DTM-Premiere in Assen: Mutprobe "Ramshoek" und heikle Baguettes

Sven Haidinger

Neuland für die DTM: Nach 18 Jahren in Zandvoort findet das Niederlande-Gastspiel dieses Jahr erstmals auf dem TT Circuit in Assen statt. Und der hat es in sich: Die 4,542 Kilometer lange Strecke, die vor allem bei Motorradfans absoluten Kultstatus hat und daher "Cathedral of Speed" genannt wird, wartet mit einer wahren Mutprobe auf.

Sie heißt "Ramshoek" und ist mit geschätzten 265 km/h die schnellste Kurve der gesamten Saison, die in Assen in die zweite Hälfte geht. Rund 2,7 g wirken dabei auf die DTM-Piloten ein. "Die vorletzte Linkskurve wird auf jeden Fall extrem cool", freut sich Philipp Eng, der die Strecke als einziger BMW-Pilot vom ADAC-GT-Masters-Rennen im Jahr 2011 kennt.

"Einen Rennfahrer kann man mit schnellen Kurven immer glücklich machen, und speziell mit den Zweiliter-Turbomotoren wird das sicher großen Spaß machen." Und auch Aston-Martin-Pilot Ferdinand Habsburg, der die Strecke aus der Formel Renault kennt, weiß: "Im letzten Sektor muss man richtig Mut haben."

MotoGP-Randsteine: Track-Limits erneut ein Thema

Während sich im letzten Sektor gleich vier Kurven befinden, in denen die DTM-Autos über 200 km/h erreichen, ist vor allem der erste Sektor sehr winkelig. "Hier gibt es weitläufige Auslaufzonen, gerade im ersten Sektor", weiß Habsburg. "Dadurch können wir sicher viele verschiedene Linien ausprobieren."

Das hat auch mit den flachen Randsteinen zu tun, die in der MotoGP üblich sind. Wie in Misano werden also die Track Limits - und somit auch wieder die Baguette-Randsteine - ein Thema sein.

Baguette-Curbs: Wie es in Misano zu den Reifenschäden kam

Denn die sind alles andere als harmlos, wie das Misano-Wochenende bewiesen hat. Im ersten Freien Training verzeichnete Audi zahlreiche Reifenschäden, weil Rene Rast & Co. im Gegensatz zu den Piloten von BMW und Aston Martin auch die Baguette-Randsteine in die Linie miteinbezogen hatten.

Das Überfahren der Baguette-Randsteine kann böse Folgen haben

Das Überfahren der Baguette-Randsteine kann böse Folgen haben Audi AG

Audi AG

Ein gefährliches Spiel, denn die aus Gummi bestehenden Baguettes wurden beim Überfahren zusammengedrückt, wodurch die Schrauben herausstanden und teilweise sogar aus der Verankerung gerissen wurden. Das zerstörte die Hankook-Reifen. Erst als von der Rennleitung die Anweisung kam, dass die Baguette-Randsteine nicht überfahren werden dürfen, gab es keine Schäden mehr.

Eng warnt vor Reifenproblemen

Apropos Reifen: Die werden auch in Assen mitentscheiden. "Speziell bei den langgezogenen mittelschnellen und schnellen Kurven wird das Reifenmanagement wieder ein großer Faktor sein. Da müssen wir unsere Hausaufgaben machen", weiß BMW-Pilot Eng, dass das Set-up von großer Bedeutung sein wird.

So sieht das Layout der legendären Rennstrecke in Assen aus

So sieht das Layout der legendären Rennstrecke in Assen aus Audi

Audi

Dazu kommt, dass der Belag deutlich rauer ist als zuletzt auf dem Norisring, weshalb eine gute Startposition ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist, wie Hankook-Ingenieur Thomas Baltes erklärt.

"Mike Rockenfeller ist im zweiten Lauf am Norisring von Startplatz elf auf Rang drei vorgefahren und hat den Reifen über die gesamte Distanz voll gefordert. Auf einem aggressiveren Asphalt wie in Assen ist so eine Taktik nicht unbedingt ratsam", stellt er klar.

Frijns rechnet mit vielen Überholmanövern

Dafür deutet einiges darauf hin, dass das Überholen in Assen gut möglich sein wird, was wiederum für Aufholjagden spricht. "Generell sollte in Assen pures Racing mit vielen Überholmanövern möglich sein", ist auch Lokalmatador Robin Frijns, der nach seinem Formel-E-Sieg in New York mit breiter Brust anreist, überzeugt. "Auf den langen Geraden kann man zu dritt, vielleicht zu viert nebeneinander fahren."

Frijns ist der einzige Audi-Pilot, der bereits Rennerfahrung in Assen hat, bei Aston Martin gilt das ausgerechnet für die beiden Rookies Habsburg und Jake Dennis.

Mit Bildmaterial von Twitter.