„Dieser Herr“: Weiß Trump, wer Nordkorea regiert?

Meinte Trump diesen „Gentleman“ oder doch dessen Vater? (Bild: AP Photo)

Mit Namen, Hauptstädten und anderen Fakten nimmt es US-Präsident Donald Trump bekanntlich nicht so genau. Dennoch sorgt eine spezielle Wissenslücke angesichts der sich zuspitzenden Krise um die Atommacht Nordkorea jetzt für besonderes Aufsehen. Beobachter werfen die Frage auf: Weiß der Präsident eigentlich, wer in dem Land herrscht?

Alles begann – wie so oft – mit einem Interview, das Donald Trump dem konservativen TV-Sender Fox News gab. Darin warf der Republikaner seinen demokratischen Amtsvorgängern in Sachen Nordkorea Versagen vor. „Ich hoffe, dass es Frieden geben wird, aber sie haben schon lange mit diesem Herrn gesprochen“, sagte Trump. Bill Clintons Friedensabkommen sei ein „Witz“ gewesen. Auch Barack Obama habe keine erfolgreiche Strategie gehabt. „Sie wurden alle von diesem Herrn besiegt“, urteilte der Präsident.


Glaubt Trump also, dass Nordkorea seit der Amtszeit Clintons von ein und demselben Diktator beherrscht wird? Das stimmt natürlich nicht. Clinton war bis 2001 im Weißen Haus und hatte es damals mit Kim Jong-il zu tun. Nachfolger wurde zehn Jahre später dessen Sohn und jetziger Diktator Kim Jong-un.


„Leute. Leute. Ich glaube, Trump weiß nicht, wer der Führer von Nordkorea ist“, twitterte die MTV-Journalistin Ana Marie Cox.

Auch der Rest des Trump-Zitats bei Fox ist angesichts aktueller Tatsachen recht unglücklich ausgefallen. Clinton und Obama „wurden alle von diesem Herrn besiegt“, sagte er und benutzte dabei übrigens das Wort „Gentleman“ für Kim Jong-il. Mit Blick auf die angespannte Lage nach den Raketentests in Nordkorea schob Trump hinterher: „Wir werden sehen, was passiert. Aber ich werde meine Schachzüge nicht ankündigen.“

Diese Doppelgänger wissen, wer sie sind. (Bild: AP Photo)

Eben das scheint er aber in ziemlich spektakulärer Weise und mit schön viel Vorlauf für Nordkorea getan zu haben. Am 8. April hatte das Weiße Haus Stärke demonstrieren wollen und erklärte, den Flugzeugträger „USS Carl Vinson“ von Singapur in koreanische Gewässer zu verlegen. „Wir schicken eine Armada, sehr schlagkräftig“, hatte Trump auf Fox gesagt. Nun aber deckte die vom Präsidenten so gescholtene „The New York Times“ auf, dass der Flugzeugträger zum Zeitpunkt der Ankündigung in die entgegengesetzte Richtung gen Australien unterwegs war.

Das US-Verteidigungsministerium sprach der Zeitung zufolge von einer voreiligen Ankündigung und einer anschließenden Reihe von Missgeschicken. Die Südkoreaner hatten den Marineverband bereits am Osterwochenende erwartet. Laut dem Sender CNN soll die „Carl Vinson“ die koreanische Halbinsel nun erst Ende April erreichen.

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