Dijsselbloem lehnt Rücktritt nach "Schnaps und Frauen"-Spruch ab

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hat einen Rücktritt trotz der massiven Kritik an seiner Äußerung zu angeblicher Verschwendungssucht südlicher Eurostaaten abgelehnt

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hat einen Rücktritt trotz der massiven Kritik an seiner Äußerung zu angeblicher Verschwendungssucht südlicher Eurostaaten abgelehnt. Dijsselbloem bedauerte beim Treffen der Euro-Finanzminister am Freitag in Malta nochmals seine Äußerungen. Er bekräftigte, dass er weiter zur Verfügung stehe, seine zweite Amtszeit bis Januar 2018 zu vollenden, obwohl er nach den Wahlen in den Niederlanden voraussichtlich seinen Posten als Finanzminister verlieren wird.

Dijsselbloem steht seit Wochen wegen einer Äußerung zu Finanzhilfen für Krisenländer im Süden in der Kritik. Niemand könne sein "ganzes Geld für Schnaps und Frauen ausgeben" und anschließend um Unterstützung bitten, hatte er im März in einem Interview gesagt. Aus Portugal und Italien kamen prompt Rücktrittsforderungen, auch im Europaparlament halten ihn viele Abgeordnete für nicht mehr tragbar.

"Sicherlich nicht", sagte Dijsselbloem in Malta auf die Frage, ob er zurücktreten werde. Er habe von sich aus zum Auftakt des Finanzministertreffens die Interviewäußerungen nochmals angesprochen und die Wortwahl als "bedauerlich" bezeichnet, sagte der 51-Jährige. Es sei nie seine Absicht gewesen, "Leute zu beschimpfen". Danach habe kein anderer Minister das Wort ergriffen und niemand habe seinen Rücktritt gefordert.

Der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos bestätigte Dijsselbloems Angaben. "Was mich angeht, ist die Sache damit beendet", sagte er. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bedauerte zum Auftakt des Treffens, dass Dijsselbloem "Opfer einer ziemlich offensichtlichen Kampagne geworden ist".

Dijsselbloem hat sich bereits mehrfach für die Äußerung entschuldigt. Für Empörung im EU-Parlament sorgte auch, dass der Niederländer trotz Aufforderung diese Woche nicht an einer Debatte zu Griechenland teilnahm. Dijsselbloem kündigte nun an, er werde am 27. April ins Parlament kommen, um an einer Diskussion zur Lage des hoch verschuldeten Landes teilzunehmen.

Zur Frage, ob er nach der massiven Wahlschlappe seiner Sozialdemokraten bei der Wahl in den Niederlanden ohne Finanzministerposten weiter Eurogruppen-Chef bleiben könne, sagte Dijsselbloem, er wisse dies noch nicht. Es bestehe allerdings "keine Dringlichkeit", sich damit zu befassen. "Die Koalitionsverhandlungen in den Niederlanden werden noch einige Zeit andauern."

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