Dominiert dieser Barca-Dreizack bald Europa?

Michael Prieler
Lionel Messi, Neymar und Antoine Griezman (v.l.): Sieht so der neue Traumsturm des FC Barcelona aus?

Drei Jahre lang hielt "MSN" die Fußball-Welt in Atem.

"MSN" - das waren Lionel Messi, Luis Suárez und Neymar, die zwischen 2014 und 2017 in 299 Spielen zusammen sagenhafte 250 Treffer für den FC Barcelona erzielten. Dieser legendäre Sturm-Dreizack brachte den Katalanen allein zwei Meisterschaften, drei Pokalsiege, den Champions-League-Titel 2015 und die Klub-Weltmeisterschaft 2016 ein.


Doch Neymars Abgang im Sommer 2017 zu Paris St. Germain sprengte das gefährlichste Offensiv-Trio der Welt. Messi und Suárez wirbelten zwar weiter in gewohnter Manier durch die gegnerischen Abwehrreihen. Aber weder Phillippe Coutinho, noch Ousmane Dembélé oder Malcolm schafften es nach Neymars Abgang die Lücke, die der teuerste Fußballer der Welt vor allem auf der linken Außenbahn hinterließ, vollständig zu schließen.

"MGN" statt "MSN"?

Deswegen bastelt Barca für die kommende Saison nun auf Hochtouren an einem neuen Dreiersturm, der im klassischen 4-3-3-System der Katalanen für die Torgefahr sorgt. Und der könnte dieses Mal "MGN" lauten.

Seit Neymars Wechsel nach Paris wird in schöner Regelmäßigkeit über eine Rückholaktion des Brasilianers spekuliert. So richtig glücklich wurde der 222-Millionen-Euro-Mann in der französischen Hauptstadt nie. Er soll PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi bereits deutlich mitgeteilt haben, dass er Frankreichs Meister verlassen will. Gerade mit Co-Star Edinson Cavani stimmte die Chemie anfangs überhaupt nicht. Danach warfen den Superstar immer wieder Verletzungen zurück. Jungstar Kylian Mbappé hat dem streitbaren Brasilianer nicht nur in der Gunst der Fans längst den Rang abgelaufen.


Vor allem wegen seiner Eskapaden neben des Platzes scheint Neymar auch in der Chefetage endgültig in Ungnade gefallen zu sein: "Niemand hat ihn gezwungen, hier zu unterschreiben, niemand hat ihn gedrängt", schoss Klub-Boss Boss Al-Khelaifi gegen seinen Rekordtransfer - und wies dem Brasilianer sogar indirekt die Tür: "Sie (die Spieler, Anm. d. Red.) sind nicht hier, um sich zu vergnügen. Wenn sie nicht einverstanden sind, stehen die Türen offen. Ciao! Ich will keine Starallüren mehr haben."

Laut brasilianischer Medien sind die Verhandlungen um eine Neymar-Rückkehr zwischen PSG und Barcelona schon weit fortgeschritten. Messi höchstpersönlich soll laut El Mundo Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu (56) angerufen und ihm gesagt haben, dass er Neymar verpflichten soll. Die Zeichen, dass der "ewige Messi" bald wieder zusammen mit Neymar im Camp Nou zaubern darf, verdichten sich also.

Tauschgeschäft für Neymar

Auf der dritten Planstelle im Sturmzentrum neben den Außenbahnkünstlern Messi und Neymar deutet sich aber im Gegensatz zur "MSN"-Zeit ein Wechsel an. Luis Suárez zeigt zwar eine beeindruckende Beständigkeit in den vergangenen fünf Jahren, ist aber mit 32 Jahren nicht mehr der Jüngste und plädiert sogar selbst für Neuzugänge auf seiner Position. Der neue Hoffnungsträger heißt Antoine Griezmann.

Der Abschied des Franzosen von Atlético Madrid steht bereits länger fest. Seit mehr als einem Jahr halten sich bereits die Gerüchte, dass Barcelona sein Wunschziel ist. Atletico-Besitzer Miguel Ángel Gil Marín ("Ich weiß, wo Griezmann künftig spielen wird. Barcelona. Das ist seit März bekannt") befeuerte diese Gerüchte zuletzt. In diesem Sommer könnte der Deal nun endlich für eine kolportierte Ablösesumme von 120 Millionen Euro eingetütet werden.


Stellt sich die Frage: Sprengt ein zusätzlicher Neymar-Transfer (Marktwert: 180 Millionen Euro) da nicht Barcas finanziellen Rahmen? Die Antwort lautet: Jein.

Denn wie unter anderem Globo Esporte berichtet, wären die Katalanen eher an einem Tauschgeschäft statt an einem klassischen Transfer interessiert. Für Neymar würde Barca dem Bericht zufolge Ousmane Dembélé, Samuel Umtiti und Ivan Rakitic plus immerhin noch 100 Millionen Euro nach Paris schicken - ein wahnwitziger Deal.

Ansatzweise aufgefangen werden könnten diese horrenden Ausgaben nur durch einen Verkauf von Suárez. Auch Arturo Vidal wird seit der Verpflichtung von Ajax-Juwel Frenkie de Jong immer wieder als Abschiedskandidat genannt. Zusammen könnten die beiden Oldies (beide 32) zumindest rund 70 Millionen Euro in Barcas Kassen spülen.

Taktische Bedenken

Jünger würde der Barca-Sturm durch Griezmann und Neymar also alle Mal. Würde er aber auch wirklich besser?

Bislang war Suarez als klassischer Mittelstürmer im Sturm-Zentrum gesetzt, während Messi plus ein weiterer Offensivakteur mehr oder weniger ohne große Positionsvorgaben um den Uruguayer wirbelten. Wie gut dieses Konzept aufging, belegen allein Suarez' Zahlen: In jeder der vergangenen vier Spielzeiten erzielte er mindestens 25 Treffer. Seine 59 Tore aus der Saison 2015/16 sind legendär.

Auch Griezmann ist zweifelsohne ein begnadeter Knipser. Allerdings zeichnet sich der Weltmeister eher als mitspielender Stürmer aus, der gerne auch auf die Außenbahnen ausweicht. Ohne Suarez könnte Barca also der Fixpunkt im gegnerischen Strafraum fehlen - gerade gegen tiefstehende oder körperlich hart verteidigende Abwehrketten, die Messi und Neymar die Lust am Kombinationsfußball nehmen.

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Dieses taktische Problem sieht auch Ex-Barca-Stürmer Carles Rexach, heute Klub-Berater: "Griezmann und Messi spielen auf derselben Position. Es gibt andere, die besser zur Mannschaft passen."


Griezman unbeliebt?

Außerdem haderte Griezmann bereits im Vorjahr, als sein Wechsel zu Barca in letzter Minute platzte, damit, sich bei den Katalanen Klub-Legende Messi unterordnen zu müssen. "Natürlich hat unbewusst auch eine Rolle gespielt, dass ich dort Messis Leutnant gewesen wäre", begründete der Franzose damals seine Entscheidung, noch ein Jahr bei Atlético zu bleiben.

Gerüchten zufolge ist der äußerst selbstbewusste Griezmann in der Barca-Umkleide recht unbeliebt. Es heißt, der Charakter des Franzosen werde in Frage gestellt. Es werde befürchtet, dass er das Ambiente in der Umkleidekabine und auch die Beziehungen zwischen Team und Fans "vergiften könnte", so die gut informierte katalanische Zeitung Sport.

Sollte Barcelona dennoch voll auf "MGN" setzen - und dafür überspitzt formuliert den halben Kader opfern - wäre das ein Wagnis, zu dem sich der Klub nach vier Jahren ohne internationalen Titel aber offenbar genötigt sieht.