Dreijährige 91 Stunden nach Beben in Izmir aus Trümmern geborgen

Luana Sarmini-Buonaccorsi
·Lesedauer: 3 Min.
Retter beruhigt die kleine Ayda
Retter beruhigt die kleine Ayda

Knapp vier Tage nach dem schweren Erdbeben in der Ägäis haben Rettungsmannschaften ein dreijähriges Mädchen aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses in Izmir geborgen. Der Bürgermeister der zweitgrößten türkischen Stadt, Tunc Soyer, sprach am Dienstag auf Twitter von einem "Wunder der 91. Stunde". Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, das Wunder heiße Ayda. Aydas Mutter aber konnte Stunden später nur noch tot geborgen werden. 

Retter holten die kleine Ayda Gezin unter dem Beifall von Beistehenden aus den Trümmern, wie AFP-Korrespondenten berichteten. Einige Umstehende hielten den bewegenden Moment mit ihren Handy-Kameras fest. In einem vom Gesundheitsministerium geteilten Video ist zu hören, wie die Kleine nach "Köfte und Ayran" verlangte,  türkischen Frikadellen und dem beliebten Getränk auf der Basis von Joghurt, Wasser und Salz.

Im ersten Chaos nach ihrer Rettung hatten die Behörden das Alter der Kleinen mit vier angegeben, es dann aber später nach unten korrigiert. Während Ayda in einer Rettungsdecke zum Krankenwagen gebracht wurde, rief sie nach ihrer Mutter, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. 

Stunden später schlug die große Freude in Trauer um, als die Retter die Leiche ihrer Mutter Fidan aus den Trümmern holten. Nach einem Bericht der Zeitung "Milliyet" war die 38-Jährige zehn Minuten vor dem Einsturz des mehrstöckigen Gebäudes gemeinsam mit ihrer Tochter von einem nahegelegenen Park zurückgekehrt. Der Vater, der zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause war, überlebte das Beben.

Bereits am Montag hatten Bergungsmannschaften eine Dreijährige und eine 14-Jährige retten können. Die Retter der kleinen Ayda berichteten nun, wie sie Montagnacht bemerkt hätten, dass sich in einem anderen eingestürzten Gebäude noch eine weitere Überlebende befinden müsse. 

Sofort machten sie sich demnach an die mühsame Bergung: Sie hätten an der Stimme gemerkt, dass es sich um ein kleines Mädchen handeln musste, berichtete einer von ihnen. "Mein Freund Ahmet sah erst eine Hand, und als er ein wenig mehr Raum freilegte, Aydas Gesicht".

Nach Angaben des Kollegen Ahmet Celik war das Mädchen in der Küche zwischen zwei Elektrogeräten eingeklemmt. Das habe ihr wahrscheinlich das Leben gerettet, weil sie auf diese Weise nicht komplett verschüttet wurde. Sie sei unverletzt geblieben, sagte Celik. "Als ich sie fragte, ob es ihr gut geht, verlangte sie nach Ayran. Sie liebt Ayran".

Trotz der traurigen Nachricht vom Tod der Mutter gab die wundersame Rettung der Dreijährigen den erschöpften Bergungsmannschaften die Kraft, ihre Suche nach weiteren Überlebenden fortzusetzen. Am Dienstag konzentrierten sie sich auf vier eingestürzte Gebäude. Unterstützt wurden sie dabei von Drohnen aus der Luft. 

Das Beben der Stärke 7 hatte am Freitag die Westtürkei und die griechische Insel Samos erschüttert. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS lag sein Zentrum in der Ägäis zwischen Samos und der türkischen Provinz Izmir. Vor allem in der gleichnamigen Stadt richteten die Erschütterungen schwere Schäden an, zahlreiche Gebäude stürzten dort ein und begruben die Bewohner unter sich. Auf Samos wurden zwei Schüler von einer einstürzenden Mauer erschlagen.

Der türkischen Katastrophenschutzbehörde zufolge stieg die Zahl der Todesopfer in der Provinz auf 105. Knapp 150 der ursprünglich mehr als tausend Verletzten wurden noch in Krankenhäusern behandelt. Demnach wurde die Region bis Dienstag von fast 1500 Nachbeben erschüttert, darunter 44 mit einer Stärke von über 4.

ans/ck