Dr. House geht jetzt in die Politik

Maximilian Haase
·Lesedauer: 3 Min.
Korruptionsvorwürfe konnte Peter Laurence (Hugh Laurie) noch abwehren. Doch viele seiner Geheimnisse drohen aufgedeckt zu werden. (Bild: The Forge & all3media international / MagentaTV)
Korruptionsvorwürfe konnte Peter Laurence (Hugh Laurie) noch abwehren. Doch viele seiner Geheimnisse drohen aufgedeckt zu werden. (Bild: The Forge & all3media international / MagentaTV)

Viel mehr als Dr. House: Ein großartiger Hugh Laurie überzeugt in der Miniserie "Roadkill" als bürgernaher Politiker, dessen Karriere aufgrund einiger Skandale zu zerbrechen droht. Realistisch und angemessen ironisch nähert sich die BBC-Produktion dem Spiel zwischen Politik und Öffentlichkeit.

Markantes Gesicht, ikonische Rolle - schon ereilt einen das Schicksal, gefühlt für immer auf eine Figur festgelegt zu sein. So wie Hugh Laurie: Der britische Darsteller, der bereits von der Queen höchste Orden erhielt, wird für viele Fans zeitlebens "Dr. House" bleiben - jener beliebte TV-Arzt, den er bis 2012 verkörperte. Nach zahlreichen Versuchen, sich mithilfe anderer Produktionen von diesem schmeichelnden Stigma zu befreien ("Chance", "The Night Manager"), wagt Laurie nun den nächsten Schritt: In der Miniserie "Roadkill" wird er zum Vollblutpolitiker, dessen erfolgreiche Karriere nach einer Reihe von Skandalen plötzlich zu zerbrechen droht.

Die vierteilige BBC-Produktion, die hierzulande ab 4. Februar beim Telekom-Streamingportal MagentaTV abrufbar ist, entpuppt sich dabei als wahrer Politthriller - gestaltet sich jedoch weniger diabolisch als Genreprimus "House of Cards". Letztlich erweist sich aber auch die von Laurie fantastisch gespielte Figur, der charakterstarke Politprofi Peter Laurence, als nach außen makelloser Minister mit großen Geheimnissen: Das Mitglied der Conservative Party befindet er sich zunächst auf bestem Weg in die höchsten Sphären der Elite, ein kometenhafter Aufstieg scheint dem selbsternannten "entspannt Konservativen" vorgezeichnet - erst als Verkehrs-, dann als Justizminister. Eine offenbar perfekte Familie mit zwei Töchtern komplettiert das Bild des fehlerfreien Politikers, der sich aufgrund seiner sympathischen Bürgernähe im Volk großer Beliebtheit erfreut. Doch der Schock folgt bald: Von einem Tag auf den anderen ist nicht nur die Karriere, sondern auch das Privatleben Laurences in Gefahr.

Hugh Laurie gibt in der Miniserie "Roadkill" den bürgernahen konservativen Politiker Peter Laurence, dessen Karriere plötzlich bedroht wird. (Bild: The Forge & all3media international / MagentaTV)
Hugh Laurie gibt in der Miniserie "Roadkill" den bürgernahen konservativen Politiker Peter Laurence, dessen Karriere plötzlich bedroht wird. (Bild: The Forge & all3media international / MagentaTV)

Ein eingeübtes Spiel

Plötzlich kommen Dinge ans Licht, die er längst begraben und vergessen glaubte. Eine Affäre mit einer anderen Frau lässt an seiner Integrität als Familienvater zweifeln, hinzu kommt eine im Gefängnis sitzende uneheliche Tochter. Eine Journalistin, die den Minister gerade noch mit Korruptionsvorwürfen belegte und von ihm deshalb verklagt wurde, sieht ihre Chance gekommen: Charmian Pepper (Sarah Greene) will den Minister stürzen - wobei dessen politische Gegenspieler natürlich gern helfen. Während die ihm nicht wohlgesonnene Premierministerin Dawn Ellison (toll thatcheresk: Helen McCrory) mit Entlassung droht, soll Laurences leidende Ehefrau Helen (Saskia Reeves) auch im Angesicht der Intrigen zunächst auf gut Freund machen.

Überaus realistisch zeichnet "Roadkill" nach, welche Mechanismen greifen, wenn ein lügender Politiker in die Schlangengrube der Öffentlichkeit fällt. Ähnlich wie im großen dänischen Politdrama "Borgen" (dessen Hauptdarstellerin - Fun Fact - in "Roadkill" als des Ministers Affäre zu sehen ist) wird das eingeübte Schauspiel aus Parteien, Beratern, Medien und persönlichen Animositäten in der Miniserie unter Regie von Michael Keillor umfassend beleuchtet - wenn auch britischer Sarkasmus und Lauries beißender Spott dafür sorgen, dass die allseits bekannte Inszenierung jenes Spiels überaus ironisch kommentiert wird. "Was haben wir gelernt? Du kommst mit allem durch, wenn du dir nichts anmerken lässt", sagt Peter Laurence an einer Stelle. Mit solchem Zynismus übertrumpft Laurie seinen Dr. House vielleicht doch noch. Emanzipiert hat er sich von ihm jedenfalls längst.

Sonderberater Duncan Knock (Ian de Caestaecker) versucht Peter Laurence (Hugh Laurie) vor Attacken der Öffentlichkeit zu schützen.  (Bild: The Forge & all3media international / MagentaTV)
Sonderberater Duncan Knock (Ian de Caestaecker) versucht Peter Laurence (Hugh Laurie) vor Attacken der Öffentlichkeit zu schützen. (Bild: The Forge & all3media international / MagentaTV)