Mehr als 60 Tote bei Luftangriff auf Bäckerei in Syrien

Internationaler Sondergesandter besucht Krisenland

Bei einem Luftangriff auf eine wartende Menge vor einer Bäckerei in Syrien sind nach oppositionsnahen Angaben mehr als 60 Menschen getötet worden. Sie seien in Halfaja in der Provinz Hama von Jagdbombern der Luftwaffe angegriffen worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Mindestens 50 Menschen seien verletzt worden. Der internationale Sondergesandte Lakhdar Brahimi reiste derweil erstmals seit zwei Monaten wieder nach Syrien.

Das Rebellennetzwerk Lokale Koordinierungskomitees (LCC) sprach in einer Erklärung von einem "Massaker" in Halfaja im Zentrum Syriens. Es gebe auch dutzende Verletzte. Laut LCC herrscht in dem von den Aufständischen kontrollierten Halfaja derzeit eine Lebensmittelkrise, weil die Armee von Syriens Machthaber Baschar al-Assad den Ort belagere. Nachdem die Einwohner tagelang kein Brot bekommen hätten, hätten sich viele vor der Bäckerei versammelt.

In einem Video, das Aufständische im Internet veröffentlichten, waren viele Leichen in den Trümmern eines Gebäudes zu sehen. Der Kameramann sagte: "Schau, Welt, schau Dir das Massaker von Halfaja an." Ende August hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch Assads Truppen vorgeworfen, innerhalb von drei Wochen allein in der nordsyrischen Provinz Aleppo mindestens zehn Bäckereien bombardiert zu haben. Dabei seien viele Menschen getötet worden, allein 60 bei einem Bombardement in der Stadt Aleppo Mitte August.

Am Samstag hatte die syrische Luftwaffe bereits Angriffe in mehreren Provinzen des Landes geflogen. Wie die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurden bei Bodengefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen in der Provinz Hama mehrere Zivilisten verletzt. In der Provinz Raka seien bei Kämpfen zwei Aufständische getötet worden.

In Damaskus starben laut der Beobachtungsstelle am Samstag mindestens fünf Menschen bei einem Autobombenanschlag. Dutzende Menschen seien durch die Explosion im nordöstlichen Stadtteil Kabun verletzt worden. In der Hauptstadt wurde nach Angaben des Staatsfernsehens ein Kameramann von Rebellen erschossen.

Anders als bei seinen vorherigen Besuchen reiste Brahimi über den Landweg nach Syrien ein und fuhr nach Damaskus, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Zuletzt war Brahimi vom 19. bis zum 24. Oktober in Damaskus gewesen und hatte dort auch mit Assad gesprochen.

Kurz vor Brahimis Ankunft sagte der syrische Informationsminister Omran al-Sohbi, er wisse nichts von einem derartigen Besuch. Er rief erneut zu einem innersyrischen Dialog auf, um den Konflikt beizulegen. Die Aufständischen machen Assads Machtverzicht zur Vorbedingung für jegliche Verhandlungen.

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