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Dutzende Ex-Staats- und Regierungschefs dringen auf Pandemie-Abkommen der WHO-Länder

Mehr als 50 frühere Staats- und Regierungschefs haben die mehr als 190 Mitgliedsländer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eindringlich aufgerufen, sich auf ein internationales Abkommen zur Pandemie-Prävention zu einigen. (Fabrice COFFRINI)
Mehr als 50 frühere Staats- und Regierungschefs haben die mehr als 190 Mitgliedsländer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eindringlich aufgerufen, sich auf ein internationales Abkommen zur Pandemie-Prävention zu einigen. (Fabrice COFFRINI)

Mehr als 50 frühere Staats- und Regierungschefs haben die mehr als 190 Mitgliedsländer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eindringlich aufgerufen, sich auf ein internationales Abkommen zur Pandemie-Prävention zu einigen. Ein Pandemie-Abkommen sei "wesentlich, um unsere gemeinsame Zukunft zu sichern", erklärten frühere politische Entscheidungsträger wie der britische Ex-Premierminister Gordon Brown und die neuseeländische Ex-Premierministerin Helen Clark am Mittwoch in einem gemeinsamen Schreiben.

"Nur ein starker weltweiter Pakt gegen Pandemien kann künftige Generationen vor einer Wiederholung der Covid-19-Krise schützen, die Millionen Tote und weitreichende soziale und wirtschaftliche Zerstörung mit sich gebracht hat, insbesondere wegen einer unzureichenden internationalen Zusammenarbeit", hieß es in dem Schreiben weiter.

Die Unterzeichner zeigten sich überzeugt, dass die nächste Pandemie nur eine Frage der Zeit sei. Es gebe daher "keinerlei Entschuldigung, nicht vorbereitet zu sein". Nötig sei "ein effizienter, multisektoraler und multilateraler Ansatz bei Vorsorge, Vorbereitung und der Antwort auf Pandemien".

Diese und kommende Woche finden am WHO-Sitz Genf Beratungen über ein internationales Abkommen zur Vorbeugung von Pandemien statt, das bis Mai stehen soll. Nach mehreren Verhandlungsrunden gibt es aber immer noch einige bedeutende Differenzen zwischen den Mitgliedstaaten und der WHO. Die Unterzeichner des Appells befürchten daher, dass das Abkommen nicht rechtzeitig fertig wird, um im Mai von der Weltgesundheitsversammlung angenommen zu werden.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus hatte im Januar erneut unter anderem in Online-Netzwerken kursierende Behauptungen scharf zurückgewiesen, das geplante Pandemie-Abkommen schränke die Souveränität der WHO-Mitgliedstaaten ein. Dieser Vorwurf sei "komplett falsch", erklärte er. Vergangenes Jahr hatte auch der US-Multimilliardär Elon Musk, dem unter anderem das Online-Netzwerk X gehört, gewarnt, Staaten sollten in den Verhandlungen zu einem neuen Pandemie-Abkommen "keine Autorität an die WHO abtreten".

Durch die Corona-Pandemie waren nach WHO-Angaben ab Ende 2019 weltweit mindestens 20 Millionen Menschen ums Leben gekommen. Gegenmaßnahmen wie Lockdowns und Reisebeschränkungen brachten schwere wirtschaftliche Schäden mit sich.

Auch die Gesundheitssysteme waren nicht auf die Pandemie vorbereitet. So behinderte lange ein Mangel an Corona-Impfstoff den Kampf gegen das Virus. Viele Länder wie Deutschland nahmen sich in der Folge vor, die Produktion von Impfstoffen nicht mehr weitgehend einzelnen Staaten zu überlassen.

Offenbar wurde dieses Vorhaben nicht ausreichend umgesetzt. So teilte die Internationale Koordinierungsgruppe für die Impfstoffversorgung (ICG) der WHO am Mittwoch mit, es gebe deutlich zu wenig Impfstoff gegen Cholera, die weltweiten Vorräte seien so knapp wie noch nie. Es müsse nun "sofort gehandelt werden, um den beispiellosen Anstieg seit mehreren Jahren der weltweiten Cholerafälle einzudämmen".

Aktuell produziert nur das südkoreanische Unternehmen EuBiologics Impfstoff gegen Cholera und bis zum Jahr 2025 wird voraussichtlich kein weiteres Labor dazu in der Lage sein. Im Jahr 2022 verdoppelte sich die Zahl der gemeldeten Cholera-Fälle laut WHO gegenüber dem Vorjahr auf 473.000, 2023 waren es nach vorläufigen Angaben rund 700.000 Fälle.

Cholera wird unter anderem durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen und kann unbehandelt schnell zum Tod führen. Laut WHO ist die Krankheit seit 2021 wieder auf dem Vormarsch. Zu den am stärksten betroffenen Ländern gehören die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Haiti, Somalia, Sudan, Syrien, Sambia und Simbabwe.

yb/mid