DIHK-Hauptgeschäftsführer hofft auf mehr Stabilität in der Türkei nach Referendum

Die Wirtschaft spürt "Unsicherheiten und Unwägbarkeiten"

Unabhängig vom Ausgang des Verfassungsreferendums am Sonntag hofft der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) auf mehr Stabilität in der Türkei. Nach dem Putschversuch im vergangenen Juli hätten deutsche Unternehmen eine "sehr ungewisse, eine sehr risikoreiche Phase" erlebt, sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. "Deswegen sehnt sich eigentlich jeder danach, dass wieder mehr wirtschaftliche Stabilität herrscht."

In den traditionell sehr engen deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen gab es im vergangenen Jahr laut Wansleben eine "erhebliche Abkühlung". Auch wenn sich das Geschäft seit Jahresbeginn etwas erholt habe, seien für die Unternehmen letztlich "Unsicherheiten und Unwägbarkeiten spürbar".

Durch seine Funktion als Bindeglied zwischen Europa und den arabischen Ländern und durch die wachsende Bevölkerung sei das Land prinzipiell "ein vielversprechender Markt und ein vielversprechender Standort", betonte der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Darüber, ob die Türkei diese Funktion nach dem Referendum und dem möglichen Wandel hin zu einem Präsidialsystem weiterhin erfüllen könne, ließe sich derzeit nur spekulieren, sagte Wansleben.

Ziel der deutschen Wirtschaft sei es, mit dem Land im Gespräch zu bleiben. Schließlich seien die Unternehmen nicht mit einer "politischen Mission" vor Ort, sondern wollten "die Gesetze einhaltend, ihre Wertehaltung wahrend, Geschäfte dort machen".

Wansleben zufolge sind derzeit rund 6.800 deutsche Unternehmen in der Türkei aktiv. Die meisten von ihnen würden daran festhalten. "Aber das Interesse, neu in den Markt zu gehen, ist deutlich geringer", sagte Wansleben. Einige zögen sich auch zurück, weil die Wirtschaft in dem Land nicht mehr so gut laufe. Der Autoexport in die Türkei sei zurückgegangen und auch andere Branchen spürten eine sinkende Nachfrage.

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