Rassismus: Disney zeigt Warnhinweise bei Zeichentrick-Klassikern

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 2 Min.
Disney+ kommt ab jetzt mit Warnhinweisen bei einigen der alten Klassiker. (Bild: Getty Images)
Disney+ kommt ab jetzt mit Warnhinweisen bei einigen der alten Klassiker. (Bild: Getty Images)

Disney reagiert auf die Zeichen der Zeit. Auf dem konzerneigenen Kanal Disney+ werden zahlreiche Klassiker mit Warnhinweisen zu rassistischen Inhalten versehen.

Der Streamingservice von Disney bietet nicht nur die neuesten Produktionen des Entertainmentriesen an. Auch die beliebten Klassiker sind dort zu finden. Doch einige der Filme sind heutzutage durchaus problematisch. Dem hatte Disney schon zuvor mit einem kleinen Hinweis zu “unzeitgemäßen kulturellen Darstellungen” entgegenwirken wollen. Jetzt sind zahlreiche Filme wie “Dumbo” “Peter Pan” oder “Aristocats” mit deutlich stärkeren Formulierungen versehen worden.

Warnung vor stereotypen Figuren

Der zwölfsekündige Hinweis, den man nicht überspringen kann, thematisiert den Umgang mit Stereotypen. Diese seien damals und heute falsch. “Anstatt diese Inhalte zu entfernen, wollen wir den schädigenden Einfluss anerkennen, daraus lernen und eine Konversation anstoßen, durch die wir eine inklusivere Zukunft zusammen gestalten können”, heißt es in dem Disclaimer. Immer wieder hatte es Kritik beispielsweise an der Darstellung des Affenkönigs King Louie aus dem “Dschungelbuch” gegeben. Bei “Peter Pan” kommt der beleidigende Ausdruck “Rothäute” mehrere Male vor. Besonders abwertend ist die Darstellung der Krähen in “Dumbo”, bei denen im US-amerikanischen Kulturkreis wird der Verweis zur Zeit der Rassentrennung überdeutlich. Bei Animationsfilmen wie “Aristocats” und “Susi und Strolch” wurden asiatische Figuren mit herabsetzenden stereotypischen Merkmalen gezeichnet.

Umdenken in der Filmbranche

Um den Disney-Katalog nach solchen Verfehlungen zu durchsuchen, hatte der Konzern eine eigene Abteilung gegründet, die gemeinsam mit außenstehenden Organisationen wie der African American Film Critics Association und der Coalition of Asian Pacifics in Entertainment die alten Produktionen beurteilte. Auch in anderen Bereichen des Konzerns hat das Umdenken Folgen. Die beliebte Achterbahn “Splash Mountain” in Disneyland ist momentan geschlossen und wird so umgebaut, dass sie keine Hinweise auf den Südstaatenfilm “Song of the South” mehr enthält. In dem umstrittenen Film werde das Leben der Schwarzen auf den Plantagen beschönigt, ließ Disney als Begründung wissen.

"Peter Pan" bedient rassistische Stereotype über amerikanische Ureinwohner (Bild: Disney via ddp images)
"Peter Pan" bedient rassistische Stereotype über amerikanische Ureinwohner (Bild: Disney via ddp images)

Auch die Konkurrenz reagiert. Bei Warner Bros. werden ältere Cartoons mit einem vergleichbaren Warnhinweis gezeigt. Und das betrifft nicht nur Zeichentrickfilme. HBO war mit der gleichen Thematik beim Bürgerkriegsklassiker “Vom Winde verweht” ähnlich umgegangen. Der Hollywood-Klassiker wurde vorübergehend aus der Mediathek des Senders entfernt, um dann mit einem vorangestellten Hinweis zur Darstellung von Schwarzen Menschen wieder eingestellt zu werden.

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