Wo Drachen nett und Babys gefährlich sind

Franziska Wenzlick
·Lesedauer: 3 Min.
Ganz schön taff: Die junge Kriegerin Raya möchte die Welt retten. Dafür macht sie sich auf die Suche nach dem letzten verbliebenen Drachen. (Bild: Disney)
Ganz schön taff: Die junge Kriegerin Raya möchte die Welt retten. Dafür macht sie sich auf die Suche nach dem letzten verbliebenen Drachen. (Bild: Disney)

Disneys neuester Prinzessinenfilm hat neben flauschigen Drachen und räuberischen Babys auch eine atemberaubende Kulisse und eine außergewöhnliche Heldin zu bieten. Ihre Mission: die Welt retten.

Lange Zeit gab sich Disney optimistisch: Am 4. März sollte es mit "Raya und der letzte Drache" das erste Mal seit einem Jahr wieder ein Animationsfilm des Mäusekonzerns auf die deutschen Kinoleinwände schaffen. Da Wunschdenken in der Realität allerdings nur halb so gut funktioniert wie in den märchenhaften Blockbustern des Produktionsriesen, muss das Publikum aufgrund der Pandemie-Maßnahmen nun erneut mit der Heim-Variante Vorlieb nehmen: Ab dem 5. März ist der Film bei Disney+ (mit VIP-Zugang, für 21,99 Euro extra) verfügbar.

Titelheldin Raya lebt in Kumandra, wo vor Hunderten von Jahren Menschen und Drachen friedlich koexistierten. Letztere opferten sich, als die Druun, eine finstere Macht, die alles Leben zu Stein werden lässt, das Land bedrohten. Daraufhin zerbrach Kumandra, und die Menschen teilten sich in fünf verfeindete Clans auf, die fortan unterschiedliche Teile des Landes besiedelten: Kamm, Zahn, Herz, Klaue und Schweif. Als die Druun bei Rayas Versuch, die Völker wieder zu einen, zurückkehren, macht sich die Herrschertochter auf die Suche nach dem legendären letzten Drachen Sisu, mit dessen Hilfe sie Kumandra retten will.

Er ist der Herrscher des "Herz"-Clans: Chief Benja, Rayas Vater, träumt davon, das Volk von Kumandra wieder zu einen.  (Bild: Disney)
Er ist der Herrscher des "Herz"-Clans: Chief Benja, Rayas Vater, träumt davon, das Volk von Kumandra wieder zu einen. (Bild: Disney)

Eine Prinzessin, die keinen Prinzen braucht

Inmitten einer Flut von Remakes, Prequels und Fortsetzungen in den vergangenen Jahren tanzt "Raya und der letzte Drache" nicht allein aufgrund seiner Originalität aus der Reihe. Der erste Disney-Prinzessinenfilm dieses Jahrzehnts - "Die Eiskönigin 2" erschien 2019 - kommt nämlich gänzlich ohne Romantik aus. Schon 2016 verzichteten Regisseur Don Hall und Produzent Osnat Shurer darauf, ihre polynesische Heldin Vaiana im gleichnamigen Animationsfilm mit Liebeleien von ihrem Abenteuer abzulenken. Selbiges gilt nun für Raya: Wer die Welt retten muss, hat keine Zeit für Geschäker.

Dabei ist in "Raya und der letzte Drache" kein Platz für Einzelkämpfer - ganz im Gegenteil. Im Laufe der Geschichte muss nicht nur das Publikum, sondern auch die Heldin lernen, dass sich das Böse nicht mal so eben im Alleingang besiegen lässt. So versammelt Raya nach und nach eine Gruppe von Weggefährten um sich, die in gewohnter Disney-Manier kurioser kaum sein könnten: Ihr tierischer Sidekick Tuk Tuk (eine überdimensionierte Mischung aus Kellerassel und Gürteltier mit Fell und Chipmunk-Gesicht), die für den sonst so beeindruckend animierten Film etwas zu plüschig geratene Drachendame Sisu, ein räuberisches Baby samt seinen drei Affenfreunden, ein sanftmütiger Riese und der freche Junge Boun, der seine Familie genau wie Raya an die Druun verloren hat, begleiten die Kriegerin auf ihrer Mission.

Drache oder Plüschtier? Als Raya auf die letzte Drachendame trifft, wird schnell klar: Die legendäre Sisu ist nicht wie erwartet. (Bild: Disney)
Drache oder Plüschtier? Als Raya auf die letzte Drachendame trifft, wird schnell klar: Die legendäre Sisu ist nicht wie erwartet. (Bild: Disney)

Zwischen traumhaften Landschaften und Plüsch-Drachen

Wenngleich Disneys jüngstes Werk seinen Vorgängern in Sachen Rührseligkeit in nichts nachsteht - lediglich auf Gesangseinlagen wurde verzichtet - und so mancher Witz etwas flach ausfällt, schafft es "Raya und der letzte Drache", sein Publikum vom ersten Augenblick an einzufangen. Das liegt nicht zuletzt an der eindrucksvollen Kulisse: Das fiktive Kumandra ist den Ländern Südostasiens nachempfunden. Laos, Kambodscha, Thailand, Vietnam und Indonesien soll das Produktionsteam bereist haben, um schließlich das Heimatland von Raya und ihren Gefährten zu entwerfen. So muten die Wüstenlandschaften und bunten Handelsmärkte an manchen Stellen fast schon zu real an für Figuren wie die Drachendame Sisu, die daherkommt wie ein flauschiger Mix aus "Eiskönigin" Elsa und Mushu, dem ähnlich albernen Drachen-Freund von "Mulan".

Doch nicht nur Rayas Reise durch die traumhaften Landschaften Kumandras macht den Streifen so sehenswert. Tatsächlich ist es den Machern gelungen, ihre Heldin eine nachvollziehbare Charakterentwicklung durchleben zu lassen. Raya macht Fehler, mitunter sogar sehr große. Und trotz ihrer Schwächen gibt es keine Minute Zweifel daran, dass sie mutig, schlau, stark oder liebenswert ist. Das mag kitschig klingen, ist aber die große Stärke des Films: Es fällt leicht, sich auf Raya und Kumandra einzulassen, besonders, weil sie eben nicht perfekt sind.

Auch während Sisus vorübergehender Verwandlung in einen Menschen scheinen sie und ihre lila Mähne nicht so ganz ins  Bild zu passen. (Bild: Disney)
Auch während Sisus vorübergehender Verwandlung in einen Menschen scheinen sie und ihre lila Mähne nicht so ganz ins Bild zu passen. (Bild: Disney)