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Verdächtiger nach Messerangriff an Pariser Bahnhof in Psychiatrie eingewiesen

Im Pariser Bahnhof Gare de Lyon sind am Samstag bei einem Messerangriff drei Menschen verletzt worden. Der festgenommene mutmaßliche Angreifer werde nun verhört, teilten die Behörden mit. Ein Motiv für die Tat sei bislang nicht bekannt. (Thomas SAMSON)
Im Pariser Bahnhof Gare de Lyon sind am Samstag bei einem Messerangriff drei Menschen verletzt worden. Der festgenommene mutmaßliche Angreifer werde nun verhört, teilten die Behörden mit. Ein Motiv für die Tat sei bislang nicht bekannt. (Thomas SAMSON)

Bei einem Messerangriff im Pariser Bahnhof Gare de Lyon sind am Samstag drei Menschen verletzt worden. Der festgenommene mutmaßliche Angreifer, ein 32-jähriger Mann aus Mali, wurde nach dem Polizeiverhör und einer Untersuchung wegen "psychischer Probleme" in die Psychiatrie eingewiesen, wie die Polizei mitteilte. Die Ermittler versuchen nun, sein Motiv für die Tat an einem wichtigen Fernverkehrsknotenpunkt in der französischen Hauptstadt zu klären.

Der Angreifer verletzte nach Polizeiangaben drei Menschen im Gare de Lyon, davon einen Menschen schwer. Der Zustand des schwerverletzten Opfers habe sich "stabilisiert", es schwebe aber weiter in Lebensgefahr, sagte Polizeipräfekt Laurent Nuñez im Bahnhof. Ein Augenzeuge stehe zudem unter Schock.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei den drei Verletzten um Passanten, die "eingegriffen" hätten und "durch Messerstiche und Hammerschläge verletzt" worden seien.

Der festgenommene Mann habe während des Angriffs "nichts gerufen", hieß es aus Polizeikreisen. Er habe der Polizei einen italienischen Führerschein gezeigt. Der Mann halte sich seinen Papieren zufolge seit 2016 legal in Italien auf, sagte Nuñez. Der Polizei habe der Verdächtige gesagt, er habe "psychische Probleme", auch seien Medikamente bei ihm gefunden worden.

Aus dem Polizeigewahrsam wurde er nach ersten Verhören und einer Untersuchung am Abend wieder entlassen. Seine psychische Erkrankung lasse eine Untersuchungshaft nicht zu, erklärte die Staatsanwaltschaft. Er sei daher zunächst in die psychiatrische Krankenstation des Polizeipräsidiums gebracht worden.

"Nach ersten, noch zu bestätigenden Erkenntnissen soll der Beschuldigte zuerst seinen Rucksack angezündet haben, bevor er ein Messer und einen Hammer herausholte und versuchte, eine Passantin zu schlagen, die ihm auswich", erklärte die Staatsanwaltschaft. Wie aus Polizeikreisen verlautete, setzten Passanten den Angreifer außer Gefecht, noch bevor die Bahnpolizei am Tatort eintraf.

Innenminister Gérald Darmanin bedankte sich im Onlinedienst X, vormals Twitter, bei den Passanten, "die den Mann überwältigt haben, der diese unerträgliche Tat begangen hat."

Ersten Ermittlungsergebnissen zufolge war der Mann obdachlos und nicht religiös. "Wir werden sehen, ob ein terroristisches Motiv ausgeschlossen werden kann", sagte Polizeipräfekt Nuñez.

Die Ermittler interessieren sich nun vor allem für ein noch zu verifizierendes Profil im Onlinedienst Tiktok, das unter dem Namen des Mannes angelegt wurde. In einem dort veröffentlichten, auf den 2. Dezember 2023 datierten Video schreibt der Konteninhaber: "R.I.P. in drei Monaten, möge Allah mich in seinem Paradies willkommen heißen". In anderen Videos drückt der Urheber seinen Groll gegenüber Frankreich aus und bezieht sich dabei auf die französische Militärintervention in Mali.

Am Gare de Lyon verkehren sowohl Inlandszüge als auch Züge in die Schweiz und nach Italien. Jedes Jahr werden an dem Bahnhof mehr als hundert Millionen Passagiere abgefertigt. Er gilt als größter Fernverkehrsknotenpunkt Frankreichs.

Der Anschlag ereignete sich weniger als sechs Monate vor den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris. Zu dem Großereignis werden in der französischen Hauptstadt 15 Millionen Besucher erwartet.

mid