Drohende Überlastung der PCR-Testkapazitäten? Wie Experten die Lage einschätzen

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Die Omikron-Variante sorgt mittlerweile auch in Deutschland für ein rasantes Wachstum an Corona-Infektionen. So hat die Anzahl aller binnen eines Tages neu gemeldeten Fälle laut dem Robert-Koch-Institut erstmals die Schwelle von 90.000 überschritten. Die Sieben-Tage-Inzidenz erreichte damit einen Höchststand von 470,6. Die steigenden Infektionszahlen lassen auch die Labore an die Grenzen ihrer PCR-Testkapazitäten stoßen. Regional sind Vereinzelte bereits überlastet. Betrachtet man die aktuell verfügbaren Daten, könnte die Masse an benötigten Tests bald bundesweit für Probleme sorgen.

Rund 2,5 Millionen PCR-Tests sind pro Woche möglich. Die Zahl basiert überwiegend auf den aufgerundeten Daten der Akkreditieren Labore in der Medizin (ALM) und weiterer genutzter Testkapazitäten. Die ALM führen mehr als 90 Prozent der Tests durch. Geht man davon aus, dass 25 Prozent der durchgeführten Tests positiv sind, könnte hierzulande eine maximale Inzidenz von etwa 750 gemessen werden. Bei dem aktuellen Anstieg der Neuinfektionen, könnte ein solcher Wert bereits kommende Woche erreicht werden. Derzeit liegt laut dem aktuellen ALM-Bericht, Stand 11.01.2022, die Positivrate bei 23,4 Prozent. Sie stieg zuletzt stetig an.

„Die Testkapazitäten insgesamt sind derzeit noch nicht vollständig ausgeschöpft, bei rund 2,3 Millionen möglichen Tests pro Woche und derzeit noch niedriger Zahl durchgeführter Tests", sagt Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen. Allerdings gebe es bereits erhebliche lokale Probleme, da die Labore nicht flächendeckend verteilt sind. In manchen Regionen komme es bereits jetzt schon zu Wartezeiten von mehreren Tagen.

Entscheidungsprobleme bei Isolation und Quarantäne

Das sei besonders im Hinblick auf Isolations- und Quarantäne-Entscheidungen problematisch. „Es ist angesichts der unspezifischen Symptome schwierig, ohne Testung über Isolation oder Quarantäne zu entscheiden", so Zeeb. Insofern sei eine wichtige Stellschraube die Frage, wofür die Tests eingesetzt werden. „Ich würde trotz der etwas geringeren Aussagekraft zwei Antigenschnelltests an aufeinanderfolgenden Tagen zum Beenden der Isolation oder Quarantäne befürworten, so wie es auch in Großbritannien gemacht wird." Weil die Zahl der Labore kurzfristig nicht erweitert werden kann, sollte zudem darüber nachgedacht werden, sowohl für die kritische Infrastruktur als auch für Schulen einen Vorrang zu schaffen.

Claudia Denkinger, Leiterin der Sektion Infektiologie und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg spricht sich ebenfalls dafür aus, die Testkapazitäten „intelligent einzusetzen.“ Um die Krankenhäuser nicht zu überlasten, müssten besonders die vulnerablen Gruppen geschützt werden. Außerdem sei es wichtig, in den essenziellen Infrastrukturen zu testen. „Sodass zum Beispiel nicht auf einmal alle Polizisten einer Wache ausfallen“, sagt Denkinger.

In der Bundespressekonferenz am Freitag, 14. Januar, hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bereits angekündigt, bei einer Überlastung der Labore Gesundheitspersonal bei PCR-Testungen vorziehen zu wollen. So sollen die neuen Quarantäneregeln auch weiter umgesetzt werden können.

Die Frage, die sich zudem stellt: Ist es mit Blick auf eine womöglich bald beginnende endemische Lage überhaupt notwendig, die Testkapazitäten weiter so hoch zu halten? Endemisch ist laut einem Bericht des Deutschlandfunks eine Krankheit dann, wenn sie in bestimmten Regionen regelmäßig vorkommt. Im Gegensatz zur Pandemie bleibt die Zahl der Erkrankungen über eine Zeit relativ konstant. Typische Beispiele sind die Grippe oder Malaria. „Auf längere Sicht – insbesondere, wenn wir in eine endemische Lage mit vergleichsweise geringen Häufigkeiten schwerer Erkrankungen kommen – wird sicher seltener getestet werden", sagt Zeeb. Insbesondere anlassloses Testen werde dann vermutlich nicht mehr erfolgen.

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