E-Autos: VW arbeitet mit Bosch in Salzgitter und Stuttgart an Produktionssystemen für Batteriezellen

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Volkswagen arbeitet bei dem Aufbau der Batteriezellfertigung zukünftig mit Bosch zusammen.
Volkswagen arbeitet bei dem Aufbau der Batteriezellfertigung zukünftig mit Bosch zusammen.

Volkswagen will bei der Transformation zu einem E-Auto-Hersteller unabhängiger von Fernost werden. Der Großteil der Batteriezellhersteller sitzt in China und Südkorea. Branchengiganten wie CATL und LG Chem haben eine überwältigende Marktmacht inne. Im März 2021 machte VW im Rahmen seines "Power Day" einen Schritt zu diesem Ziel öffentlich: Bis 2027 sollen allein in Europa sechs neue Zellfabriken nach dem Vorbild von Teslas "Gigafactories" entstehen, in denen die Batterien für nahezu alle elektrischen Konzernmodelle produziert werden sollen.

Eine dieser Fabriken ist das Motorenwerk im niedersächsischen Salzgitter, das derzeit umfangreich erweitert und modernisiert wird. Es soll wie die anderen VW Batteriefabriken pro Jahr Zellen mit einer Speicherkapazität von 40 Gigawattstunden (GWh) produzieren. Ursprünglich hatte VW für Salzgitter eine Jahresproduktion von 10 GWh im Sinn, im Zuge der Zusammenarbeit mit dem schwedischen Batterieproduzenten Northvolt wurde dieser Wert auf 40 GWh erhöht.

Volkswagen baut das Werk in Salzgitter doch alleine um

Die Kooperation mit Northvolt wurde an dem Standort jedoch schon nach wenigen Monaten wieder beendet. Laut konzerninternen Informationen, welche die "Wirtschaftswoche" im März veröffentlicht hatte, war der zweitgrößte Autobauer der Welt mit dem Tempo des skandinavischen Partners nicht zufrieden. Der Aufbau der Fabrik sei nur schleppend vorangekommen. Nach Ansicht von Volkswagen sei Northvolt zu sehr mit der Errichtung seiner eigenen Zellfabrik in Nordschweden beschäftigt und mit beiden Projekten überfordert gewesen. Die Schweden sollten sich auf ihr eigenes Werk konzentrieren, während VW den Aufbau von Salzgitter selbst in die Hand nimmt. 2025 soll dort die Fertigung aufgenommen werden.

Auch wenn sich Northvolt aus Salzgitter zurückgezogen hat, besteht die Partnerschaft mit Volkswagen weiter. Die Wolfsburger setzen immer noch große Hoffnungen in das Unternehmen, in das sie im Juni weitere 500 Millionen Euro investiert haben. Das junge schwedische Unternehmen soll für den Konzern Hochleistungszellen, für dessen Premium-Modelle produzieren. Diese sollen vor allem bei Porsche und Audi zum Einsatz kommen.

VW und Bosch gründen ein gemeinsames Projekthaus

VW hat jetzt offenbar zusätzlich einen weiteren Partner gefunden. Am Dienstag wurde kommuniziert, dass Thomas Schmall, der Technik-Vorstand des VW-Konzerns und Rolf Nojork, Mitglied der Bosch-Geschäftsführung, eine Absichtserklärung unterschrieben haben.

Der Autohersteller hat mit dem süddeutschen Technologiekonzern und weltgrößtem Zulieferer ein sogenanntes Projekthaus ins Leben gerufen. Es soll Produktionssysteme für Batterien entwickeln und anbieten, sowie anderen Unternehmen beim Aufbau und der Skalierung der Fertigung unter die Arme greifen. Dabei hat VW wahrscheinlich nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitbewerber, sowie spezialisierte Batterieproduzenten im Blick. Daimler und Stellantis möchten ihre Zellen beispielsweise zukünftig auch selber in Europa herstellen.

Auch andere Hersteller könnten zu Kunden werden

Aus dem Projekthaus, zu dessen Investitionssumme sich die beteiligten Konzerne noch ausschweigen, könnte ab dem Jahresende ein Gemeinschaftsunternehmen werden. Der Bedarf ist riesig. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen allein in Europa Zellfabriken mit einer kombinierten Jahresproduktion von etwa 700 GWh hochgezogen werden. "Wir arbeiten daran, eine vollständig lokalisierte europäische Lieferkette für E-Mobilität "made in Europe" aufzubauen – eine historische Chance in der Wirtschaftsgeschichte", wird Thomas Schmall in einer VW-Pressemitteilung zitiert.

Laut der Wirtschaftswoche wird bei dem Gemeinschaftsprojekt der beiden deutschen Industriegiganten auch Salzgitter wieder eine große Rolle spielen. Nach Informationen des Mediums sollen auf beiden Seiten jeweils 40 Beschäftigte daran arbeiten - An einem Bosch-Standort in Stuttgart-Feuerbach und im Umfeld des sich im Umbruch befindlichen niedersächsischen VW-Werks. Die Mitarbeiter sollen zwischen den beiden Lokalitäten wechseln und so für einen personellen Austausch zwischen den Konzernen sorgen. Bis auf Weiteres möchten Bosch und Volkswagen das Projekt zwölf Monate lang finanzieren.

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