Durch Familie freigekauft: Jesidin wurde mitten in der Türkei gefangen gehalten

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Jesidinnen fordern vor ihrem Heiligtum in Lalish am 8. März 2019 zum Weltfrauentag die Befreiung der Gefangenen (Bild: Reuters/Ari Jalal)
Jesidinnen fordern vor ihrem Heiligtum in Lalish am 8. März 2019 zum Weltfrauentag die Befreiung der Gefangenen (Bild: Reuters/Ari Jalal)

Die Jesiden erinnern in diesen Tagen an den Genozid, den der sogenannte “Islamische Staat” in ihren Siedlungsgebieten im Irak verübt hat. Vor sechs Jahren überfielen die Dschihadisten Shingal und töteten nach UN-Angaben bis zu 5000 Jesiden. Etwa 7000 Frauen und Kinder wurden versklavt und oftmals sexuell missbraucht.

Vergangene Woche erinnerte Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad daran, dass mehr als ein Jahr nach der Zerschlagung des IS-”Kalifats” immer noch etwa 2800 dieser Frauen und Mädchen vermisst werden. Eine von ihnen kam vor wenigen Tagen frei - freigekauft durch die eigene Familie von einem IS-Anhänger, der unbehelligt in der Türkei lebte, wie die Nachrichtenseite “Duvar” meldete.

Im Darknet als Sklavin verkauft

Die junge Jesidin, die in den Berichten unter dem falschen Namen Zozan K. geführt wird, war demzufolge 16, als sie aus Shingal in die Sklaverei verschleppt wurde. Viele ihrer Familienmitglieder wurden vom IS ermordet, doch ein Onkel entkam mit seiner Familie und fand Asyl in Australien. Von dort aus suchte er nach verschollenen Verwandten. 2018 wurden Zozans Verwandte darauf aufmerksam, wie das Mädchen im Darknet weiterverkauft wurde.

Neuer “Besitzer” war demnach ein turkmenischer IS-Anhänger aus dem Irak, der Zozan zunächst nach Mosul brachte. Vor etwa 10 Monaten sei er dann mit seiner Familie nach Ankara gezogen und danach regelmäßig zwischen der Türkei und dem Irak hin- und hergereist. Bei einem seiner Aufenthalte in der Türkei nahmen die Verwandten der Jesidin über Mittelsmänner Kontakt zu dem Mann auf und konnten ihn schließlich zum Verkauf überreden.

Nachdem der IS-Anhänger im Irak ausbezahlt wurde, konnten Angehörige der jesidischen Gemeinde in Ankara die junge Frau aus der Wohnung holen, in der sie zusammen mit den beiden Ehefrauen und vier Kindern des Mannes leben musste.

Schwere Misshandlungen in der Gefangenschaft

Nach der Freilassung berichtete Zozan ihrer Familie, dass sie von dem Dschihadisten wie auch dessen Frauen regelmäßig misshandelt wurde. Medienberichten zufolge wies ihr Körper zum Zeitpunkt der Rettung Schnittverletzungen, Zigaretten-Brandwunden und Anzeichen für wiederholten sexuellen Missbrauch und Mangelernährung auf.

Ob auch die türkischen Behörden eingeschaltet wurden, ist unklar. 2019 wurde in einem ähnlichen Fall ebenfalls in Ankara eine Jesidin durch die Polizei aus der Gefangenschaft befreit. Die Türkei ist seit Jahren ein beliebter Rückzugsort für IS-Kämpfer. Der Regierung in Ankara wurde immer wieder vorgeworfen, die Dschihadisten gewähren zu lassen oder sie sogar im syrischen Bürgerkrieg zu unterstützen.

Video: Befreite Jesidinnen müssen ihre IS-Kinder zurücklassen

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