Disney: Lucasfilm soll sich wieder verstärkt auf Kreativität konzentrieren

Nicholas Rossolillo

Ein paar Wochen nach dem Start ist es fast offiziell: Star Wars: The Rise of Skywalker wird weltweit über 1 Milliarde USD an der Kinokasse einspielen. Wenn die Produktion des letzten Kapitels des Skywalker-Dramas etwa so viel wie die der vorigen Filme gekostet hat – irgendwo in der Größenordnung von 250 bis 300 Millionen USD – bedeutet das, dass Lucasfilm und die Muttergesellschaft Disney (WKN: 855686) einen weiteren großen Hit gelandet haben.

Oder doch nicht? So wie der Film davor, Star Wars: The Last Jedi, ging auch The Rise of Skywalker nicht ganz ohne Skandale über die Bühne. Obwohl ein Film mit einem Umsatz von 1 Milliarde USD ein Erfolg sein sollte, liegen die Erwartungen an eine Disney-Produktion immer höher, ganz zu schweigen, wenn es sich dazu auch noch um Star Wars handelt. Der Film erzielt weiterhin hohe Einnahmen bei den Kinobesuchern (laut Box Office Mojo bis zum 8. Januar weltweit 928 Millionen USD), Stand jetzt wird er aber deutlich hinter den 2,07 Milliarden USD von The Force Awakens zurückbleiben und sogar weniger als die 1,33 Milliarden USD von The Last Jedi einspielen.

Während The Last Jedi von den Kritikern gelobt wurde, von vielen eingefleischten Fans aber eher nicht gerade begeistert aufgenommen wurde, wurde The Rise of Skywalker quasi für die Fans gedreht und dafür von den Kritikern und dem Durchschnittspublikum eher geschmäht. Lucasfilm scheint nicht ganz die goldene Mitte aus Fan-Service und Unterhaltung hinbekommen zu haben und hat damit große Teile des Kinopublikums im Stich gelassen. Das bedeutet dann aber auch, dass man viel Geld liegen lässt.

Warum 1,3 Milliarden Dollar eher enttäuschend sind

Aber warum sollten 1,3 Milliarden USD enttäuschend sein? Zum einen ist zu bedenken, dass es sich dabei um Bruttoeinnahmen handelt, nicht um Gewinne. Star Wars-Filme sind teuer in der Produktion und dazu gibt es Werbebudgets, Vertriebskosten usw., die über 250 bis 300 Millionen USD hinausgehen. 1,3 Milliarden Dollar Umsatz lassen also wahrscheinlich weit weniger Platz für Profit als man denkt.

Zweitens deutet es auch darauf hin, dass sich die Star Wars-Franchise eher auf dem absteigenden Ast befindet. Normalerweise bringt der Abschluss einer Trilogie noch einmal mehr Fans in die Kinos, die wissen wollen, wie die Geschichte endet. Es wird immer wahrscheinlicher, dass The Rise of Skywalker das nicht schaffen wird. Auch das Interesse an der Franchise insgesamt scheint nachzulassen, denn 2018 brachte Solo: A Star Wars Story weltweit nur 393 Millionen USD ein. Unter der Leitung von Disney hat Lucasfilm fünf Star Wars-Filme veröffentlicht, und die Zahlen scheinen mit der Zeit zu sinken. Im Vergleich dazu geschieht bei Disneys anderem Sci-Fi-Blockbuster-Macher Marvel Studios, bei Avengers, das Gegenteil: Endgame hält den Rekord für den größten Kassenerfolg aller Zeiten.

Die Gründe für The Rise of Skywalkers gemischte Kritiken sind vielfältig. Für den Durchschnittszuschauer war das kein besonders runder Film. Als Trilogie insgesamt scheint die Handlung ebenfalls nicht gut ausgearbeitet gewesen zu sein. Und das ist letztlich auch der Grund, warum der Ticketverkauf am Ende leidet. Disney hat Star Wars und Lucasfilm 2012 für 4 Milliarden USD erworben. Die Formel für die Zukunft kann nicht sein, dass man die Hardcore-Fans glücklich macht und darüber hinaus den Gelegenheitszuschauer vergisst.

Nur Mut, Lucasfilm!

Es ist aber nicht alles verloren. The Mandalorian ist ein Beweis dafür, dass das Star Wars-Universum immer noch stark sein kann, denn der Disney+-Streamingservice hat zumindest teilweise dazu beigetragen, dass gleich am ersten Tag 10 Millionen Abonnenten in den Startlöchern standen. Noch besser für die Langlebigkeit der neuen TV-Plattform ist, dass die Sendung von allen – von Kritikern, Fans und den Durchschnittszuschauern – positiv aufgenommen wurde. Nach Angaben der Website Rotten Tomatoes hat Star Wars eine Zustimmung von 94 % der Kritiker und 93 % der Zuschauer.

Als Sci-Fi-Franchise sind potenzielle Geschichten und Handlungsstränge weit offen. Als Aktionär, Star-Wars-Fan und Kinogänger mein Appell an Disney: Konzentriert euch bitte vor allem auf Kreativität und die Qualität des Filmemachens. Keine Neuauflagen von alten Filmen mehr, kein Vertrauen in das, was vor 40 Jahren mal großartig war und bitte keine Planeten mehr in die Luft jagen. Eine starke und hochwertige Produktion mit einer neuen Sichtweise auf die Franchise sollte der neue Star Wars-Fokus sein. Das mag nicht jedem gefallen, aber Kreativität und neue Wege, die Welt zu sehen, sind das, worum es beim Filmemachen geht. Wer das schafft, wird sich über neue und treue Fans freuen können.

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The Motley Fool besitzt keine der angegebenen Aktien. Nicholas Rossolillo besitzt keine der angegebenen Aktien. Dieser Artikel erschien am 10.1.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2020