“Dieses Land ist stärker als man denkt”: Herbert Grönemeyers Befindlichkeitsanalyse der Deutschen bei “Markus Lanz”

Herbert Grönemeyer findet optimistische Worte für Deutschland. (Bild: Screenshot ZDF)

Er gilt als Stimme der deutschen Befindlichkeit. Bei “Markus Lanz” analysierte der Sänger Herbert Grönemeyer den Status quo des Landes – und fand dabei durchaus optimistische Töne.

Gerade hat Herbert Grönemeyer mit “Tumult“ sein neues Album veröffentlicht. Darauf analysiert der Musiker die Lage der Bundesrepublik: das Misstrauen in die Politik, Erstarken der Rechten, Richtungsstreit, Asylkrise, Verrohung des Diskurses. Grönemeyer sieht die Zukunft anscheinend dennoch optimistisch: “Ich glaube grundsätzlich, dass wir eine gewisse Gelassenheit lernen müssen. Wir sind ein erwachsenes Land, wir sind ein aufgeklärtes Land, ein kluges Land”, erklärte Grönemeyer. “Mich wundert es, dass wir uns so aufscheuchen lassen.” Die Leute in der Mitte seien verantwortlich – und für die hatte der Sänger viel Lob übrig: “Ich glaube, die Menschen in der Mitte wissen genau, worum es geht. Die sind verantwortungsbewusst, klar, aufgeklärt. Die sind den Flüchtenden entgegen gegangen”.

Zu Gast bei Markus Lanz: Herbert Grönemeyer, Claudia Kade und Robert Habeck. (Bild: Screenshot ZDF)

Übertriebene Nervosität

Grönemeyer, der in London lebt, attestierte den Deutschen eine ausgeprägte Nervosität. Zu schnell lasse sich die Bundesrepublik aufscheuchen: “Die Engländer nennen uns Nervous Germans. Wo die Engländer ein Problem sehen, hätten wir uns schon längst alle aufgehängt. Wir reagieren extrem nervös”. Seine Lösung dafür: “Ich glaube, wir sollten mit einer stolzeren Brust rausgehen. Wir wissen, wir wollen nicht nach rechts, das ist klar. Wir wollen auch nicht dieses Rumgepöbel. Wir wollen auch nicht, dass Menschen ausgegrenzt werden oder verbal verrohen. Auf der anderen Seite wissen wir darum und wir können auch unseren Mann und unsere Frau stehen. Dieses Land ist stärker als man denkt.”

Der Befund

“Was ist denn der Befund, Herbert? Warum gelingt uns da nicht mehr Führung?”, wollte Lanz vom Popstar wissen. Dessen Antwort: “Weil wir ein ganz junges Land sind. Dieses Land ist eben erst 28”, spielt Grönemeyer auf die Zeit nach der Wiedervereinigung an. Deutschland sei noch ein ganz zartes Geflecht. “Wie bleibt man da gelassen, ruhig? Wenn wir das mal besprechen, wer wir eigentlich sind, werden viele Dinge klarer. Wie es in unseren Köpfen, unserer geistigen Kultur aussieht, darüber redet niemand. Und das rächt sich gerade.”

Fehlende Streitkultur

Robert Habeck fehlt die Streitkultur. (Bild: Screenshot ZDF)

Grünen-Politiker Robert Habeck erklärte hingegen, dass Deutschland keine Streitkultur habe – beziehungsweise das Streiten verlernt habe. Man habe in Deutschland jene Streitkultur verloren, die die Grenze einhält zu einem verrohten Populismus. “Wir müssen engagierter Streiten lernen. Auch die Sprache dafür finden“, erklärte Habeck.

Grönemeyer ist sich hingegen sicher: “Wir sind viel klarer als man denkt. Wir haben sicherlich soziale Probleme, das will ich nicht wegreden. Aber ganz klar ist, dass jeder weiß: nach rechts, und dieses Gepöbel und diese Verrohung der Sprache: das will hier keiner”. Haltung heißt, das man sich hält und Haltung bezieht. Versagt hier die Politik, fragt Lanz? Grönemeyer: “Politik verzettelt sich halt. […] Die Menschen fühlen sich nicht angesprochen. Ganz simpel”.