Dresdner „Tatort“: Wenn bei der Versicherung die große Verunsicherung einsetzt

Die beiden Ermittlerinnen Gorniak und Sieland (v.l.) befragen eine Person. (Bild: MDR/Wiedemann & Berg/Gordon Muehle)

Schluss mit Experimenten! Beim Dresdner „Tatort“ besinnt sich das in letzter Zeit scharf kritisierte Sonntagabendformat wieder auf seine Wurzeln. In einem klassischen Krimi gerät diesmal die Versicherungswirtschaft ins Visier der Fahnder.

Liebhaber traditioneller Krimis wurden in den vergangenen Wochen und Monaten teilweise auf eine harte Probe gestellt. Weil die Macher des „Tatorts“ offenbar die Grenzen des Formats austesten wollten, bekamen die Zuschauer unter anderem einen Hardcore-Krimi im Porno-Milieu präsentiert, eine Improvisations- und Dialekt-Episode, eine Horror-Folge sowie eine Szene im Bremer „Tatort“, in der kurz das entblößte Gemächt des ermittelnden Kommissars zu sehen war.

Damit ist vorläufig Schluss: Die ARD schränkte mit einer Richtlinie die „Tatort“-Experimente radikal ein. Nur noch zwei „Spezial“-Fälle soll es pro Jahr geben. Lange musste der geneigte „Tatort“-Gucker nicht auf einen traditionellen Fall warten. Am Sonntag strahlte das Erste die Dresdner Folge „Auge um Auge“ aus, in der wieder nach alter Schule aufgeklärt und aufgedeckt wird.

Rainer Ellgast (Arnd Klawitter) verarbeitet den Tod eines Kollegen am Schießstand. (Bild: MDR/Wiedemann & Berg/Gordon Muehle)

Im Elbflorenz bekommen es die beiden Ermittlerinnen Sieland (Alwara Höfels) und Gorniak (Karin Hanczewski) sowie deren Chef Schnabel (Martin Brambach) mit einem Fall zu tun, der auf den ersten Blick nicht bürokratischer sein könnte. Die Polizei soll in der Versicherungswirtschaft ermitteln. Grund: Der Chef der Alva-Versicherung wurde mit drei Schüssen durch ein Fenster in seinem Büro getötet. Der Schütze befand sich offenbar auf dem Dach des Nachbarhauses.

Wer steckt dahinter? Motive gibt es viele: Da könnte der um seine Auszahlungssumme betrogene Kunde sein, der auf Rache sinnt. Eine Konkurrenzversicherung, die sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen will. Oder es könnte sich auch schlicht um eine private Fehde handeln. Doch der erste Verdächtige ist ausgerechnet ein Kollege des Toten, der Versicherungsmann Rainer Ellgast (Arnd Klawitter), der nach dem Vorfall selbst die Leitung der Alva-Versicherung übernimmt. Er hätte auch ein passendes Motiv: Ellgast wurde bei einer vergangenen Beförderung übergangen. Dazu kommt, dass er Mitglied in einem Schießverein ist. Mit Waffen dürfte er sich also bestens auskennen.

IT-Experte Ingo Mommsen (Leon Ullrich) bringt seine Kollegin Gorniak auf den neuesten Stand. (Bild: MDR/Wiedemann & Berg/Gordon Muehle)

Doch als auch Ellgast angeschossen wird, fällt er aus dem Kreis der Verdächtigen. Am Ende stellt sich die Rechtsanwältin Martina Scheuring (Henny Reents) als Mörderin heraus. Sie unterstützte einen geprellten Alva-Kunden, dem nach einem schweren Unfall, der ihn in den Rollstuhl brachte, seine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht ausbezahlt wurde. Scheuring wollte den Alva-Chef nicht töten, gesteht sie im Schlussdialog.

Dabei stellt sie, mit gezückter Waffe, Kommissarin Sieland noch eine Frage: „Wissen Sie, in wie vielen Fällen die Versicherung heutzutage bei Unfall und Berufsunfähigkeit ihre Leistung verweigern?“ Als Sieland den Kopf schüttelt, fordert Scheuring sie auf, zu raten. „30 Prozent?“, sagt die Kommissarin. Scheuring belehrt sie eines besseren: „60 Prozent!“

Fazit: Ein „Tatort“, der zwar keine Experimente wagt, aber spannungstechnisch hinter den Erwartungen bleibt. Das Szenario mit der Versicherungsbranche ist allerdings nicht an den Haaren herbeigezogen. Ein Beitrag im „Stern“ aus dem April 2017 deckte auf, dass Versicherungshäuser in der Tat oft eine Auszahlung bei Berufsunfähigkeitsversicherungen verweigern, weil etwa bestimmte Vorerkrankungen beim Vertragsabschluss nichts angegeben wurden.

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