Drohung an Karneval: Erpresser wollte Nagelbombe in Kölner Supermarkt hochgehen lassen

Der Angeklagte erhielt vor dem Amtsgericht eine Bewährungsstrafe.

Wegen versuchter räuberischer Erpressung hat das Amtsgericht am Donnerstag einen 54-jährigen Mann zu einen Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt. Die Staatsanwältin hatte ein Jahr Haft auf Bewährung gefordert, die Verteidigerin einen Freispruch beantragt. Das Schöffengericht sieht es als erwiesen an, dass der Gabelstaplerfahrer, der früher als Maurermeister gearbeitet hat, am Karnevalsdienstag des vorigen Jahres mehrmals in einem Supermarkt in Worringen angerufen und gefordert hat, die kompletten Tageseinnahmen in einer Plastiktüte vor die Tüte des Markets zu stellen.

Andernfalls werde er in dem Geschäft eine Nagelbombe hochgehen lassen. Wie schon bei einem früheren Prozesstermin behauptete der Angeklagte, er sei nicht der Täter: Er habe einem unbekannten Mann, der als Lappenclown verkleidet war, auf einem Supermarktparkplatz aus Freundlichkeit wiederholt sein Handy überlassen; dieser Mann müsse die Anrufe getätigt haben.

Die Filialleiterin hatte beim dritten Anruf das Telefon auf laut gestellt und einen Kollegen das kurze Gespräch aufnehmen lassen. Deshalb beschloss das Gericht beim ersten Verhandlungstag im Oktober, mit Hilfe der Aufzeichnung einen Stimmenvergleich vornehmen zu lassen. Vom Landeskriminalamt (LKA) kam dann der Bescheid, die aufgenommene Sequenz sei dafür zu kurz. Doch auch ohne das Gutachten sei die Beweislage ausreichend, sagte der Vorsitzende Richter: „Kleine Bausteine fügen sich zusammen.“

Nägel im Keller gefunden

So hatten die Ermittler bei einer Wohnungsdurchsuchung im Keller des 54-Jährigen Nägel gefunden, die dem LKA zufolge mit großer Wahrscheinlichkeit aus derselben Fertigung stammten wie die sichergestellten Metallstifte, die Mitarbeiter des Supermarkts am Aschermittwoch in einem Briefumschlag am Kartoffelregal gefunden hatten. Dazu kommen Widersprüche in den Aussagen des Mannes. Bei der Polizei hatte er gesagt, der Lappenclown habe ihn um das Handy gebeten, um ein Taxi zu rufen, später aber gab er an, der unbekannte Karnevalsjeck habe mit seiner Freundin telefonieren wollen. Außerdem, sagte der Richter, passe das „Stimmbild“ der Telefonaufzeichnung seinem Eindruck nach zu der Art, wie der Angeklagte im Prozess gesprochen habe.

Anrufer beschimpft und abgefertigt

Die Filialleiterin hatte die Forderung nach den Tageseinnahmen für einen schlechten Scherz gehalten und den Anrufer immer wieder resolut abgefertigt, ihn beschimpft und abrupt aufgelegt. „Sie können einem Leid tun“, sagte der Richter an den 54-Jährigen gewandt. „Da nehmen Sie all Ihren Mut zusammen, um anzurufen, und dann werden Sie von der Frau abgekanzelt und »Arschloch« genannt. Das muss frustrierend sein.“

Bis zur Tat habe der 54-Jährige ein „unauffälliges Leben“ geführt, und das werde er nach der Verurteilung wohl weiterhin tun: „Wir haben die Erwartung, dass Sie strafrechtlich nicht mehr in Erscheinung treten.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta