und sich dann entschieden, dass sie zu riskant ist, um sie zu veröffentlichen.”

Bei Instagram veröffentlichte Beall eine ästhetische Fotoserie, die auf respektvolle Art und Weise Senioren nackt oder leicht bekleidet zeigt. Doch wie die Fotografin in der Bildunterschrift offenbarte, wurde sie aufgrund der Veröffentlichung der Bilder auf Facebook für 30 Tage gesperrt. Außerdem erlebte sie mit ihrer Arbeit einen weiteren Rückschlag. Nachdem die Lobbyorganisation AARP, die sich in den USA für die Interessen älterer Personen einsetzt, eine Minidokumentation über die Fotoserie gedreht hatte, wurde die Veröffentlichung wieder abgesagt. Sie sei “zu riskant, um veröffentlicht zu werden.”

Fotografin Jade Beall setzt sich dafür ein, dass mit der Sexualität älterer Menschen respektvoller umgegangen wird. (Bild: Getty Images)

Enttäuschung machte sich bei der Fotografin breit, doch sie schöpfte wieder Hoffnung und will nun dafür kämpfen, dass das Altern in der Gesellschaft nicht mehr weiter tabuisiert wird. “Unsere westliche Kultur gibt uns vor, dass es beschämend und hässlich ist, alt zu werden”, schrieb Beall bei Instagram. “Aber wir sehnen uns nach einer anderen und bestärkenden Erzählweise über das Altern.”

Immer wieder werde sie von Menschen angesprochen, dass sie auf ihren Fotos nicht die Körper älterer Menschen sehen wollen. Auch in den Medien sei es normal, sich darüber lustig zu machen oder angeekelt zu sein, wenn es um Intimität und Sex zwischen alten Menschen geht. Umso überraschender und erfreulicher muss es für Beall gewesen sein, als AARP eine Dokumentation über ihre Fotoserie drehte. Doch die Enttäuschung über die Absage der Veröffentlichung war groß.

“Ich war über diese Entscheidung schockiert und habe mich abgelehnt gefühlt und wollte nichts mehr damit zu tun haben”, so Beall. “Aber nach einigen Tränen und der Rückkehr meiner Leidenschaft freue ich mich umso mehr, eine globale Fotoserie von ‘Die schönen Körper von Senioren’ zu machen.”

Mit ihrer Agenda kommt die Fotografin definitiv an. Mehr als 11.000 Menschen drückten bei Instagram unter den Fotos auf “Gefällt mir”, viele lobten sie für ihre Arbeit. Und vielleicht ist genau diese ein erster kleiner Schritt in eine Zukunft, in der über die Sexualität älterer Menschen nicht mehr negativ geurteilt wird.