"Do you hear the people sing?": Musikalischer Protest in Hong Kong

Das Lied "Do you hear the people sing" gilt als inoffizielle Hymne der Protest-Bewegung in Hong Kong. Hier hält ein junger Mann während eines Fußballspiels im Juli ein Plakat damit in die Kamera. Foto: AP Photo / Vincent Yu

Das Video des kreativen Protests geht mittlerweile viral: Wie sich Hongkonger Schülerinnen und Schüler singend gegen den Einfluss aus Peking zur Wehr setzen.

Seit Tagen demonstrieren auch die Jüngeren: Schülerinnen und Schüler in Hong Kong finden dabei eine besonders kreative Ausdrucksform. Sie schmettern während einer Schulversammlung nicht wie geplant den Text der chinesischen Nationalhymne, sondern stimmen das Protestlied „Do you hear the people sing“ aus dem Musical „Les Miserables“ an. Ein kurzes Video des Auftritts, so berichtet es der „Stern“, geht momentan viral.

Das Lied, das vom Aufruf eines Volkes zur Revolution handelt, ist seit einiger Zeit immer wieder während der Proteste in Hong Kong zu hören. Mit ihrer Aktion setzten sich nun die Schülerinnen und Schüler konkret mit einem umstrittenen Gesetzesentwurf auseinander: Demnach soll der chinesischen Nationalhymne, Hong Kong besitzt keine eigene, in Zukunft mehr „Ernst“ entgegengebracht werden. So soll der Text in Zukunft nicht mehr verändert werden dürfen, zudem soll jeder Mensch aufstehen müssen, wenn die Hymne erklingt. Wer sich weigert oder gegen das drohende Gesetz verstößt, soll bis zu 15 Tage inhaftiert oder anderweitig strafrechtlich verfolgt werden dürfen.

Noch ist das Gesetz nicht verabschiedet

Die Quelle des Stern-Videos ist die Reporterin Phoebe Kong, die es zuerst auf ihrer Twitter-Seite hochgeladen hatte. Kong ist laut der Selbstauskunft auf dem Kurznachrichtendienst Korrespondentin für die „Deutsche Welle“ in China. Vorher war sie für Hong Kong verantwortlich. Zu ihrem Tweet vom 3. September 2019 schrieb sie: „Dieses Video geht gerade in Hong Kong viral. Mutige Schülerinnen und Schüler singen das berühmte Protest-Lied ‚Do You Heart he People Sing‘ anstelle der Chinesischen Hymne während einer Eröffnungsveranstaltung. Ich bin froh, dass das Gesetz zur Nationalhymne bislang nicht verabschiedet wurde…“

Wieso wird überhaupt demonstriert? Die einstige britische Kolonie Hong Kong wurde 1997 an China zurückgegeben, behielt aber eine weitreichende politische – die Staatsform ist eine Demokratie – und wirtschaftliche Autonomie. Sie untersteht aber letztlich Peking. Die Millionenstadt und Metropolregion Hong Kong ist mit gut 1.000 Quadratkilometern eine „Sonderverwaltungszone“ Chinas. Es gibt beispielsweise kein Auslieferungsabkommen, deshalb war Hongkongern, so schreibt es die „Zeit“, lange klar: „Wer straffällig wird oder auch nur verdächtigt, kann nicht nach China, wo die Justiz als nicht unabhängig gilt, ausgeliefert werden.“ Doch das sollte sich Anfang Juni ändern, als Hong Kong das bestehende Gesetz ändern wollte. Daraufhin begannen die „Demokratie-Proteste“.

Die Forderungen der Demonstranten wurden ausgeweitet

Wofür wird demonstriert? Viele Hongkonger fürchten den wachsenden Einfluss Chinas. Während Bürgerinnen und Bürger in Hong Kong etwa Zugang zu freiem Internet haben, lassen sich in China nur von der Regierung kontrollierte Seiten abrufen – wie die staatlichen sozialen Netzwerke. Deshalb demonstrieren seit Monaten Hunderttausende in Hong Kong gegen den langen Arm aus Peking.

Die Demonstrationen eskalieren immer wieder: Regelmäßig gibt es Berichte über gewaltsame Polizeieinsätze, die Zeit schreibt von Tränengas, Pfefferspray, gewalttätigen Festnahmen und einem Wasserwerfer. Deshalb haben sich die Forderungen der Demonstranten in Hong Kong mittlerweile ausgeweitet. Nebst der Annullierung des drohenden Auslieferungsabkommen mit China, das von der Hongkonger Regierung erstmal auf Eis gelegt wurde, fordern die Demonstranten nun auch unabhängige Untersuchungen zur Polizeigewalt der letzten Monate.