Drogenkonsum: Fische können durch Abwässer süchtig werden

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Weil Methamphetamine in Kläranlagen nicht herausgefiltert werden, finden sich Reste in Flüssen und Seen. Eine Studie zeigt jetzt: Die Drogen können auch Fische süchtig machen.

Spawning sea trout or brown trout (Salmo trutta) in clear water creek, Denmark
Forellen können in mit Drogen verunreinigtem Wasser süchtig werden und ihr Verhalten ändern. Foto: symbolbild / gettyimages

Der steigende Konsum illegaler Drogen führt nicht nur mehr Menschen in die Abhängigkeit. Auch Tiere, die damit in Kontakt kommen, können wohl davon süchtig werden.

Das haben jetzt Forschende der Tschechischen Agraruniversität in Prag herausgefunden und in einer Studie im Journal of Experimental Biology veröffentlicht.

Unter der Leitung des Verhaltensökologen Pavel Horký haben sie zunächst heimische Flüsse auf Methamphetamin-Verunreinigungen hin untersucht. Im Interview mit dem NewScientist sagte Horky dazu diese Woche: „Wo Methamphetamin konsumiert wird, landet es auch irgendwann im Wasser.“

Und macht dort, aufgrund des steigenden Konsums, auch immer mehr Fische süchtig. Denn, nachdem der Mensch die Drogen ausgeschieden hat, landen sie in den Flüssen und Seen und Meeren – gängige Kläranlagen sind nicht dazu ausgestattet, Methamphetamine aus dem Abwasser herauszufiltern.

Meth-Fische suchen den nächsten Kick

Um die dadurch entstehenden Umweltfolgen experimentell zu beweisen, wollten die Forschenden den Einfluss der Drogen auf Tiere testen. Sie wählten dazu 120 Bachforellen aus – alle in Zucht geboren und aufgewachsen. Die Fische wurden dann in zwei 350-Liter-Tanks aufgeteilt, einer der Tanks enthielt eine Methamphetamin-Konzentration, wie sie zuvor in tschechischen Flüssen gemessen worden war. Die anderen Forellen landeten als Kontrollgruppe in einem Tank ohne Verunreinigung.

Nach acht Wochen wurden alle Drogen aus dem Wasser herausgefiltert und Fische aus beiden Gruppen zufällig ausgewählt. Ihr Verhalten wurde von nun an genau dokumentiert. Gesucht wurden Anzeichen für Entzug und Abhängigkeit.

Einerseits, indem die Fische in einen speziell konstruierten Tank gesetzt wurden. Der besaß zwei Zuflüsse und einen Abfluss. Einer der Zuflüsse enthielt gewöhnliches Wasser, durch den anderen strömte allerdings Methamphetamin-versetztes Wasser.

Die Fische aus der Kontrollgruppe zeigten keine Präferenz für einen der Zuflüsse. Aber die Fische, die zuvor wochenlang im Methamphetamin-Tank verbracht hatten, hielten sich viel häufiger im entsprechenden Methamphetamin-Zufluss auf.

Große Verhaltensänderung

Andererseits wurde die ganze Zeit über das Aktivitätslevel aller Fische geprüft. Das Ergebnis: Die zuvor mit Methamphetamin exponierten Fische waren weit weniger beweglich und aktiv als die Kontrollfische – was ihre Überlebenschance in Wildnis stark reduzieren könnte.

Dazu sagte Horký: „Das Verlangen der Fische nach Drogen und der dadurch ausgelösten Belohnung in ihrem Hirn könnte natürliche Belohnungsmechanismen, wie sie Futtersuche oder Paarung hervorrufen, übersteigen. Mehr Amphetamine im Wasser könnte deshalb das Funktionieren ganzer Ökosysteme verändern.“ So könnten die Fische etwa mehr Zeit in der Nähe von Kläranlagen verbringen, weil dort die Drogen-Konzentration im Wasser am höchsten sei. Allerdings würde das ihr natürliches Verhalten stark beeinträchtigen.

Um nach Rückständen der Drogen zu suchen, wurden anschließend alle Fische getötet und untersucht. In den Gehirnen der Fische aus dem Methamphetamin-Tank fanden die Forschenden auch zehn Tage später noch Spuren der Droge.

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