Ein Dutzend Gefangene in winziger Geheimzelle auf den Philippinen entdeckt

Geheimzelle auf philippinischer Polizeiwache

In einer winzigen Geheimzelle auf einer philippinischen Polizeiwache ist ein Dutzend eingepferchter Menschen entdeckt worden. In Begleitung von Journalisten fanden Mitglieder des Menschenrechtsausschusses der philippinischen Regierung am Donnerstagabend bei einem unangekündigten Besuch die versteckte Zelle, die etwa die Größe eines Kleiderschranks aufwies.

Hinter einer Wand auf der Wache in einem Armenviertel von Manila hörten die Menschenrechtler und Journalisten Schreie: "Hier sind wir, hier sind wir". Hinter einem Bücherregal entdeckten die Besucher dann eine Geheimtür, die zu der Zelle führte. Heraus taumelten benommene Häftlinge; einige baten verzweifelt um Wasser, andere flehten die Menschenrechtler unter Tränen an, sie nicht allein zu lassen.

Die Gefangenen berichteten, sie seien nach ihrer Festnahme wegen mutmaßlichen Drogenkonsums oder -handels etwa eine Woche in der Geheimzelle festgehalten worden. Die Polizisten hätten hohe Geldsummen für ihre Freilassung gefordert. Der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses, Gilbert Boisner, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Freitag, die Menschen seien "unter dem Vorwand von Drogen aufgegriffen worden", es habe aber keine formelle Anzeige gegeben.

Der Chef der Polizeiwache wurde am Freitag suspendiert. Die Polizei sagte Ermittlungen zu dem Vorfall zu, räumte aber zugleich ein, dass unrechtmäßige Festnahmen weit verbreitet seien. Es handele sich "nicht um ein Problem auf nur einer Polizeiwache, sondern auf fast allen Wachen in der Region", erklärte Manilas Polizeichef Oscar Albayalde.

"Die Geheimzelle ist ein erneuter Beweis dafür, wie die Polizei die missbräuchliche Anti-Drogen-Kampagne von (Staatschef Rodrigo) Duterte zur persönlichen Bereicherung ausnutzt", erklärte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Die inhaftierte philippinische Senatorin und Duterte-Kritikerin Leila de Lima erklärte, die Geheimzelle sei eine Konsequenz aus dem Anti-Drogen-Krieg, die zu erwarten gewesen sei.

Duterte führt seit seinem Amtsantritt im Juni 2016 einen unerbittlichen Kampf gegen Drogenkriminelle. Tausende Menschen wurden seither getötet, darunter mehr als 2700 von der Polizei. Duterte sagte am Donnerstag an Menschenrechtsaktivisten gerichtet, er sei "kein Menschenrechtler".

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