Dutzende Festnahmen bei neuen Oppositionsprotesten in Moskau

Polizisten nehmen einen Demonstranten fest

In Moskau sind erneut dutzende Menschen bei Kreml-kritischen Protesten festgenommen worden. Wie das russische Innenministerium am Sonntag mitteilte, wurden 31 Menschen wegen "Verletzung der öffentlichen Ordnung" in Gewahrsam genommen. Die Bürgerrechtsgruppe OWD-Info, die Festnahmen von Aktivisten in Russland dokumentiert, sprach von mindestens 56 Festgenommenen, unter ihnen mindestens vier Minderjährige.

Vor einer Woche waren bei Massenprotesten gegen Korruption in mehreren russischen Städten mehr als tausend Menschen festgesetzt worden. Der Organisator der Proteste, der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny, wurde in Moskau festgenommen. Er wurde wegen Aufrufs zu einer ungenehmigten Kundgebung und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 15 Tagen Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt. An den landesweiten Protesten hatten sich auffallend viele junge Leute beteiligt.

Bei dem friedlichen Protestzug in der Moskauer Innenstadt am Sonntag griffen die Sicherheitskräfte erneut zu: Augenzeugen berichteten, die Polizei habe gezielt Teilnehmer festgenommen, die bei der Demonstration eine Woche zuvor fotografiert worden waren.

Sie habe sofort gesehen, dass die Polizei "Kinder festhielt und Gesichter aus den Medien", sagte die 70-jährige Demonstrantin Natalia Ponomarenko, die auch an der Kundgebung am vergangenen Sonntag teilgenommen hatte.

Unter den Festgenommenen war der 16-jährige Pawel Djatlow, der bei den Protesten vor einer Woche auf einen Laternenmast geklettert war und später festgenommen worden war. Durch Fotos von der Kletteraktion war er zu einem Symbol der Jugendproteste geworden.

Laut OWD Info hatten einige der Festgenommenen separat demonstrieren wollen, darunter der Oppositionelle Ildar Dadin, der Ende Februar nach 15 Monaten Haft freigelassen worden war. Dadin hatte wegen seiner Teilnahme an ungenehmigten, aber friedlichen Protesten im Gefängnis gesessen.

Nawalny, der gerade seine 15-tägige Haftstrafe absitzt, distanzierte sich von den neuen Protesten. "Er weiß darüber absolut nichts", erklärte seine Sprecherin Kira Jarmysch im Kurzbotschaftendienst Twitter. Koordiniert wurde die Protestaktion über soziale Netzwerke im Internet. Einträge bei Facebook deuten auf einen Zusammenhang zu einer wenig bekannten nationalistischen Gruppe hin. Prominente Oppositionelle nahmen nicht teil.

Die Demonstranten waren von einer U-Bahn-Station in der Innenstadt die zentrale Twerskaja-Straße entlanggelaufen. Schnell stellten sich ihnen jedoch Polizisten mit Helmen und Schutzwesten in den Weg.

Der 16-jährige Djatlow sagte vor seiner Festnahme zu AFP: "Wir marschieren nur. Wir gehen Richtung Roter Platz und die Polizei fängt an, uns zurückzudrängen." Die Demonstration habe das Ziel, den Rücktritt der Regierung und vorgezogene Präsidentschaftswahlen zu fordern.

Auch in anderen Städten gab es regierungskritische Proteste, die allerdings von den örtlichen Behörden genehmigt waren: Im sibirischen Nowosibirsk gingen nach Angaben des russischen Innenministeriums 400 Menschen auf die Straße, in Samara in der Wolgaregion waren es 650 Teilnehmer und im südlichen Astrachan 250. In St. Petersburg sei ein Teilnehmer einer nicht genehmigten Demonstration festgenommen worden.

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